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Das Wort zum Tatort vom 20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“

21. Februar 2011 • Film / TV6 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“

Ein Auto, quer an eine verlassene Brücke geparkt – und von der Besitzerin Clara Schütz fehlt jede Spur. Klassische Selbstmord-Situation würde der Fachmann sagen. Während eben dieser Fachmann, Andreas Keppler, den Fall also als reine Routine abtut, sieht Eva Saalfeld dahinter doch einige Ungereimtheiten: denn während in dem Auto keine Fingerabdrücke zu finden sind und im Kofferraum auch noch eine Leiche transportiert wurde, fehlt von der Leiche der Besitzerin noch immer jede Spur. Aber bald darauf wird für Keppler endlich ein richtiger Mord entdeckt: ein Toter wird von seiner Exfrau gefunden, gefesselt, nackt und verdurstet.

Wenn sich zwei streiten…

Die Ermittlungen laufen zunächst etwas schleppend, vor allem weil es Keppler, der seit seiner Einführung eine charakterliche Wandlung von "ruppig-charismatisch" zu "pubertär-nervig" durchgemacht hat, mit den coolen Sprüchen etwas zu gut meint. Dessen Nerven liegen nämlich blank, seitdem seine Ex Saalfeld offenbar einen Neuen hat, und außerdem steht ja noch die gewünschte Beförderung nach Wiesbaden ins Haus – nach zehn Minuten unausstehlicher Sticheleien wird also endlich getrennt ermittelt, genug zu tun gibt es ja. Während der Einzelgänger Keppler in seinem Fall natürlich im Dunkeln tappt – seine Verdächtige, die Exfreundin des Toten, die für ihn abtreiben musste, hat bei nährerer Betrachtung leider wenig mit dem Mord zu tun – sucht Saalfeld die leere Wohnung von Clara Schütz auf, wo sie auf das Online-Beziehungsportal 50plus stößt, bei dem die vermeintliche Selbstmörderin ein Profil besaß. Sechzig Kontakte hat sie angesammelt, die müssen nun alle überprüft werden.

"Sind Sie Bert der Bär?"

Die Überprüfung der Liebessuchenden bringt immerhin ein paar müde Lacher: ein älterer Herr, der noch bei seiner Mutter wohnt, "Bert der Bär" der zu dumm ist um seine Frau zu betrügen und ein Mann, der von seiner parkinsonkranken Frau terrorisiert wird – zwei sind noch übrig, und von denen fehlt jede Spur. Auf der anderen Seite plagt sich Keppler – noch immer alleine – mit der Exfrau von "seinem" Toten herum. Zwei getrennte Fälle, zwei getrennte Ermittler – das klingt eher nach CSI als nach Tatort, und deshalb wird zwischen den beiden Fällen auch bald eine Verbindung hergestellt: der Tote aus der Badewanne hatte ebenfalls ein Profil bei 50plus. Nachdem die Morde bis hierher also fast zum bloßen Beiwerk zum Beziehungsdrama Keppler-Saalfeld degradiert wurden, kommt nun endlich Schwung in die Sache und wirkliches Krimi-Feeling auf. Als Saalfeld (warum eigentlich?) dann in die Wohnung ihres vorletzten 50plus-Users eindringt, wird offensichtlich dass sich beim Tatort zur Abwechslung mal wirder ein Serienmörder betätigt: der einsame ältere Herr findet sich nämlich ebenfalls gefesselt, nackt und verdurstet in seiner Badewanne. Aber auch wenn die Fälle zusammenhängen: es wird weiterhin eisern getrennt ermittelt.

Viele Wege führen nach Rom

Langsam fügen sich dann aber auch für Keppler die Puzzlesteine zusammen – und er ermittelt ebenfalls im Online-Dating-Milieu. Der dringende Verdacht fällt nach der Aussage der Exfrau des ersten Toten auf Peter Munz, den Mann mit der parkinsonkranken Frau – und bei dessen geplanten Verhaftung wird Keppler sein Alleingang zum Verhängnis: als er von Munz und dessen garnicht wirklich parkinsonkranken Frau niedergeschlagen und anschließend in ein Erdloch geschleppt wird, kommt wirklich noch einmal Spannung auf – aber gottseidank kommt auch Eva Saalfeld aus eigenem Antrieb auf Munz und spielt Retterin in der Not. Die Conclusio: die völlig durchgedrehte Clara Schütz suchte die Liebe fürs Leben, wurde aber von den Männern nur ausgenutzt, bis sie auf Munz traf. Gemeinsam beschlossen sie danach, sich an Claras vorherigen Online-Dates zu rächen und mit der Beute durchzubrennen – die wahre, wirklich parkinsonkranke Frau von Munz musste dafür ebenfalls sterben, und Claras Selbstmord inszeniert werden. Klingt so kompliziert wie es ist. Fazit: Abgeschmackter Titel, lahmer Anfang, bizarres Ende, dazwischen irgendwie durchwachsen. Trotzdem: für Leipzig eigentlich gar nicht so übel.

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  "Stille Wasser"
9.1.2011 – "Unter Druck"
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“

Im Topkino gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Snipcard Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt. Snipcards findest du an diesen Standorten.

Raphael Maria Dillhof

„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss." (Agamben)

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6 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“ – Verstecken

  1. Dem Kommissar ist nichts zu schwer sagt:

    Logik
    wurde da jedenfalls nicht groß geschrieben.

  2. Charles sagt:

    Der Keller
    am Anfang, der unendlich groß war und aussah wie die Kanalisation und die Wohnung davor mit dem Hinterausgang. das war auch alles mehr als unlogisch.

  3. Veronika sagt:

    @Charles
    stimmt,stimmt! Der Keller war sehr seltsam.

  4. martha sagt:


    nach langer tatortpause habe ich wieder einmal geschaut und fand ihn diesmal garnicht so schlecht.

  5. Fiona sagt:

    hmmm
    der keppler ist schon irgendwie sexy…

  6. Clara sagt:

    @Fiona
    Findest du? Ich weiß ja nicht. Glatzenfrisur deluxe, irgendwie hat er aber trotzdem was.

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