Kultur – Film / TV

Kino (c) STADTBEKANNT
Kino (c) STADTBEKANNT

Das Wort zum Tatort vom 6.3.2011: „Vergeltung“

7. März 2011 • Film / TV4 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 6.3.2011: „Vergeltung“

Der Tag fängt nicht gut an für Major Moritz Eisner: gerade beim Begräbnis eines Jugendlichen klingelt das Handy – der Nächste wurde schon umgebracht. Am Weg zum Tatort kommen ihm dann auch noch ein Autounfall und ein paar Simmeringer Ghettokids in die Quere – wenn’s kommt, dann eben richtig. Gesucht wird also ein Serienmörder mit einer Besonderheit: er tötet jugendliche Straftäter auf eine ihrer Tat entsprechenden Weise. Und noch eine Besonderheit gibt es: alle drei bisherigen Opfer waren in der gleichen Therapiegruppe.

Zuwachs für den Wiener Tatort

Eisner bekommt eine neue Assistentin zugewiesen: die 50-jährige Bibi „20 Jahre an der Front“ Fellner, der die Zeit bei der Sitte nicht gut getan hat. Sie ist nämlich das Enfant Terrible der Wiener Polizei, ist verbittert und verblendet, passt auf die Katzen und den Pontiac eines befreundeten Zuhälters auf und ist noch dazu eine – wie man in Wien sagt – „Tranglerin“, auf hochdeutsch: ein Alki. Dass so etwas wirklich bei der Wiener Polizei arbeiten darf, steigert das Vertrauen in die Exekutive nicht gerade. Eisner kämpft also an zwei Fronten in diesem Tatort, und in beiden Handlungssträngen sitzt natürlich Tatort-typisch der erhobene Zeigefinger locker.

Handlung?

Auf die Vielzahl von Handlungssträngen und Familiengeschichten, die dann aber doch kein ganzes Bild ergaben, will ich hier gar nicht eingehen, denn wer hier wen verprügelt war im Prinzip egal: eigentlich war ja von Anfang an jeder/m mitdenkenden ZuseherIn klar, dass der Täter im Umfeld des Therapeuten der Gruppe zu suchen war – denn nur er hatte Zugang zu den Strafakten, die die Tötungsarten seiner Opfer vorausbestimmte. Da er selbst ein Alibi hatte, musste er also seine Machtposition ausnutzen, um einen seiner Schützlinge zum Morden anzustiften – dass es sich um Kira handelte, war spätestens dann klar, als man bei den Überwachungsvideos des Mordes die Nagellackfinger sah. Da waren Ablenkungsmanöver wie der Sohn eines getöteten Freiers oder der Besuch in einem Wiener Szenelokal – die Szene war für sich genommen schon eine einzige Katastrophe – eigentlich lächerlich.

Schwank und Schwermut

Der Tatort oszillierte zwischen Schwank und Schwermut – lächerliche Szenen wie der Eiertritt von Celine, der völlig bizarre Auftritt des Vaters von Kira, die überzeichnete, völlig deplazierte Schlagersängerin oder der junge Polizeischulabsolvent wechselten sich mit ernsteren Dingen ab, die dann aber dafür unfreiwillig komisch waren. Als man etwa bei den ernsten Gesprächen zwischen Eisner und Fellner sanfte Gitarrenakkorde einspielte, dachte man fast hier findet gleich eine Liebesszene statt. Laienhafte Nebendarsteller und viel zu viele Zufälle machten den Tatort dann zum völligen Trauerspiel.

Fazit:

Aber Spaß beiseite – schließlich geht es ja hier um unsere Jugendlichen – und da sie „für unsere Politiker ja nicht systemrelevant sind“ herrscht da draußen Krieg – das und mehr war die Lehre, die man aus diesem Tatort ziehen musste. Ein Tatort zum An-den-Kopf-greifen, ein Tatort, der von der ersten Szene an zu viel wollte und im Endeffekt damit auf kohärente Handlung vergessen hat.

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  "Stille Wasser"
9.1.2011 – "Unter Druck"
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“
20.2.2011: "Rendezvous mit dem Tod"
27.2.2011 – "Leben gegen Leben"

Im Topkino gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt.

Raphael Maria Dillhof

„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss." (Agamben)

, , , , ,

Weitere Artikel

4 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 6.3.2011: „Vergeltung“ – Verstecken

  1. Valerie sagt:

    Grottenschlecht
    die österreichischen tatorte sind nie gut. Gestern hab ich ihn mir trotzdem angesheen, aber ganz schnell wieder ausgeschalten.

  2. Charles sagt:

    Ein Tatort
    zum abgewöhnen. Wenn die Qualität zumindest die der Austro- Tatorte weiter so schlecht bleibt, werde ich in Zukunft Sonntags wieder Tarokieren statt Tatort schauen.

  3. Clara sagt:

    hab ich das eigentlich richtig gesheen
    war schon das FLUC gestern oder?

  4. rmd sagt:

    @clara
    ja, das fluc…! als obs da so zugehen würd…! ich hoff meine mutter hat den tatort nicht gesehen, sonst darf ich nie mehr hin!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »