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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 1.5.2011 – „Herrenabend“

17. September 2011 • Film / TV4 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 1.5.2011 – „Herrenabend“

Endlich ein neuer Fall für Kommissar Thiel und Professor Boerne: Unter viel Neuschnee wird eine Leiche gefunden. Schnell wird sie als Arno Berger identifiziert. Das im Schnee verstömte Blut enthielt reichlich Alkohol und Spuren von Kokain, denn seine letzten Stunden verbrachte er bei einer Feier eines Geschäftspartners, des „Kartoffelkaisers“ Hans Lüdinghaus: Herrenabend, bessere Gesellschaft. Die gute Nachricht: auf der daneben liegenden Tatwaffe finden sich verwertbare Fingerabdrücke. Die schlechte: deren Besitzer ist seit Wochen für tot erklärt, und zwar von Professor Doktor Boerne selbst – der nun seinen Pathologen-Ruf retten muss.

Verworrene Geschichte

Währenddessen ermittelt Kommissar Thiel im Ratskeller, dem Hauptquartier des Kartoffelkaisers und seiner Freunde und Geschäftspartner: weiße Weste trägt hier augenscheinlich niemand, auch wenn die Frau Staatsanwältin die Ermittlungen bei ihrem Freund Lüdinghaus nicht gerne sieht. Und auch die Familie von Klarbach kommt natürlich ins Visier der Ermittler: dessen Frau, jetzt Alkoholikerin, wohnt bei ihrem Vater, dem guten Opa Dr. Herbert, die gemeinsame Tochter pubertiert und vertraut sich nur ihrem geheimnisvollen Chatpartner Grisou an, der sich später tatsächlich als Klarbach selbst herausstellen wird. Klingt an den Haaren herbeigezogen, ist aber so. Und das dicke Ende kommt noch…

Witz komm raus…

Boerne und Thiel stolperten beinah tölpelhaft durch den Tatort und trugen zur Auflösung des Falles nur unmaßgeblich bei. Zusätzlich durften sich beide Hauptdarsteller noch zum Trottel machen: der eine verliebt sich auf ersten Blick in eine Finanzbeamtin (die aussieht als käme sie gerade vom Büroporno-Dreh) und verliert über seine Schadenfreude gegenüber Boerne noch seinen gesunden Menschenverstand, und der andere macht sich mit geheimnisvollem Köfferchen und zufällig in die Scheinfirma des Bösewichts investiertem Schwarzgeld lächerlich. Nebenbei wird der als Klarbach identifizierte Tote mittels modernster Methoden als dessen Gärtner identifiziert, während ersterer seinen Partner Lüdinghaus damit erpresst, seine als Millionengrab getarnte Briefkastenfirma auffliegen zu lassen. Klingt verwirrend? Ist es auch.

Die Auflösung

Apropos Auflösung des Falles: Oberbösewicht war zu Jedermanns Überraschung der gute Opa, der Klarbach ursprünglich verschwinden ließ und gegen Ende beinah noch erschossen hätte, um den riesigen Steuerbetrug der gesamten Ratskeller-Elite zu vertuschen, deren Drahtzieher in Wirklichkeit er war.

Tatort-Klamotte

Dass sich ein Tatort selbst nicht ernst nimmt: ja bitte – mit Humor ist es bei vielen tatörtlichen Zeigefinger-Sozialstudien ja nicht weit her, dass der Tatort dadurch allerdings zur Parodie seiner selbst verkommt und über die vielen Witzchen und Absurditäten seine Handlung vergisst, dürfte die meisten Zuseher allerdings eher verärgern. Konstruierte Handlung, die rein von Zufällen getrieben wurde (Finanzbeamtin, Vater zufällig an der nonexistenten Bulgarisch-Moldawischen Grenze…) und so verworren war, dass ich selbst große Probleme hatte ihr zu folgen. Aber wie letzte Woche: immerhin war’s keine Sozialstudie.

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  „Stille Wasser“
9.1.2011 – „Unter Druck“
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“
20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“
27.2.2011 – „Leben gegen Leben“
6.3.2011: „Vergeltung“
20.3.2011 – „Mord in der ersten Liga“
27.3.2011 – „Im Netz der Lügen“
3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“
25.4.2011 – „Grabenkämpfe“

Im Topkino und seit neuestem auch im Schikaneder gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt.

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

 

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4 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 1.5.2011 – „Herrenabend“ – Verstecken

  1. Wortloser Tatort sagt:

    War imemrhin unterhaltsam
    mehr als sonst zumeist.

  2. fedex sagt:

    ???
    die handlung hab ich überhauptnicht kapiert. warum hat der klarbach den berger jetzt umgebracht? oder war das doch der opa? woher kommen dann die fingerabdrücke?

  3. raphael sagt:

    @fedex
    das hab ich auch nicht kapiert… tut mir leid. es war echt ziemlich inkohäherent.

  4. Das O sagt:

    okay…
    …dann war ich also nicht der einzige der das ganze nicht durchschaut hat.

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