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Angus "Bangus" Thomas im Gespräch
Angus Thomas, Ausnahmebassist aus Chicago, heißt mich in seiner Wohnung willkommen. Es ist der bisher kälteste Tag des Winters, und Angus ist gerade aus Miami zurückgekommen. Er arbeitet gerade an einem Musikvideo für eines seiner Projekte, eine Balalaika und andere Instrumente sind deswegen in seinem Wohnzimmer aufgestellt.Es ist der selbe Tag, an dem auch Angus' Freund (und früherer Bass-Schüler Darryl Jones im Porgy & Bess spielt, später treffe ich die beiden nach dem Konzert wieder. „Angus Bangus“, so sein Spitzname, ist ein großartiger Geschichtenerzähler, was einen bei einer solchen Biographie nicht besonders überrascht.
Seinen musikalischen Lebenslauf in einem Satz zu summieren ist ein Ding der Unmöglichkeit, vielleicht könnte man aber damit beginnen, Namen wie Miles Davis, John Mayall oder Albert King zu nennen. Rock, Blues, Jazz, Funk: er hat alles gespielt und er tut es immer noch. Seit er 15 ist, ist er Profimusiker – man kann seinen Enthusiasmus stark spüren, wenn er über Musik, vor allen Dingen über den Groove, über das „Locking“ spricht. Diese beiden Konzepte erklärt er mit seinem ganzen Körper, trommelt in der Luft, singt. In Chicago in den 1950ern aufgewachsen, erzählt er mir, hat ihn die Musik vor jeder Menge Troubles bewahrt. Sein Enthusiasmus für sie ist ungebrochen. Nachdem wir uns verabschieden, grinst er und meint „Wir sehen uns später beim Konzert, stay out of trouble“.
Angus Thomas im Gespräch mit Markus Brandstetter
Angus, danke dass du dir Zeit nimmst. Gehen wir zu deinen Anfängen zurück. Geboren wurdest du in Chicago.
Ja, ich wurde 1955 in Chicago geboren. Ich bin im Süden, in Englewood aufgewachsen, der Mordhauptstadt in Chicago. Ich habe dort gelebt, bis ich circa elf war. Danach bin ich noch weiter nach Süden in eine sicherere Nachbarschaft gezogen. Dort habe ich dann mit dem Bassspielen begonnen.
Hat dich Chicago musikalisch beeinflusst?
Absolut. Es war ein Weg, sich aus Gangs rauszuhalten. Von den harten Sachen, die dort passiert sind, wegzukommen. Ich habe erst mit 15 damit begonnen, Musik zu machen, und zu dieser Zeit gab es eine Menge Gangs, viele Schießereien. Ein Instrument zu spielen galt als cool, die Gangs haben dich angeschaut und gesagt „ach, der ist cool, der ist Musiker“. Das war bevor sie gemerkt haben, dass sie dir ein Instrument wegnehmen können, wenn sie dich ausrauben, und sich damit Drogen kaufen können.
Hast du gleich mit dem Bass begonnen?
Als Kind habe ich Trompete gelernt. Ich hab ein paar Semester Kurse gemacht, dann hab ich es gelassen und hab mich mehr dem Sport gewidmet. Nachdem ich eine Zeit lang recht wild war, hab ich beschlossen, dass ich ein Instrument besitzen will. Ich hab eins zu Weihnachten bekommen: ich wollte eine Gitarre, sie haben mir einen Bass geschenkt (lacht). Gott sei Dank. Mein alter Herr hat einfach vergessen, was ich ihm gezeigt habe – er ist mit einem Bass gekommen. Ich habe ihm eine blaue Gitarre mit drei Pickups gezeigt, eine Del Ray, eine japanische Gitarre. Er ist mit einem blauen Bass gekommen. Den hab ich gleich in die Hand genommen. Bald war ich 16 und hab in Clubs gespielt. Es hat mir das Leben gerettet.
Du bist also sehr früh Profi geworden.
Ja, mit 15. Ich ging in all diese Clubs. Damals waren das schwarze Soul Clubs, und viele Blues Clubs. Kleine Tavernen an der Westside, Leute mit Pistolen und Messern, trinkend. Ich weiß nicht wie mich meine Eltern dahin gehen haben lassen, aber sie haben es. (lacht). Sie wussten, dass ich keinen Unsinn machen würde, also waren sie happy.
Waren deine Eltern selber Musiker?
Nein, meine Mutter liebte es zu singen, mein Vater liebte es, zu singen, aber keiner von beiden war Musiker. Mein Vater machte immer drei Songs zu einem. Er sang Beatles, dann glitt er in irgendwas anderes über und ging dann in einen Neil Young-Song rein, alles mit einer Melodie. Sie haben Musik geliebt.
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Foto (c) Tosho Yakkatokuo, alle anderen Fotos Angus Thomas privat.









































