Violetta Parisini im Gespräch
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Violetta Parisini im Gespräch
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Violetta Parisini im Gespräch

Mit „Open Secrets“ veröffentlicht Violetta Parisini am 24.Februar ihr großartiges zweites Album. War ihr Debüt „Giving You My Heart To Mend“ schon ein bemerkenswerter Mix aus musikalischer Vielschichtigkeit, einprägsamen Songs und Texten, so ist Parisini mit „Open Secrets“ ein großer Wurf gelungen. Gleichermaßen verspielter und reduzierter ist „Open Secrets“ ein wunderschön arrangiertes Zweitlingswerk geworden, das textlich in die psychologische Tiefe geht. Logisch, dass stadtbekannt Parisini zum ausführlichen Gespräch bat.

Violetta Parisini im Gespräch mit Markus Brandstetter

Erzähl uns ein wenig über die Entstehung deines neuen Albums.

Schon zwischen der Fertigstellung des ersten Albums und dem Release habe ich begonnen, wieder neue Lieder zu schreiben. Das mit dem Lieder schreiben ist ja eher etwas, das einem passiert – und in dieser Phase ist es eben wieder vermehrt geschehen. Ich habe dann bis zu dem Zeitpunkt der Produktion, die im April letzten Jahres begann, um die zehn Songs gehabt, von denen ich dachte, dass sie gut und umsetzbar sind. Das war schon mal ein anderer Ausgangspunkt als beim ersten Album – bei „Giving You My Heart To Mend“ war es so dass ich, gemeinsam mit Florian Cojocaru, überhaupt erst gelernt habe, Songs zu schreiben. Wir haben viel gejammt, und ich bin oft nur mit Texten oder einzelnen Ideen und Melodien gekommen. Erst gegen Ende der ersten Produktion kam ich mit ganzen Songs, am ersten Album sind vielleicht vier Songs von mir alleine, der Rest ist „erjammt“ oder mit Florian gemeinsam geschrieben. Beim zweiten Album kam ich mit Songs, die schon relativ ausgegoren waren. Wir haben sie rudimentär aufgenommen, damit Florian sich ein Bild davon machen konnte. Einige haben wir nochmal aufgemacht, reingegriffen und beschlossen, dass wir hier und da etwas ändern müssen – und wiederum ein anderer war schon seit Jahren im halbfertigen Zustand. Das war ein Song, von dem ich wusste, dass er viel Potential in sich trägt, aber noch keinen Zugang fand, ihn zu beenden. Den haben wir dann gemeinsam fertig geschrieben. Das war eine sehr gute Idee, weil Florian einen ganz anderen Zugang als ich hat. Er hat mehr Erfahrung und ist auch der bessere Handwerker, im positivsten Sinne. Er kann sehr pragmatisch mit Sachen umgehen. Das mag natürlich auch daran liegen, dass es für mich recht schwer ist, wenn ich so lange mit einem Song gelebt habe, damit noch pragmatisch umzugehen, das fällt anderen leichter. Man muss dann natürlich auch offen für Veränderungen sein. Wir haben monatelang viel diskutiert, gestritten und geredet, uns gefreut dass es so toll ist und uns anschließend in die Haare gekriegt, weil einer von uns wieder gemeint hat, das und jenes ist ja doch noch nicht so toll. Man musste erst einen Stil finden, dieser Prozess war anders als beim ersten Album.

In welche Richtung hat sich deine Musik beim zweiten Album verändert?

Das ist schwierig zu sagen. Ich habe mich musikalisch mehr gefunden, und das wird zum Stil. Aber ich habe kein Etikett dafür, ich könnte jetzt nicht sagen „das ist DER Violetta Parisini-Stil“. (überlegt). Ich glaube, es ist mehr Singer/Songwriter und ein bisschen weniger Pop als das letzte Album, aber zur gleichen Zeit ist es auch spielerischer. „I Want It All To Not Be True“ und „Defy Control“ haben wir schon gespielt, bevor die Produktion begonnen hat, da haben wir das Bandarrangement einfach übernommen. „Defy Control“ sticht heraus, weil es sehr rockig ist. Beim zweiten Album wurden viele Dinge über das Livespielen klarer. „I Want It All To Not Be True“ habe ich oft zu zweit mit Alex Pohn, meinem Schlagzeuger, gespielt - und da hatte er auch viel Anteil daran, dass es diese Kraft hat – weil er seine eigene Musikalität reingelegt hat.

Thematisch ist „Open Secrets“ ja ein sehr nachdenkliches und selbstreflexives Album geworden. Es geht schon sehr in die psychische Tiefe.

Absolut, das stimmt. Ich habe mich von manchen meiner Mustern emanzipiert. Eben weil einige Dinge passiert sind die mich entweder dazu gezwungen haben oder ich mich aktiv damit beschäftigt habe. „Memoirs of a Pleasant Child“ handelt von einem ganzen Themenkomplex, den jeder in der einen oder anderen Form mit sich herumschleppt: nämlich wie man als Kind funktioniert hat und wie viel man davon mitgenommen hat. Und auch von welchen Aspekten man sich noch trennen muss, um man selbst zu sein, um nicht mehr unter der Fuchtel von irgendwelchen Vorstellungen zu stehen, die jemand anderes oder man sich selbst gemacht hat. Ich habe ein Buch von Alice Miller gelesen, ein Buch das man durchaus kritisch lesen muss: aber es hat mich zu Tränen gerührt, weil ich soviel von mir selbst wiedererkannt habe. Wenn man in so einen Denkprozess kommt und der Denkprozess dann emotional wird, kommt auch ein Lied dabei heraus. Es war wahnsinnig wichtig für mich, das geschrieben zu haben – es hatte etwas sehr Kathartisches. Oder auch die Sache mit Kontrolle und Kontrollverlust bei „I Want It All To Not Be True“ - das war ein Thema, dem ich mich nie gestellt habe, weil ich mich dem eben nie stellen musste. Dann kam aber etwas, das mich dazu gezwungen hat: und plötzlich kommt da nicht nur eine Emotion sondern ein ganzer Themenkomplex hervor. Wäre ich nicht Musikerin, wäre ich Psychotherapeutin geworden (lacht). Kann ich ja immer noch werden, wer weiß, was ich in meinem Leben noch so machen werde. Ich habe Philosophie studiert, aber Psychologie hat mich immer sehr interessiert, auch weil ich selbst wahnsinnig selbstreflexiv bin. Das drückt sich natürlich auch in den Songs aus. Vielleicht habe ich jetzt auch mehr Mut, so etwas auszudrücken. Vielleicht auch weil ich die Songs diesmal alleine geschrieben habe, und man beim alleine schreiben mehr Zeit und Mut hat, emotionale Phänomene in der Tiefe zu erfassen.

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Alle Fotos (c) Anita Schmidt.

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ach wie suupah!

houdini 2012-01-27 18:26:56

parisini rockt sehr, erstes album fand ich gut! danke, schönes gespräch das!

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