Claes Oldenburg Geometric Mouse, Scale C, 1971, mumok erworben 1976 Photo: mumok © Claes Oldenburg
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Claes Oldenburg Geometric Mouse, Scale C, 1971, mumok erworben 1976 Photo: mumok © Claes Oldenburg

Claes Oldenburg – The Sixties

Ein überdimensionales Tortenstück, ein von der Decke baumelnder Riesen-Mixer, ein Museum in Form einer Maus. Ganz klar, die Pop Art hat Einzug ins mumok gehalten. Und nicht irgendeine – immerhin ist Claes Oldenburg neben Andy Wahrhol und Roy Liechenstein der führende Vertreter der wohl wichtigsten Stilrichtung innerhalb der amerikanischen Kunst ab den 1950er Jahren.

Oldenburg ist der Öffentlichkeit weniger bekannt als seine beiden umso berühmteren Kollegen und das, obwohl er zusammen mit Wahrhol und Liechtenstein die „heilige Dreifaltigkeit“ der amerikanischen Pop-Art bildet. Anders als die eher „coole Kunst“ der beiden anderen Künstler, ist Oldenburgs Praxis eher spielerisch angelegt, in der sich Humor wie Tiefgründigkeit abwechseln. Zentrales Motiv ist beim 1929 in Stockholm geborenen Künstler die verfremdete Darstellung von industriell gefertigter Ware, die zum Symbol und Ausdruck von Wünschen und Projektionen unserer Lebenswelt wird.

Obsessionen einer medial geprägten Konsumgesellschaft

Die Ausstellung im mumok legt den Fokus auf das bisher selten gezeigte Frühwerk des Künstlers. Anhand von fünf thematischen Arbeitskomplexen – The Street, The Store, The Home, The Monument, The Museum – lässt sich das unglaublich umfangreiche Werk von Claes Oldenburg exemplarisch erfassen. In The Street wird die Abgrenzung zu Warhol und Liechtenstein besonders deutlich, findet Oldenburg seine Inspiration doch nicht in leuchtenden Werbeanzeigen, sondern auf der Straße. Folglich sind seine Objekte aus „armen Materialien“ wie Karton, Holz und Metall, die in ihrer abstrakten Form Assoziationen an Müll und Dreck der Großstadt auslösen und die auf die Bedingungen der menschlichen Existenz verweist. The Store ist in seiner visuellen Formensprache schon konkreter: es sind unterschiedliche Gegenstände der Alltagswelt, die durch eine knallbunt-leuchtende Farbigkeit einer Art Fetischisierung unterzogen werden.

Claes Oldenburg Soft Dormeyer Mixer, 1965 Photo: mumok © Claes Oldenburg

Mit The Home vollzieht Oldenburg den Schritt ins Häusliche. Kleine, im Haushalt wenig beachtete Hilfsmittel, verwandeln sich in riesige funktionslose Objekte, die fast schon bedrohlich von der Decke baumeln oder halb am Boden herumliegen. In der Präsentation treibt Oldenburg ein ungewöhnliches, doch intendiertes Spiel, indem er die Bedingungen und Anforderungen der modernen Ausstellungspraxis humorvoll hintergeht.

„Ich bin für eine Kunst (…), die etwas anderes tut, als in einem Museum auf ihrem Arsch zu sitzen“

Internationale Bekanntheit erlangte der Künstler 1965 mit seinen großformatigen Large Scale Projects, die er zusammen mit seiner späteren Lebensgefährtin Coosje van Bruggen realisierte. In The Monument bezieht sich die Ausstellung mit Oldenburgs riesenhaften Objekten auf seine Arbeiten im öffentlichen Raum. Ein Teddybär, Mega-Sicherheitsnadeln oder eine überdimensionierte Schaufel, die in ihrer Übersteigerung alle Facetten von surreal, spielerisch bis bedrohlich ausloten, stehen nicht als Mahnmal oder Monument historischer Erinnerung, sondern sind vielmehr ein Verweis auf die Banalität der städtischen Lebenswelt.

„The Mouse, that's me!“

Seit 1963 beschäftigt sich der Künstler mit dem Thema Mickey Mouse, die seither in verschiedenster Form seine künstlerische Ausgestaltung fand. Den Abschluss der Ausstellung bildet das Mouse-Museum – ein begehbares Museum in der Form einer Mickey Mouse, eine Art „Mausoleum“. Wie ein Volkskundemuseum gefüllt mit allerlei Gegenständen unserer (Alltags)kultur, verweist es auf die Vielfalt wie gleichzeitig die Abgründigkeit der modernen kapitalistischen Lebenswelt.

Oldenburg Mouse Museum

Monatelange vorsichtige Überzeugungsarbeit benötigte Kurator Achim Hochdörfner, bis er den heute 92jährigen Künstler von der bislang größten Präsentation seines Frühwerks begeistern konnte. Schon allein der Umstand, einen der letzten lebenden Giganten der Kunstgeschichte zu sehen, der eigens für die Eröffnung nach Wien anreiste, war den Besuch der Ausstellungseröffnung wert. Das Resultat der Ausstellung kann sich zudem durchaus sehen lassen, seine bisher selten oder noch nie gezeigte Werk(gruppen) lassen sich auch heute noch als humorvollen bis scharfzüngigen Kommentar auf unsere Gesellschaft lesen.

(Barbara Pflanzner)

Claes Oldenburg – The Sixites
mumok
bis 28.5.2012
Eintritt € 9,00 / € 7,20 / € 6,50



Fotocredits:
Claes Oldenburg Soft Dormeyer Mixer, 1965
Vinyl, kapok wood, aluminum tubing, electric cord and rubber / Vinyl, Kapok, Holz, Aluminiumrohre, Elektrokabel und Gummi 79.7 x 51.1 x 30.5 cm Whitney Museum of American Art, New York Purchase, with funds from the Howard and Jean Lipman Foundation, Inc. / Ankauf ermöglich durch die Howard and Jean Lipman Foundation Photo: mumok © Claes Oldenburg

Claes Oldenburg Mouse Museum, 1965/1977
Wood and corrugated aluminum, plexiglas display cases with 385 objects, sound / Holz und Aluminiumwellblech, Acrylglasvitrinen mit 385 Objekten, Ton 263 x 950 x 1020 cm mumok museum moderner kunst stiftung ludwig wien On loan from the Austrian Ludwig Foundation, since 1981 / Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung seit 1981 Photo: mumok © Claes Oldenburg
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