Na putut
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Na putut

Filmkritik: "Na putu - Zwischen uns das Paradies"

Es könnte alles perfekt sein. Luna (Zrinka Cvitesic) und Amar (Leon Lučev) sind ein glückliches Paar. Er hat einen guten Job als Fluglotse am Flughafen in Sarajevo, seine Freundin arbeitet als Flugbegleiterin. Sie will ein Kind, wogegen er sich noch etwas sträubt. Doch dann werden seine abendlichen Kneipenbesuche immer länger und der Alkohol immer mehr. Weil er betrunken erscheint verliert er die Arbeit am Flugplatz und weiß fortan nicht mehr was er machen soll. Auch Luna ist verzweifelt. Da kommt das Angebot eines alten Freundes gerade recht. Er bietet Amar einen Job an, auf dem Land, unter Wahabiten, streng gläubigen Moslems. Amar packt die Gelegenheit beim Schopf und versucht damit auch gleich seine Alkoholsucht loszuwerden.

Doch erst einmal in der Provinz angekommen bricht er den Kontakt zu seiner Freundin bald vollkommen ab. Erst Wochen später kehrt er zu ihr zurück, aber der Aufenthalt im Camp hat ihn verändert. Er ist nun ein anderer Mensch. War er vorher nur pro forma religiös wie viele andere auch, so ist er nun streng gläubig. Er lehnt alle modernen Sitten ab und erwartet auch bald von Luna einen strikt konservativen Lebenswandel. Die abendlichen Lokalbesuche sollen ein Ende haben. Amars religiöser Eifer beginnt einen Keil in die Beziehung der beiden zu treiben. Trotzdem glaubt Luna an ihre Liebe und will darum kämpfen.


Kein Schwarz oder Weiß


Bereits mit ihrem Spielfilm-Debüt "Grbavica - Esmas Geheimnis" wagte sich die junge bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić an ein schwieriges Thema aus der Geschichte ihrer Heimat heran. Ein junges Mädchen findet heraus, dass sie bei einer der zahlreichen Vergewaltigungen im Zuge des Bosnienkrieges gezeugt wurde und muss mit diesem Wissen umzugehen lernen. Und auch für ihren neuen Film "Na putu - Zwischen uns das Paradies" fasst Žbanić ein durchaus heißes Eisen an. Ein Mann droht in den Untiefen des Nachkriegs-Bosnien, eines Landes in dem die Spuren des Kampfes in den Menschen und um sie herum immer noch präsent sind, unterzugehen.

In einem muslimischen Camp findet er seine Errettung und wandelt sich während seiner Zeit dort in einen religiösen Fundamentalisten.
Die Vergangenheit hat die westliche Welt sensibilisiert für Terrorcamps und vermeintliche solche, in denen junge Männer zu selbsternannten Gotteskriegern ausgebildet werden. Jasmila Žbanić setzt sich in "Na putu - Zwischen uns das Paradies" ohne Vorurteile mit der Suche und dem Wandel des jungen Mannes auseinander, der in seiner verworrenen Umwelt zusehends den Halt verloren hat. Sie zeichnet keinen finsteren Bösewicht sondern jemanden der Sinn suchte und glaubt ihn gefunden zu haben.

Gleichzeitig muss er aber auch in sein vorheriges Leben mit Luna zurückkehren. Der anschließende Kampf um ihre Beziehung ist vor allem von einer großartigen schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller getragen. Sie entfalten eine Intesität die spüren lässt, dass
es sich hier eben um Menschen mit Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten und keinen dunklen, dämonischen Bedrohern handelt.
"Na putu - Zwischen uns das Paradies" lief vergangenes Jahr auch bereits erfolgreich auf dem Viennale Filmfestival.

"Na putu - Zwischen uns das Paradies"
Regisseur: Jasmila Žbanić
Drehbuch: Jasmila Žbanić
Darsteller: Leon Lučev, Zrinka Cvitesic u.a.
FSK freigegeben ab 6 Jahren
BIH/HR/D/A 2010, OmU, 100 min.

Filmtrailer:




Zu sehen in folgenden Kinos:

Lugner Kino City
Topkino1060 Wien
UCI Kinowelt Millennium City
Village Cinemas
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