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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 5.6.2011 – „Gestern war kein Tag“

17. September 2011 • Film / TV4 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 5.6.2011 – „Gestern war kein Tag“

Da staunten die Münchner Ermittler nicht schlecht, als ihnen die Hintergründe zu ihrem neuesten Fall aufgetischt wurden: der schwer demenzkranke Max Lasinger soll seinen eigenen Sohn für einen Einbrecher gehalten und in seiner Werkstatt erschlagen haben. Aber ist das medizinisch überhaupt möglich, oder versteckt sich da jemand hinter seiner Krankheit, um auf Schuldunfähigkeit zu plädieren? Deckt der Großvater vielleicht seine Schwiegertochter oder seinen Enkelsohn? Und schnell merkte man, dass das nicht die einzige Ungereimtheit in diesem Fall ist: am Tatort findet sich noch Blut von einer anderen Person, in der opulent ausgestatteten Wohnung des angeblich insolventen Opfers finden sich Fotos von jungen Frauen aus Bulgarien, und wie schafft es die Familie, den pflegebedürftigen Großvater Max Lasinger rund um die Uhr zu betreuen?

Pflegenotstand

Thematisiert wird in dem Tatort also der viel zitierte Pflegenotstand in Deutschland (und Österreich): da die 24-Stunden Betreuung von pflegebedürftigen Personen nahezu unerschwinglich ist, wird sehr oft auf illegale Pflegerinnen aus dem Osten zurückgegriffen, die hierzulande dann für einen Bruchteil des Geldes arbeiten; illegal und ohne Krankenversicherung, teilweise auch in ausbeuterischen Verhältnissen. Und natürlich beschäftigt auch die Familie Lasinger eine Pflegerin, doch Dana, so ihr Name, ist seit dem Vorfall verschwunden.

Normalerweise sind systemkritische Themen im Tatort ja ein Garant für den Holzhammer, aber die behutsame und unaufgeregte Darstellung in dem Münchner Tatort überraschte positiv, da waren kein Mitleidsschinden und kein Zeigefinger. Problematisch war nur, dass dabei kein richtiger Schwung, geschweige denn Spannung aufkommen wollte. Denn auch als Dana dann auftauchte, und die illegalen Machenschaften des Toten – Handel mit Pflegekräften, die wiederum im großen Stil ausgenommen wurden – aufgeklärt wurde, kam der Tatort nicht so richtig in die Gänge.

Zuzusehen, wie sich die Familienmitglieder gegenseitig die Schuld zuschieben, oder besser, wie jeder die Schuld auf sich nehmen wollte, war schon relativ absurd, und als dann noch herauskam, dass beinahe jeder der Beteiligten, vom korrupten Anwalt über den Sohn, vom Großvater zur Pflegerin, noch bei der Leiche war, wurden es endgültig zu viele Verdächtige.

Fazit

Der Schluss war demnach etwas willkürlich, da ja jeder sein Motiv und seine Gelegenheit hatte. Allerdings: Max Lasinger hat seinen Sohn wirklich umgebracht, allerdings nicht erschlagen, sondern mit einem Kaschmirschal erstickt, und zwar erst nachdem ihn Dana in Notwehr schon schwer verletzt hat, das Motiv von Max blieb allerdings unklar. Trotzdem: für einen Themen-Tatort schwer in Ordnung, oder wie Max Lasinger es sagen würde: passt scho!

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  „Stille Wasser“
9.1.2011 – „Unter Druck“
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“
20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“
27.2.2011 – „Leben gegen Leben“
6.3.2011: „Vergeltung“
20.3.2011 – „Mord in der ersten Liga“
27.3.2011 – „Im Netz der Lügen“
3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“
25.4.2011 – „Grabenkämpfe“
1.5.2011 – „Herrenabend“
29.5.2011 – „Ausgelöscht“

Im Topkino und seit neuestem auch im Schikaneder gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt.

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

 

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4 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 5.6.2011 – „Gestern war kein Tag“ – Verstecken

  1. epoxy sagt:

    motiv?
    ich weiß auch nicht so richtig warum der opa jetzt den sohn umgebracht hat, obwohl er ihn erkannt hat. motiv? oder wars doch ein demenzanfall?

  2. Charles sagt:

    Das Motiv war unklar.
    Er mochte seinen Sohn wohl nicht besodners, hatte aber von allen Verdächtigen das schwächste Motiv. Alle handelnden figuren mal eben zu Tatverdächtigen zu erklären, steigerte auch nicht unbedingt die Nachvollziehbarkeit der Handlung. Den münchner tatort mag ich eigentlich, aber es gab doch einige Schwächen.

  3. Minher sagt:

    Ein schwacher Tatort.
    Dei Handlung war zu verworren und die Auflösung nicht wirklich schlüssig.

  4. Milow sagt:

    Nett geschrieben!
    Ich mag diese tatort Rezensionen.

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