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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 4.12.2011: „Das Dorf“

5. Dezember 2011 • Film / TV7 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 4.12.2011: „Das Dorf“

Schon der Vorspann ließ es erahnen, aber spätestens als im Dorfwirtshaus Ballroom Blitz getanzt wurde war klar: das ist kein Tatort wie jeder andere. Farbwahl, Schauplätze, Musik, Bilder, all das gemahnte eher an Edgar Wallace oder Hitchcock als an den Tatort klassischer Machart, zusätzlich dazu brachten noch psychedelische Ausflüge in die Welt von Kommissar Murots Tumor-Phantasien gehörig Schräglage in die Folge: hier hat sich jemand kräftig ausgetobt.

Die Story ist jedenfalls schnell erklärt: Kommissar Murot wird zu einem Mord in ein kleines Dorf im Taunus gerufen, als er dort allerdings ankommt wird er wieder weggeschickt: der Täter ist schon bekannt, er hat Selbstmord begangen. Als der allerdings tags darauf lebendig vor Murots Auto auftaucht, beginnt sich der Ermittler Fragen zu stellen und sich im Dorf ziemlich unbeliebt zu machen.

Dorfgemeinschaft

Denn die Dorfgemeinschaft ist klassischerweise sehr gut aufeinander eingeschworen – man kennt das ja: Fremde sind hier nicht willkommen, schon gar nicht wenn sie Fragen stellen – aber schon bald lernt Murot die einzelnen Charaktere kennen, allen voran Herrn Bemering, der als eine Art Lehnsherr auftritt. Er hat das Dorf in der Hand, zur dieser Hand gehen ihm klassischerweise sein Diener Dietrich sowie die (natürlich attraktive) Dorfärztin Dr. Herkenrath. Klar, die haben alle Dreck am Stecken und vertuschen etwas – was allerdings genau gespielt wird, ist noch unklar.

Sag mir quando, quando, quando…

Die nun folgende Stunde war also eine Art Krimiparodie mit Musical-Elementen – irrwitzig, gegen Anfang erfrischend, witzig, schön anzusehen und teilweise sogar relativ spannend. Klar, das ganze war äußerst unsubtil – es wurde geklotzt, nicht gekleckert, und teilweise war der Plot in der Folge sowieso nur Nebensache: die Bilder, die Farben, die Show-Effekte und Querverweise standen im Vordergrund – von Kafkas Schloß bis zu The Big Lebowski reichte die Anspielungs-Palette.

Solche Effekthascherei kennt man vom Tatort eigentlich gar nicht – Gott sei Dank, denn zunehmend nutzte sich der frische Stil des Films ab und die relativ schwache Handlung, die bisweilen sogar ziemlich schwer nachvollziehbar war, trat in den Vordergrund – und die konnte in der letzten halben Stunde leider nicht wirklich überzeugen. Murots Trips wurden etwas nervig, seine Superkräfte ebenfalls, sein ewiger Aufenthalt in der Klinik, die Flaschen-Verwechslung und die Lösung, die für diesen Bizarro-Tatort doch etwas profan war, enttäuschten auch: Alles also, um einen Organhandel im großen Stil zu vertuschen, in den offenbar das halbe Dorf eingeweiht war.

Frischer Wind also mit einem bitteren Nachgeschmack: Tatort war das natürlich keiner. Hoffen wir also, dass dies eine Ausnahme bleibt – solcherlei Experimente sind okay, aber eben nur einmal in zehn Jahren erlaubt. Was kommt als nächstes? Ach ja, Till Schweiger. Na dann, Ahoi! (RMD)

Im Topkino und im Schikaneder gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und (manchmal) mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt. Ältere Tatortrezensionen findet ihr in der Leiste unter diesem Artikel.

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7 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 4.12.2011: „Das Dorf“ – Verstecken

  1. Charles sagt:

    Ich weiß ja nicht.
    Ich fand den Tatort gestern großartig, vermutlich den besten den ich je gesehen habe. Die Handlung hatte viel Suspense wozu die Bildtechnik mit dem in extrem düsteren Farben gehaltenen Dorf beitrug. Die aberwitzigen Tumorphantasien von Murot haben m.E. gar nicht gestört. Außerdem hat sich Murot einmal mehr als der weltgewandeste und tiefsinnigste aller Tatort Kommissare herausgestellt.

  2. Der Bart des Propheten sagt:

    Murot ist mir zu knorrig.
    Der geht zum Lachen bestimmt in den Keller. Außerdem hat RMD recht die Handlung war schwer nachvollziehbar. Mindestens die Walnuss Tanznumemr hätten sie sich schenken können.

  3. Charles sagt:

    Außerdem ist Kommisar Murot
    ohnehin auf eine jährliche Einmaligkeit angelegt. Und einmal jährlich ist das eben etwas ganz besonderes und wie ich finde sehr super.

  4. Mike sagt:

    also mir hat er auch…
    sehr gut gefallen, nur die etwas angestrengt wirkende Tanzeinlage der Kessler-Zwillinge hätte man einsparen können…

  5. pflanzner sagt:

    °°
    ich fands ihn super, auch wenn das motiv irgendwann fast zu sehr in den hintergrund getreten ist. trotzdem: super tatort, schade, dass der nur auf kurz ausgelegt ist. stattdessen haben wir bald Till "dumpfbacke" schweiger am hals…

  6. Katinka sagt:

    bööö
    War das müüühsam gestern! unglaublich fader Lynch-Verschnitt der dazu veranlasste, den Fernseher heller drehen zu wollen. Hab sage und schreibe ab neun geschlafen!!!

  7. mela sagt:

    alles besser…
    … als kommissar till schweiger! hilfe!!!

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