Wien – Grätzltipps – 3. Landstraße

Schwarzenbergplatz (c) STADTBEKANNT Zohmann
Schwarzenbergplatz (c) STADTBEKANNT Zohmann

Das Wiener Botschaftsviertel

1. März 2015 • 3. Landstraße, 4. Wieden

Palais, Villen und unbegrenzte Stilbrüche

Das Wiener Botschaftsviertel liegt zu beiden Seiten des Belvedere und bildet, vom Schwarzenbergplatz ausgehend, ein nahezu rechtwinkliges Dreieck. Hier befinden sich über dreißig diplomatische Vertretungen aus aller Herren Länder und so manches versteckte Schmuckstück.

 

Zwischen Art Nouveau und imperialen Mächtigkeiten

Direkt am Schwarzenbergplatz findet sich mit der Französischen Botschaft wohl das prominentes Bauwerk des Viertels. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es vom späteren französischen Staatsarchitekten Georges Chedanne geplant und errichtet. Mit seiner Mischung aus Art Nouveau, imperialem Prunk und Wiener Jugendstil machte sich Chedanne aber bei den Wienern keine großen Freunde. Schnell galt die Botschaft als groteskes und überladenes Schandmal. Die allgemeine Unzufriedenheit führte beinahe zu einem Abriss, aber schließlich fand man sich doch mit dem extravaganten Prunkbau ab und mittlerweile soll er sich gar auf die ein oder andere Postkarte verirrt haben.

ehemalige deutsche Botschaft (c) STADTBEKANNT Mallmann

ehemalige deutsche Botschaft (c) STADTBEKANNT Mallmann

Ein deutscher Außenposten

Ein schönes Stück Kalter Krieg-Architektur findet sich in der Metternichgasse 3. Hier verschanzte sich bis zum Sommer 2014 die Deutsche Botschaft hinter hohen Abwehrzäunen. Das Gebäude selbst ist die authentische Umsetzung einer deutschen Beamtenfestung um 1960. Graue, abweisende Außenwände mit Fenstern wie Schießscharten wecken bei Passanten unwillkürlich die Frage, ob sich die Piefke vor den Wienern fürchteten oder ob der deutsche Begriff von Heimat hier in einer zeitgenössischen Adaption eines wilhelminischen Kasernenbaus manifest wurde.

russische Kathedrale (c) STADTBEKANNT Mallmann

russische Kathedrale (c) STADTBEKANNT Mallmann

Goldene Kuppeln im russischen Garten

Die Russisch-Orthodoxe Kathedrale liegt gleich hinter der Russischen Botschaft und gegenüber der Vertretung der Islamischen Republik bzw. Diktatur Iran. Ende des 19. Jahrhunderts als Botschaftskirche errichtet, erfreute sie sich über das 20. Jahrhundert hinweg vorrangig unter gläubigen Exil-Russen reger Beliebtheit. Nach dem Niedergang der Sowjetunion wurde sie wieder zum Interesse des russischen Staates bzw. seiner neuen Machthaber und schließlich umfassend renoviert.

 

Niederländisches Idyll

Fast schon etwas abgelegen befindet sich beim Botanischen Garten die Niederländische Botschaft. Sie grenzt unmittelbar an das kleine Wäldchen der biologischen Forschungsstätte an und besticht durch ein gemütliches Ambiente. Wohl in Anlehnung an die glorreiche Zeit des niederländischen Handels – nun auch schon ein paar hundert Jahre her – ist das Botschaftsgebäude betont bürgerlich gehalten und macht einen nahezu ländlichen Eindruck. Das benachbarte Mutterhaus der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe wirkt zwar auch so, als sei es niederländischen Kolonial- bzw. Missionarsträumen entsprungen, hat aber keinerlei Bezug zur Botschaft.

 

STADTBEKANNT meint

Das Wiener Botschaftsviertel bietet nicht bloß Stoff für unzählige Spionagegeschichten, sondern weiß auch durch seine abwechslungsreiche Architektur zu bestechen. Wer bei einem ausgedehnten Spaziergang einmal ganz nah an der Weltpolitik vorbeiflanieren will, ist hier richtig.

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