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„Beim Spielen bin ich ganz mit Lust erfüllt und bemüh mich. Aber das Herumfahren geht ein bissl am Keks.“
Freut Sie’s eigentlich wenn die Leute Sie ansprechen?Ja, eigentlich schon. Es ist nur störend wenn es zu viele sind. Und das hatte ich eigentlich nur einmal. Das war ganz knapp nachdem ich im Fernsehen war und ich war ein Wochenende am Meer, wo ganz viele andere Österreicher auch waren und nix anderes zu tun gehabt haben, als in den Kaffeehäusern zu sitzen - weil es war noch zu kalt um schwimmen zu gehen - und zu schauen. Da haben sie dann Zeit und können einem irgendwie ziemlich auf den Wecker gehen.
Stimmt es, dass das Fernsehen da auch die Hemmschwelle nimmt?
Ja, ich merke es viel stärker wenn ich im Fernsehen war, dass ich angesprochen werd aber auch, dass die Leute auf einen zeigen, mit dem Zeigefinger, ohne zu grüßen. Im Vorbeigehen stößt einer dann seine Freundin an und zeigt auf mich, wie wenn ich ein Wasserhydrant wär: "Schau, das ist der Hader." Das ist beim Fernsehen viel stärker, weil man da quasi bei den Leuten im Wohnzimmer war. Und es passiert nie nach Kinofilmen oder wenn man viel Kabarett spielt - da schon gar nicht - sondern das passiert nur beim Fernsehen. Aber es flacht auch sofort wieder ab nach ein, zwei Wochen. Ich bin ja nie dauernd im Fernsehen, sondern nur punktuell.
Warum haben Sie das eigentlich vermieden? Ihre Kollegen aus derselben Generation sind ja recht regelmäßig im Fernsehen.
Also ich würde ja gerne sagen ich wollt das nie so richtig, aber ich muss auch ehrlich sagen: einerseits war ich vorsichtig und andererseits ist mir was richtig Gutes auch nie angeboten worden. Die Rollen, die mir in Serien angeboten worden sind, das waren alles so... uninteressante Sachen. Und selber hat mich der Kinofilm immer mehr interessiert als die Serie.
Hat das damit zu tun, dass Kabarett, wenn es im Fernsehen ist, oft ein bisschen zu „Comedy“ wird?
Man wird vom Format manchmal ein bisschen aufgefressen. Sowohl was zum Beispiel Alfred Dorfer, oder auch was Stermann und Grissemann betrifft, muss man Leuten erklären, dass das Programm ganz, ganz anders ist als die Sendung. Weil die Leute automatisch von der Sendung auf ein Programm schließen. Jetzt ist ein Programm aber etwas, was man monatelang schreibt, auf das man sich vorbereitet, was man dann lang spielt und was wirklich ganz was anderes leisten soll, als ein wöchentliches Fernsehformat. Die Leute machen aber da die Unterscheidung nicht. Die sagen dann zum Beispiel über Stermann und Grissemann, da waren sie einmal in einem Programm, aber was sie jetzt im Fernsehen machen gefällt ihnen nicht so, weil’s nicht so verrückt wäre. Und wenn ich sage, ich war aber im letzten Programm und es war unglaublich gut, dann sagen die: "Ja, wir haben sie halt im Fernsehen ein paar Mal gesehen." Damit schließen sie quasi von einem Format auf ein anderes Format. Kein Mensch kann eine wöchentliche Fernsehsendung mit den Parametern eines Kabarettprogramms machen.
Freut Sie’s noch, selbst wenn sie länger auf Tour sind?
Also wenn ich länger auf Tour bin, bin ich schon froh wenn die Tour einmal aus ist. Vor allem das Herumfahren ist nervig. Das Spielen aber nicht. Beim Spielen bin ich ganz mit Lust erfüllt und bemüh mich. Aber das Herumfahren geht ein bissl am Keks.
Spielt man ein Pogramm eigentlich bis quasi eine Marktsättigung ereicht ist? Wenn alle, die das interessieren könnte es gesehen haben, macht man dann das nächste?
Man könnt auch früher eines machen. Ich versuch mir das Programm über Jahre einzuteilen, weil ich kein Interesse daran habe ein Jahr lang nur herumzufahren und Kabarett zu spielen, sondern eher daran, dass ich die andere Hälfte vom Jahr zum Beispiel an einem Drehbuch arbeiten kann. Oder ich kann ein Filmprojekt entwickeln - wofür ich ja zunächst einmal nichts bezahlt bekomme - und dann davon zu leben, dass ich die Hälfte vom Jahr Kabarett spiel. Das bedeutet, dass ich mir ein Programm auf ein paar Jahre einteil, immer nur die Hälfte vom Jahr spiel und dadurch, dass ich so dosiere aber auch die Freude am Kabarett erhalte. Mir macht das nichts wenn ein Programm länger dauert, weil dadurch andere Projekte realisieren kann in der Zeit.
Über ihr erstes Programm haben Sie gesagt, dass es heute unspielbar wäre. Warum?
Das war ein Programm, das vom Formalen her eigentlich sehr brav war. Es waren Lieder und Nummern, es war politisch aktuell, es waren Wortwitze dabei. Es waren vielleicht schon Spuren von Eigenständigkeit vorhanden, aber es war ein bissl zu viel „Vorbilder“ und ein bissl zu wenig ich selber. Und vor allem eben sehr zeitgebunden, was ich heute gar nicht mehr mach, aber damals drei Programme lang gemacht hab, dass ich sehr tagespolitisch gearbeitet hab.
Und das Tagespolitische ist etwas, was überhaupt nicht mehr geht?
Doch, jeder der es gut macht soll das machen. Aber für mich war das nach drei Programmen unbefriedigend und ich habe gesagt, ich würde gerne unabhängig sein im Inhalt von solchen Dingen. Ich würde gerne meine Programme so erarbeiten, wie ein Autor einen Roman schreibt oder ein Dramatiker ein Theaterstück. Und dieser Gedanke war dann dafür ausschlaggebend, dass ich weggegangen bin vom politisch aktuellen. Um quasi inhaltlich ganz frei sein zu können. Und... wenn ich ein Beispiel nennen darf, wenn es so wie bei Stermann und Grissemann ist, mit einem sehr großem Anteil an Verrücktheit und auch an Mut, dass man auch über Tabus redet, dann hat das total einen Sinn. Stermann und Grissemann waren zum Beispiel die einzigen, die in dem allgemeinen Haider-Kult, wo man überhaupt nichts mehr Relativierendes sagen hat dürfen, nur weil er tot war, das erste Mal aufgezeigt haben und gesagt haben, Moment, so geht’s aber auch nicht. Und das ist total wichtig und total gut. Ich muss ehrlich sagen, ich hätte die Nerven dafür wahrscheinlich gar nicht.
Nachdem die Themen sich so unendlich wiederholen, die FPÖ zum Beispiel ist ja jetzt seit 30 Jahren gleich, ist die Erschöpfung zu groß da noch weiter Kabarett darüber zu machen?
Das ist eigentlich sehr einfach: gutes politisches Kabarett fragt sich halt, was hinter den äußeren Erscheinungen steckt. Und schlechtes politisches Kabarett kommentiert halt die äußeren politischen Erscheinungen irgendwie komisch.
Es gibt ja im angelsächsischen Raum die Tradition, dass das politische Kabarett zur Authentizität gelangt. Gerade wenn man sich etwas anschaut wie die Daily Show: Kann eine humoristische Sendung die Informationsaufgabe, die eigentlich den Nachrichten obliegt, mitübernehmen? Auch wenn man an in dieser Hinsicht an ihre Kollegen, von Maurer bis Palfrader und die Lesung der Grasser Briefe denkt.
Ich glaub, dass nirgendwo die Politik wahrhaftiger und absurder dargestellt werden kann, als in der Politik selbst. Weil alles andere, was andere Sendungen oder Künstler machen, sind Anregungen sich die Nachrichten mal genauer anzuschauen. Aber letztendlich bleibt über, dass der reale Wahnsinn passiert. Und da kann die Kunst hinzeigen, aber der reale Wahnsinn ist glaub ich einfach der reale Wahnsinn. Ich glaube nicht, dass das jetzt eine Kunstrichtung werden wird. Das ist eher eine Art mit Inhalten zu arbeiten, wo man sonst nix tun kann oder muss, als zu aufzuzeigen wie es ist.
Wie ist denn das in der Kabarettszene? Kennt man sich gut untereinander?
Schon, schon. Es gibt Leute, die befreundet sind, es gibt Leute, die bekannt sind. Ich kenn kaum jemanden, der verfeindet ist. Es gibt natürlich eine gewisse Konkurrenz, aber die ist meistens eine positive. Dass man sich denkt: „Respekt, jetzt muss ich mich wieder anstrengen“ oder so. Nicht wie diese berühmten Fehden, die es gegeben hat in der Geschichte des Kabaretts, wie zwischen Bronner und Farkas - aber sogar die haben das mit Humor gelöst. Aber so was gibt’s bei uns nicht. Und es ist ja so: wir können uns nichts gegenseitig wegnehmen, weil jede oder jeder von uns hat letztendlich seinen Stil und sein Publikum. Und das überschneidet sich nicht so stark wie man annehmen möchte.
Leute, die zu Ihnen gehen, schauen sich andere Kabarettisten dann eher nicht an?
Ich kann es nachvollziehen an den Leuten im Theater, die sagen, dein Publikum ist mehr so und so und das von dem ist anders. Also, die Leute im Theater merken das wie unterschiedlich das Publikum ist beim jeweiligen Künstler oder bei der jeweiligen Künstlerin.
Es gibt eigentlich sehr wenige weibliche Kabarettisten, was könnten da die Gründe dafür sein?
Meine Meinung ist, dass das worüber wir lachen stark bestimmt ist davon, wie gesellschaftliche Verhältnisse sind. Es ist für uns immer lustiger wenn ein 50-Jähriger hinfällt, als wie wenn ein Zwölfjähriger hinfällt. Es gibt bestimmte Dinge, wo gesellschaftliche erstarrte Formen existieren, die wir so in uns drinnen haben, dass man kaum was unternehmen kann dagegen. Das Beispiel, wenn ich Mann und Frau hernehme: ein Mann, der auf der Bühne schwach ist und Probleme hat, ist lässig, weil er ja eigentlich stark sein müsste - laut gesellschaftlicher Norm, die längst überholt ist. Eine Frau, die auf der Bühne schwach ist - das ist komisch - aber das wird nicht so empfunden wie bei einem Mann. Das beste Beispiel finde ich immer: man sollte sich vorstellen Woody Allen wäre eine Frau. Man würde sagen: "Wann hält sie endlich den Mund und belästigt uns nicht mit ihren kleinsten Problemchen. Wen interessiert das?" In dem Moment wo es ein Mann ist und Brillen hat und quasi ein Intellektueller, ist es plötzlich lustig - wobei nicht alles immer lustig ist, was Woody Allen gemacht hat.
Also Frauen haben es viel schwerer, weil sie für sich was finden müssen wie sie einerseits selbstbewusst, aber trotzdem komisch sind und das ist eine viel schwierigere Übung. Es gibt jetzt eine neue Generation von Frauen, die das meiner Meinung nach viel besser schafft. Das deutet darauf hin, dass es in der nächsten Generation schon viel leichter ist. Jemand wie Martina Schwarzmann ist sehr erfrischend. Das ist niemand, der aufgesetzt irgendeine Art von Klischee Frauenbild spielt. Es gibt ja auch diese Art von Frauenklischees, die Frauen dann auf der Bühne bedienen, was schrecklich ist. Die Martina Schwarzmann, da geht es nicht darum, dass sie eine Frau ist, sie steht auf der Bühne und sie singt ein Lied über Sachen, die sie schon lang einmal tun wollte. Und die Sachen werden immer ärger und immer ärger und immer ärger. Und sie steht da mit ihren Brillen, ganz harmlos. Sie schaut aus, eigentlich wie eine Bauerntochter, die Gitarre spielt, so jungscharmässig. Es ist großartig und ich denke mir, je mehr sich die Gesellschaft verändert, desto leichter wird es für die Frauen.
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Therese Terror |
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Lara Chhatwal |
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Daniel Steinlechner |













































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han solo 2011-06-21 11:20:16
spannendes interview!
Vielen Dank
Maria 2011-06-21 11:41:07
Für dieses schöne und interessante Interview mit Josef Hader, genialer Typ!
superstens
warkus 2011-06-21 11:43:01
ganz, ganz feine sache. komplimentinger.
genial
Lucia 2011-06-21 12:11:53
Wirklich ein tolles Interview, Hut ab!