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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 27.11.2011 – „Ein ganz normaler Fall“

28. November 2011 • Film / TV4 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 27.11.2011 – „Ein ganz normaler Fall“

Rafael Berger liegt tot am Ende einer Treppe – Genickbruch. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde er gestoßen, an ihm finden sich Spuren eines Kampfes. Feinde hatte der Mann offenbar viele, denn ein gutes Wort verliert keiner über ihn, auch nicht der zuständige Rabbi. Was an dem Fall so „normal“ ist? Der Tote war Jude, der Mord fand im Gemeindezentrum einer Münchner Synagoge statt.

Schnell ermitteln Batic und Leitmayr die Hintergründe von Rafael Berger: Lea, die Tochter des Möbelhändlers, beging wenige Wochen vor seinem Tod Selbstmord. Berger machte dafür den Rabbiner der Gemeinde, Rabbi Grünberg, verantwortlich, da sie ihr Seelenheil in der Religion und bei ihm gesucht hat – zusätzlich versuchte er noch, die Familie Fränkel zu delogieren: Diese wohnt nämlich noch immer in einem von Bergers Häusern – Lea Berger war der Familie nämlich wohlgesonnen, ihr Vater allerdings weniger. Und dass Rafael Berger kein guter Mann war, das wusste sogar Aaron Klein, der geistig zurückgebliebene Assistent des Rabbiners (dessen Text und schauspielerische Leistung eher in eine Folge „Richter Alexander Hold“ gepasst hätten).

Ein ganz normaler Tatort

Wer öfters Tatort schaut, dem war sofort klar, dass Aaron Klein der Mörder ist – und wer öfters Tatort schaut, dem war auch sofort klar, dass diese Episode nicht ohne Aufklärungsstunde über den Umgang mit dem Judentum auskommen würde. Verständlich, dass die so verschlossen scheinende Welt des Judentums für Außenstehende oft undurchschaubar wirkt und auch, dass man bei einem Mord in einer Synagoge nicht ohne das Thema „deutsche Vergangenheitsbewältigung“ auskommt – allerdings fand man die Balance zwischen Unterrichtsstunde und Fall zu keinem Zeitpunkt.

Bemüht locker, zwischen Augenzwinkern und hölzern wirkender Ersthaftigkeit wollte das Drehbuch also die deutsche Scheinheiligkeit im Umgang mit der jüdischen Gemeinde („Sie wissen ja, wie die sind!“), den täglichen Antisemitismus („Die Juden, die was unseren Heiland umbracht haben!“) und das ganz normale Judentum thematisieren, so dass man für die Krimi-Handlung offenbar keine Zeit mehr gefunden hat – diese war also demnach wenig ausgegoren. Ermittelt wurde zwar auch, aber nur so nebenher und ohne Ergebnisse.

Des Rätsels Lösung

Als dann am Ende noch immer nichts gelöst war, wurde zu allem Überfluß noch eine haarsträubende Geschichte serviert: Rabbi Grünberg hatte vor zwanzig Jahren ein Verhältnis mit einer Frau, woraus ein Kind hervorging. Als dessen Mutter aber bei einem Selbstmordanschlag in Israel starb, holte Grünberg das Kind also zu sich – Aaron Klein; das fand Rafael Berger heraus, weil er es im Tagebuch seiner Tochter gelesen hat. Beim letzten Streit in der Synagoge waren dann am Ende Tatort-typisch auch mal wieder alle Verdächtigen am Tatort – gestoßen hat allerdings Aaron, der, um seiner Verhaftung zu entgehen, dann auch noch von der Galerie springt. Kann Gott also einen Tatort so kompliziert gestalten, dass er ihn selbst nicht versteht? Versucht hat er es offenbar.

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4 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 27.11.2011 – „Ein ganz normaler Fall“ – Verstecken

  1. Charles sagt:

    Was sagt es über Gott,
    dass er solche Tatorte zulässt? bestimmt nichts gutes…

  2. pff sagt:

    pff
    "omi" batic wird auch immer zickiger…

  3. Simonie sagt:

    Das war wirklich nicht gut.
    Eigentlich ist man von den Münchnern besseres gewohnt.

  4. mo78 sagt:

    langweilig
    war er und hatte relative wenig spannendes…

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