Trixie Whitley im Gespräch. Strong Blood.
font smallerfont bigger Schriftgröße | Farbe ändern arrow

Trixie Whitley im Gespräch.
zurück   Bild 1 von 2   weiter

Trixie Whitley im Gespräch.

Trixie Whitley ist gerade beim Soundcheck, als ich ins Porgy & Bess komme, um sie zum Interview zu treffen.

Sie wechselt zwischen Flügel, akustischer und elektrischer Gitarre. Die Akustik an dem Abend wird nahezu optimal werden, das Konzert großartig, intim und fesselnd. „Falls ihr Ideen zwecks Sound habt, sagt Bescheid“, meint Whitley freundschaftlich zu den Technikern, „schließlich machen den Sound heute Abend nur ihr und ich“. Nachdem der Soundcheck fertig ist, fragt sie, ob noch ein wenig Zeit bis zum Einlass wäre, sie würde sich gerne noch kurz an den Flügel setzen und ein paar Sachen ausprobieren. Hendrik, ihr Tourmanager, fragt mich, ob es okay wäre, das Interview ein wenig nach hinten zu verschieben, worauf ich entgegne, dass es großartig ist, Trixie beim Spielen zuzuhören und wir das Interview machen, wann auch immer es für sie okay ist. „Seht es einfach als Privatkonzert“, grinst Hendrik, und so sitzen wir noch eine gute Viertelstunde da und hören einer Ausnahmekünstlerin beim Spielen zu. Danach treffen wir sie im Backstageraum.

Es ist heute nicht ihr erstes Wienkonzert, vor einigen Monaten war sie schon einmal mit Daniel Lanois und dem Projekt „Black Dub“ in der Arena, heute aber spielt sie zum ersten Mal ihre eigenen Songs hier. Um halb neun kommt sie auf die Bühne, setzt sich an den Flügel und spielt ein ausgedehntes und wunderschönes Intro, das in den ersten Song überleitet – und vom ersten Ton an ist das Publikum gefesselt. Ein wenig heiser sei sie, erzählt sie, die Tour dauert schon eine Weile. Nicht, dass man es gehört hätte, ihre Performance ist großartig, zwischen dringlich und leise, fragil und rau, kraftvoll und zart, ohne auch nur eine Sekunde gekünstelt zu wirken. Sie spielt Lieder, die sie lange nicht mehr gespielt hat und probiert auch neue Sachen aus. Von „Breathe You In My Dreams“ über „I'd Rather Go Blind“ bis hin zu „Oh The Joy“: Es hätte schöner, intimer und persönlicher nicht sein können. Als sie dann „Strong Blood“ spielt und das Lied ihrem Vater, Chris Whitley, widmet, bekomme ich feuchte Augen.

Nach dem Konzert treffe ich sie nochmal beim Merch-Stand, sie prostet mir zu, lächelt und ich bitte sie, mir ihre neue EP zu signieren. Am Tag darauf spielt sie ihre vorletzte Show der Tour in Bukarest, danach geht es nach Hause nach New York. Ein Interview mit einer Ausnahmekünstlerin.

Trixie Whitley im Gespräch mit Markus Brandstetter.

Letztes Jahr hast du mit Daniel Lanois und Black Dub eine großartige Show in der Arena gespielt, jetzt bist du zum ersten Mal solo hier. Wie geht’s auf der Tour?

Whitley: Es geht großartig. Bevor das mit Black Dub begonnen hat, zwei, drei Jahre ist das her, habe ich hauptsächlich solo gespielt. Es ist schön, da wieder zurückzugehen und den Fokus auf meine eigenen Songs zu richten. Für verschiedene Leute zu spielen, das ist es, wo du wirklich dein eigenes Ding entdeckst. Black Dub war eine wunderbare Erfahrung, aber es war eben nicht meine eigene Musik, ich war einfach die Sängerin. Es ist schön, beide Welten zu haben, die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Szenarien zu balancieren... Also, ich genieße wirklich beides.

Die Tour läuft ziemlich gut, wie ich gehört habe.

Ja, die Tour läuft bestens, fast alles war ausverkauft. Es ist mein erstes Solo-Konzert in Wien, und ich hab noch nicht mal eine Platte draußen, also ist es schon ziemlich verrückt, dass ich so touren kann. Ich bin einfach dankbar, dass das geht, dass ich weiterhin an meinem Handwerk feilen kann, ohne zuviel Druck zu verspüren. Das ist wirklich ein Luxus.

Apropos Druck: Verspürst du mehr Druck, wenn du solo performst als, sagen wir, mit Black Dub?

Ah... nicht wirklich. Ich glaube, ganz am Anfang bei Black Dub hab ich mehr Druck ihn mir selbst verspürt als von Außen. Am Anfang dachte ich, etwas beweisen zu müssen, aber glücklicherweise hat sich das mit der Zeit gelegt. Weißt du, mit diesen heavyweights zu spielen (lacht), beide doppelt so alt wie ich. Aber das kam von mir selbst, nie von Daniel oder Brian. Das war eben meine eigene Psychoscheiße, durch die ich durchmusste. Aber stimmt schon, mit jedem Szenario gibt es einen anderen Druck, sowohl Black Dub als auch solo – daneben habe ich ja auch meine eigene Band. Heute wird es wirklich reduziert, dieses alleine spielen gibt mir eine Menge Freiheiten. Andererseits gibt es dir aber auch Freiheiten in einer Band zu spielen, weil du nicht alles alleine zusammenhalten musst. Es gibt also immer wieder Situationen, die etwas mit Druck zu tun haben, es geht einfach darum, wie du damit umgehst. Ich liebe diese verschiedenen Setups, und ich mag es zwischen ihnen zu wechseln. Beim alleine spielen kann ich eine Menge entdecken, das ich in einer Band nicht entdecken würde, und dann gibt es wieder Sachen, auf die man nur kommt, wenn man mit anderen spielt und nicht dauernd solo. Es ist einfach schön, hin und her zu wechseln.

Du hast ja gerade deine erste Live-EP "Live At Rockland Music Hall" veröffentlicht...

Ja, vor wenigen Tagen, wir sind ja noch ganz am Beginn vom neuen Jahr (lächelt). Die EP ist noch nicht online, wir haben sie in der ersten Dezemberwoche pressen lassen und sind gerade dabei, am Onlinestore zu arbeiten. Ich bin ziemlich aufgeregt, auch darüber, bald mein Album draußen zu haben.

Neben der EP gibt es auch eine Vinyl-Pressung von „I'd Rather Go Blind“ - wann gibt es dann das erste full length-Album?

Es kommt definitiv noch dieses Jahr raus. Ich wünschte, ich könnte jetzt „Frühling“ sagen, aber das wird sich realistischerweise so nicht ausgehen, also kommt's wahrscheinlich im Herbst raus, September oder Oktober diesen Jahres.

Spielst du es mit deiner eigenen Band ein?

Ja, und ich produziere es auch. Ich freue mich da schon sehr darauf, es mit meiner Familie und meinen Freunden in New York einzupielen, und mit Familie meine ich jetzt nicht meine eigentliche Familie. Es war großartig – und ich bin erst 24 – diese Erfahrung zu haben, mit Daniel Lanois und Brian Blade aufzunehmen. Das hat mir extrem viel gebracht und ich habe viel gelernt. Diese Erfahrung aber im Gepäck zu haben und damit zu meiner eigenen Familie nach New York zurückzukehren – quasi heimzukommen, aber mit dem Gepäck der letzten Jahre: Das ist ein aufregender Prozess.

Wie ist es so, mit Daniel Lanois zusammenzuarbeiten?

Ich habe viel gelernt von ihm. Er ist wirklich ein intensiver Typ (lacht), soviel kann ich sagen. Ein Teil von mir ist ein wenig froh, dass ich mich ein wenig zurückziehen kann, aber ein anderer Teil von mir vermisst das Ganze. Seit die Tour im September zu Ende ging, habe ich immer wieder Momente, wo ich mir denke „Fuck, ich vermisse diese Typen wirklich“. Schließlich sind sie auch meine Familie, aber eben meine „old guy family“, meine Mentoren. Und dann hab ich eben meine andere, auch sehr talentierte Familie in New York. Aber zurück zu Lanois: Er ist großartig, genau wie Brian. Ich kann das gar nicht in Worte fassen, was sie mir beigebracht haben. It was definitely a ride on a lot of different levels. Musikalisch, wie auch psychologisch: Wie man mit Leuten überhaupt umgeht (lacht), wie es ist, mit ein paar Typen zu touren. Das war alles ein Prozess, den ich durchlaufen musste, und dafür bin ich wirklich dankbar.

Dieser Artikel funktioniert als Fotostory. Zum Weiterlesen auf das nächste Bild klicken.

Die englische Version des Gesprächs findet ihr HIER.


zurück   Bild 1 von 2   weiter
Bist Du schon Mitglied? Dann logge Dich bitte rechts ein.
Du bist noch kein Mitglied? Hier kannst Du Dich gratis registrieren.
Vorname*

Nachname*
E-Mail-
Adresse*

*Pflichtfelder!

Wien für
jeden Tag -
immer aktuell.
>> reinschauen

CODE: glossy50

Wir wollen hören was ihr zu sagen habt! Schickt uns eure Tipps unter machsbekannt@stadtbekannt.at oder registriere dich hier um deine Veranstaltungen selbst online zu stellen.

>> Bekannt machen >> Registrieren