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Alex Machacek im Gespräch
John McLaughlin hat einmal über Alex Machacek gesagt, dass Alex' Musik dort anfängt, wo andere Musik aufhört. Lässt man solche Kaliber gerne beim Interviewtermin warten?Eigentlich nicht, und wir haben uns im Vorfeld zwar schon das gleiche Café ausgesucht, nur leider nicht dieselbe Filiale. Erst als mich Alex eine halbe Stunde nach vereinbartem Termin ein wenig überrascht anruft, wo ich denn sei und ich ihm mit „Na eh hier!“ antworte, kommen wir drauf, dass wir zwar beide im Mokador sitzen, er allerdings in dem am Neubaugürtel, ich in dem in der Neubaugasse. Eine Taxifahrt später klappt es dann doch, und die Warterei hat der guten Laune beim Gespräch keinerlei Abbruch getan. Gut anderthalb Stunden sitzen wir zusammen, später stoßen auch Raphael Preuschl und Herbert Pirker, seine Mitmusiker beim F.A.T. (dem Fabolous Austrian Trio) dazu. Herausgekommen ist ein nettes Gespräch über Machaceks Arbeit (u.a. mit Terry Bozzio und Marco Minnemann), das Problem illegaler Downloads, seinem Umzug nach LA, Frank Zappa und seine Liebe zum Schlagzeug.
Alex Machacek im Gespräch mit Markus Brandstetter. Fotos von Bernd Manhartseder.
stadtbekannt: Dein letzter Release war diesen Mai das Album „24 Tales“ mit Marco Minnemann. Erzähl uns ein wenig über dieses Projekt.
Machacek: Das war ein Mammutprojekt: ein 52 Minuten langes Schlagzeug-Solo von Marco, um das ich herum komponiert habe. Angefangen hat es damit, dass ich eigentlich eine ganz andere Platte machen wollte, und dafür ein kürzeres Solo von Marco wollte. Er meinte, dass er da was hätte und dass man da ja etwas davon rausnehmen könne. Ich habe mir das dann angehört und mir gedacht, „Okay, das ist intensiv“. Dann hatte Marco die Idee, dass er dasselbe Solo sechs, sieben verschiedenen Leuten gibt – zum Beispiel Trey Gunn, Mike Keneally, John Czajkowski oder Phi Yan-Zeek. Das ganze hat recht lange gedauert, weil es eine sehr aufwändige Arbeit war. Marco spielt ja auch nicht unbedingt supereinfach. (lacht). Das Schlagzeug-Solo in sich ist ja schon ein sehr langes Stück Musik, und wenn man dann noch Musik dazu schreibt, ist das Ziel, dass es so klingt, als hätte es so sein sollen. Das war mein Ziel. Ich habe aber das nicht in einem Stück durchbearbeitet, sondern bin immer wieder von anderen Sachen unterbrochen worden. Das schafft man, glaube ich, ja auch nervlich nicht, das in einem Stück durchzumachen. Irgendwann einmal will man dann ja auch kein Schlagzeug mehr hören.
Manche Leute sagen „oh, da ist ja gar nicht so viel Improvisation drauf!“. Ja, stimmt – das war auch nicht das Ziel der Platte. Klar könnte man das auflegen und irgendwas dazunudeln, aber mein Zugang war, dass ich eben die ganzen Feinheiten rausbringen will. Marco spielt so komplex, da ist es interessant wenn man sich in der Zeitlupe kompositorisch etwas heraussucht, das Wichtig ist und das sonst vielleicht verloren ginge.
Ich habe mir das Studio-Video angesehen, wo du mit den Drumtracks und Beatmaps arbeitest. Das sieht nach verdammt viel Arbeit aus.
Ja. Das Video war für das „Guitar Player“ Magazin, die eine Erklärung von mir haben wollten. Ich habe so etwas ja schon vorher gemacht mit Terry Bozzio – da haben die Leute dann gesagt, „Terry really nailed it!“. Ja eh klar, aber die Leute haben das nicht richtig verstanden: dass Terry eben für sich selbst gespielt hat und ich um das herum komponiert habe. Man weiß ja nicht, wie das entstand, was zuerst da war – und deswegen habe ich dieses Video gemacht, um das zu erklären, wie ich arbeite und wie so etwas funktioniert.
Das Solo von Terry Bozzio, von dem du gerade geredet hast, war ja auf deinem Album „sic“, deine erste Zusammenarbeit mit Terry „Delete und Roll“ mit BPM (Bozzio Preinfalk Machacek). War es bei diesem Trio auch der gleiche Arbeitsprozess?
Nein, das war komponiert und gespielt – eine ganz normale Band. Aber: bei dieser Session – er hatte noch ein wenig Zeit im Studio, ich war bereits am Rückflug – habe ich ihn gebeten, mir noch ein Solo aufzunehmen. Und das wurde dann „Sic“, der Titeltrack. Das sind Leftovers. Auch das zweite Stück ist ähnlich, eine Aufnahme von Terry, bei der ich dachte, das benütze ich auch. Es gibt noch eine Aufnahme, die wir vor längerer Zeit gemacht haben, da bin ich aber noch nicht dazu gekommen, daran zu arbeiten. Wir haben einfach gejammt, und da ist die Idee, wieder etwas rundherum zu basteln.
Derzeit bist du ja mit FAT, dem Fabulous Austrian Trio dabei, ein Album zu machen. Gibt es da was neues?
Genau, da bin ich gerade dabei. Aufgenommen haben wir schon letztes Jahr, aber ich bin leider nicht dazugekommen bis jetzt, weil ich soviele andere Sachen gemacht habe. Es hat sich immer verzögert, aber im September mach ichs fertig. Der Plan ist, es im Herbst fertig zu haben. Ich werde mich bemühen.
Wie ist die Arbeitsweise beim Trio?
Ich habe einige Stücke komponiert. Wir hatten nur einen Tag Studiozeit, da haben wir nur geschaut, dass das Schlagzeug stimmt. Ich kann zuhause aufnehmen, Raphael (Bassist, Anm) kann zuhause aufnehmen. Ich habe aber nicht genug komponiert gehabt, eben weil ich an anderen Sachen gearbeitet habe, und habe dann ganz grobe Jam-Anleitungen gegeben. Groovevorschläge, so etwas eben. Und über das werde ich komponieren. Es soll aber nach einem Trio klingen, weil so etwas wie „24 Tales“ kann man nicht live spielen. Okay, mit VIEL üben und VIEL Probearbeit ging es vielleicht, aber das ist finanziell nicht machbar. Außerdem bräuchte man viele Gitarristen, weil es sehr viele Overdubs gibt. Da gibt’s beim ersten Stück eine Stelle, wo alle immer sagen, dass das Tapping ist. Das ist aber kein Tapping, das sind zwölf Gitarren, einzeln gespielt die dann künstliche Flageolets erzeugen, beinahe ein kleines Werk in sich. Zurück zum Trio: ich spiele einfach gerne mit Herbert und Raphi, die sind super. Die beiden sind sehr willig, sich das anzuschauen, was ich schreibe – und sie spielen von sich aus einfach super. Auf „Sic“ haben sie mindestens soviel wie Terry gespielt – aber das ist dann ein wenig im Schatten vom Namen Terry Bozzio gestanden natürlich. Es geht überhaupt sehr viel um Namen, die Veranstalter wollen immer auf Nummer sicher gehen. Da hab ich mir gedacht, „jetzt nehmen wir mal die Namen, die ihr nicht aussprechen könnt!“. Die können eh meinen Namen schon nicht aussprechen.
Wie wirst du denn meistens ausgesprochen in den USA?
„Macca-Check“, das ist dann aber schon gut. Manche lesen MAC und geben auf, weil dann kommt ein „h“... „well... Alex!“. (lacht). Aber ich habe mir gedacht, warum soll ich meinen Namen ändern. Wir lernen auch ihre Namen. Ja klar, Alex M und Kenny G.
Gut, da hat es David Fiuczynski sicher noch schwerer als Du.
Ja, aber den nennt man dann halt The Fuze. Ansonsten ist sein Name natürlich schon arg zu buchstabieren, kannst du das?
Ich merks mir nicht, aber ich google eben immer nach The Fuze, das geht dann schon. Du hattest ja ein WAV-File auf deiner Homepage, wo du Deinen Namen richtig aussprichst.
Ja sicher weißt du wie oft ich gefragt worden bin? Mittlerweile ist man über Facebook so erreichbar, da fragt man den Künstler gleich selber. „Du, wie spricht man deinen Namen aus? Du, was spiel ich über den Akkord drüber?“ (lacht). Es gibt schon freche Fragen. „Kannst du mir bitte alle deine Platten gratis schicken und vielleicht noch ein signiertes Poster?“. Du, ich hab kein Poster und ich schick dir sicher nicht alle meine Platten. Apropos, das sollte man erwähnen: Musiker werden ja nur noch bestohlen. Torrents, Peer to Peers: man bringt eine Platte raus. Bei der „Sic“ war das noch eher die Übergangszeit, bei meinem Album „Improvision“ waren die Songs eine Woche nach dem Release schon erhältlich. Dann kann man den Typen nur anschreiben, ihn bitten „Du, wir haben noch nicht einmal unsere Kosten gedeckt, tu das doch bitte runter“.
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Markus Brandstetter Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes. |










































