Gabriel Barylli im Gespräch
Der Film „Baked Beans", Buch und Regie sind von Gabriel Barylli, der auch als Schauspieler mitwirkt, läuft seit einiger Zeit in den Wiener Kinos. Die Handlung nimmt mit einem klassischen "Boy meets Girl" Theme den Anfang, danach kommt es, wie meist, zu Katastrophen. Martin (Michael Dangl) und Maria (Isabel Scholz) stehen vor den Trümmern ihrer Ehe. Ein Revolver kommt ins Spiel und Schüsse fallen. Doch da beginnt der Film erst, in Rückblenden wird die Beziehungsgeschichte der beiden aufgearbeitet. Es wird locker flockig durch Zeit und Raum gesprungen, denn schließlich ist in der Liebe alles möglich, sogar ein Happy End.Stadtbekannt hat Gabriel Barylli, der zum Film nicht nur Buch und Regie beigesteuert hat, sondern auch Andreas, der den besten Freund des männlichen Protagonisten Martin spielt, getroffen.
Stadtbekannt: Baryllis Baked Beans ist eine interessante Filmtitelwahl. Warum dieser Titel?
Gabriel Barylli: Im Film gibt es ein Abendessen zwischen den Freunden Andreas und Martin. Andreas hat von den ungefähr 374 Dosen Baked Beans, die er in seiner Küche stehen hat eine geöffnet und serviert Martin dieses Essen zum wichtigen Gespräch über die Frage: „Was will die Frau.“
Die Figur eines Erzählers begleitet die ZuschauerInnen durch den Film. Er wendet sich des Öfteren direkt ans Publikum. Weshalb diese Figur?
Dieser Film zeigt uns die unendlichen Möglichkeiten, die das Schicksal bereit hätte, wenn wir nicht nur einen einzigen Lebensweg führen könnten. Und genau diese Varianten muss uns jemand erzählen. Deswegen habe ich Andreas erfunden, der uns durch die Erzählung einer Liebesgeschichte führt, die mit Mord und Totschlag beginnt. Dort also, wo Romeo und Julia endet, fangen wir an. Wir erzählen die Geschichte des Liebespaares Martin und Maria und fragen uns am Schluss: Hätte das nicht auch anders funktionieren können? Hätten sie nicht glücklich sein können? Hätten sie einander vielleicht nie begegnen können? Was wäre wenn, das ist die große Frage dieses Films.
Ein Thema, das sie schon in ihrem Theaterstück Honigmond behandelt haben ist, dass Männer und Frauen nicht zusammen passen. In ihrem aktuellen Film, scheinen sie dieses Thema wieder aufzugreifen.
Der Kampf der Geschlechter ist uns allen ein bekannter Begriff. Ich möchte das noch weiter ausfeilen und es den Clash der Kulturen nennen. Den Clash der Kultur der Frauen mit der Kultur der Männer. Und wenn man sich mal bewusst wird, dass es tatsächlich zwei Kulturkreise sind, die auf diesem Planeten versuchen miteinander etwas zu gestalten, dann hat man schon mal einen ganz wichtigen Schritt vollzogen.
Das Missverständnis beruht also darauf, dass man glaubt, der andere weiß ohnehin was ich denke, was ich fühle, wer ich bin….
Wenn man Glück hat, kommt man im Laufe des Lebens drauf welche Verschiedenartigkeit diese beiden Wesen - Mann und Frau - in sich tragen. Was ich mir für alle Männer und Frauen dieses Planeten wünschen würde ist, dass der eine den anderen fragt: Wer bist du eigentlich? Wie funktionierst du? Wie schaut deine Welt aus? Wenn man das übt, hat man eventuell die Chance Mord und Totschlag zu entgehen.
Hat es ihrer Meinung nach eine Zeit gegeben in der es zwischen Mann und Frau harmonischer zuging?
Ich glaube, wenn man die Frage beantworten möchte, ob es jemals eine Harmonie gegeben hat zwischen Mann und Frau, dann kommt man sehr schnell in die Falle von romantischen, kitschigen, nicht stimmenden Bildern. Ich glaube, dass diese Romantik, die eher in die Vergangenheit streift, gefährlich und falsch ist und dass es überhaupt noch nie eine Zeit gegeben hat, wo es tatsächliche tiefe, seelische Harmonie zwischen den Geschlechtern gegeben hat. Sondern nur eine ganz festgeschriebene Rollenvorstellung: So ist deine Rolle, die hast du zu erfüllen, dann passt sie zu meiner Rolle und wir müssen den Alltag meistern. Als Optimist - der ich bin - glaube ich, dass gerade unsere aufbrechende Gesellschaft, in der es keine Rollenbilder mehr gibt die festgeschrieben sein müssen, an einen Punkt gelangen wird, wo die beiden Geschlechter einander als Menschen erkennen können.
In ihrem Film stellen sie der Liebe die Einsamkeit, die sie gleichsetzen mit der Abwesenheit von Schmerz, gegenüber. Hat Einsamkeit nicht auch angenehme Züge und ist das Singledasein nicht eine sehr brauchbare Lebensform?
Einsamkeit ist ganz sicher ein zeitlich begrenztes Medikament. Ich glaube, dass ausschließlich im Innehalten, im Zu-sich-Kommen die Feinjustierung der Seele stattfindet. Dass man ungestört von irgendwelchen anderen erfährt wer man selbst ist und was man will. Wenn dieser Zustand aus Angst vor Schmerzen, die einem von anderen Menschen zugefügt werden könnten, zu einem Dauerzustand wird, ist man in einer gefährlichen Sackgasse gelandet, weil der Mensch in tiefster Wahrheit ein soziales Wesen ist, das sich auseinandersetzen möchte, muss und will und gleichzeitig natürlich Schmerzen vermeiden will. Das heißt Einsamkeit ist nur ein Zeitraum, in dem ich mich erden darf und sollte, um dann besser mit anderen Menschen leben zu können. In der Einsamkeit stehen zu bleiben ist ein gefährliches Missverständnis.
Interessant sind die warmherzige Erzählweise und die Leichtfüßigkeit des Films, mit der auch schwere Themen wie Mord behandelt werden.
Der Gegensatz zwischen der Erzählung des Krieges zwischen Mann und Frau einerseits und der Leichtigkeit in der gefilmt wurde, war eines meiner Hauptziele bevor ich diesen Film begonnen habe. Es ist mein persönliches Credo, dass man die Tragweite der Geschichte dem Zuschauer so anbietet, dass er sie gerne anschaut und erst am Ende draufkommt: Da habe ich jetzt eigentlich etwas über mich erfahren. Man kann den Menschen mit einer großen kindlichen Leichtigkeit sagen: Schau es ist manchmal wirklich nicht so toll zwischen uns Menschen, aber es gibt eine Chance auf Freude, Glück und Erlösung. Diesem Gedanken folgend ist der Film leicht erzählt.
Das Gespräch führte Sussan Zeck
Gabriel Baryllis Baked Beans ist aktuell am 10. und am 22.6. jeweils ab 18:30 Uhr in den Breitenseer Lichtspielen zu sehen.














































