Lifestyle – Skurriles

Petit-Dej Kaffee (c) STADTBEKANNT Nohl
Petit-Dej Kaffee (c) STADTBEKANNT Nohl

Das stadtbekannt Orakel 2011

26. Dezember 2010 • Skurriles

2011 wird ein ereignisreiches Jahr, soviel steht jetzt schon fest. Viel aufregendes und unerwartetes wird geschehen. Wir haben glücklicherweise einige gerichtlich beeidigte HellseherInnen in unserem Redaktionsteam und können deshalb präzise sehen, was 2011 sein wird. Ihr als unsere LeserInnen dürft an diesem Wissen partizipieren.

Jänner:

Maria Fekter hat sich als Neujahrsvorsatz vorgenommen, ein besserer Mensch zu werden.

Am 1.Jänner bricht Facebook für mehrere Monate zusammen, weil Millionen von „Frohes Neues Jahr“ Statusmeldungen die Facebook Server in eine tiefe Depression stürzen.

Der Jänner beginnt mit einer eilig einberufenen Pressekonferenz in London. Mehrere Mitglieder einer Al Kaida Terrorzelle geben entnervt bekannt, dass es nun aber genug sei. Nach mehrwöchigen Versuchen von London weg ein Flugzeug zu entführen, habe man nun aufgegeben. „Wozu braucht´s uns noch, wenn die sogar zu blöd sind Enteisungsmittel einzukaufen?“, fragt ein Terrorist in die Menge der versammelten JournalistInnen. Das Kommando verspricht sich in Zukunft auf Postkutschen zu verlegen, „die sind wenigstens winterfest“.

Ebenfalls im Jänner gibt Silvio Berlusconi eine denkwürdige Erklärung ab. „Ich bin der Weihnachtsmann“, behauptet er. Das italienische Publikum, durch Berlusconi-TV vollends vertrottelt, muss ihm das wohl glauben.

Februar:

Erwin Pröll und Michal Häupl geben im Februar bekannt, dass man dank jahrzehntelang verschleppter Verwaltungsreformen nun endlich das nötige Kleingeld beisammen habe, um ein künstliches Meer um Wien zu errichten. „Man hat uns ja immer zu Unrecht beschuldigt, Blockierer zu sein. In Wirklichkeit war unser Plan einfach, wie auch genial. Wir haben jahrelang Geld gehortet, für diesen großen Tag“, erklärt Häupl. „Niederösterreich wird geflutet“ verkündet Pröll, denn „wer will schon nach Radlbrunn?“ Was stadtbekannt seit langem fordert, wird endlich wahr.

Ebenfalls im Februar kommt es zu gewalttätigen Massendemonstrationen in Wien. „Wir sch**** auf den Winter“ skandiert die aufgebrachte Menge. Eine sofortige Abtankung des Winters und wärmere Temperaturen werden gefordert. Andernfalls droht man mit Klimaerwärmung, aber richtig!

März:

Im März beschließt die irische Bevölkerung nicht zu zahlen. „Nur weil depperte Banken jedem Iren Geld für zwei Eigenheime liehen und unsere whiskytrunkenen Politiker beschlossen haben, den Banken diese Schuld zu garantieren, müssen wir das noch lange nicht ausbaden! Wir haben sie halt zum Teufel gejagt“, bringt es ein erzürnter Dubliner auf den Punkt. Daraufhin bricht der Euro zusammen. Ein stadtbekannter Politiker ruft ein Volksbegehren „Heim in die Reichsmark“ aus, scheitert aber. Durch wahnwitzige Zufälle einigt sich die Regierung darauf, stadtbekannt Gummibärlies als einziges gültiges Zahlungsmittel zuzulassen. Wir können selber nicht erklären, wie es dazu kam, sind aber recht froh über unsere neue Rolle als Notenbank. Als erstes und zugleich einziges Projekt bauen wir eine Insel im neuen Wienmeer.

April:

Denn bereits im April endet die stadt –Diktatur durch einen Volksaufstand. Heinz Fischer empfiehlt erst mal gründlich zu überlegen, was man denn nun als Währung verwenden könnten. Da das gründliche Nachdenken all zu gründlich ausfällt, lösen sich kurze Episoden mit Messwein, Kernöl und Mozartkugeln als Währung ab. Allesamt erweisen sie sich als Wertaufbewahrungsmittel jedoch als untauglich.

Der ORF sorgt im April für Heiterkeit, indem er mittels neuerlicher großartiger Programmreform zahlreiche Änderungen beschließt. ORF 2 wird zukünftig „ORF drei“ heißen. „Damit wollen wir ausdrücken, dass das Ganze mehr ist als die Summe der einzelnen Teile“, argumentiert man diesen Schritt. Außerdem wird „Helden von Gestern“ beschlossen. Alternde ORF Stars wie Peter Rapp, Alfons Haider, Lizzy Engstler, Thomas Brezina und Wolfram Pirchner werden auf das Leben nach dem ORF vorbereitet. Als Arbeitsaufgaben gelten „Memoiren schreiben“, „Supermärkte eröffnen“, „rührselige Interviews geben“ und „Probesitzen im Parlament“.

Mai:

Der Mai beginnt mit der Seligsprechung von Karl Heinz Grasser. Nachdem endgültig alle Lügen, Vernaderungen und Anschuldigungen vom Tisch sind, beschließt der Papst das ein so supersauberes Leben jedenfalls mit einer Seligsprechung zu Lebzeiten abzugelten sei.

Da Wien immer noch nicht Radfahrmetropole ist, entscheidet Maria Vassilakou jedem der doch noch aufs Rad umsteigt, ein Glas selbstgemachter Biomarmelade zu schenken. In Oslo wird sie daraufhin für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Justin Bieber tritt gemeinsam mit Eric Papilaya für Österreich beim Song Contest an. In einer ersten Reaktion erlässt Jusizministerin Bandion Ortner einen Europäischen Haftbefehl. Bieber und Papilaya müssen gemeinsam mit Elsner in einer Zelle schmoren.

Juni:

Im Juni enthüllt Wikileaks, dass die US-Botschaft der österreichischen Politik das durchschnittliche Niveau einer Musikantenstadel Folge zubilligt. Die Bundesregierung droht mit Atomkrieg, scheitert jedoch mangels eines entsprechenden Arsenals.

Apple bringt eine Mischung aus iPad und iPhone heraus, die endlich auch das gute alte Telefax integriert hat, Fans in aller Welt feiern dies als die größte technisch Revolution seit Erfindung des Buchdrucks.

Juli:

Im Juli badet ganz Wien im neu errichteten Meer, stadtbekannt freut sich immer noch über die eigene Insel. Apropos Insel, das Donauinselfest wurde in Meerinselfest umbenannt. Nach wie vor unklar ist, wie das Meer heißen soll. Ein landesweiter Wettbewerb bringt nur idiotische Namensvorschläge, weswegen man die UNO bittet sich einen Namen auszudenken. Beratungen beginnen.

Oppositionsführer HC Strache kündigt an, im Juli jeder feschen Wienerin den Rücken mit Sonnenöl einzucremen. Nach einigen unschönen Begegnungen mit Handtaschen beschließt er vom Plan abzusehen.

Allmählich beginnen sich Muscheln als Zahlungsmittel durchzusetzen. Besonders reiche WienerInnen sind an den üppigen Muschelketten zu erkennen. Der Verzehr von Muschelgerichten endet, da sich niemand den teuren Spaß leisten kann.

August:

Im August ist endlich jeder Österreicher auf Facebook vertreten. Der letzte war ein 100 jähriger Altersheimbewohner aus Osttirol. Bei Familienfeiern ersetzt Farmville gemeinsame Spieleabende. Unter dem Namen “ich adde meine Oma nicht“ gibt es zahlreiche Facebook Gruppen um Abgrenzung bemühter Teenager. Franzi K.(14) meint: „Seit Papa mich täglich um Hilfe bei Mafia Wars bittet, Oma mir Glücksnüsse schickt und Mama wissen will welcher Typ Diktator ich bin, find ich es ziemlich blöd hier.“

Karl Heinz Grasser wird heilig gesprochen. Die Bewegung „KHG santo subito“ hatte Erfolg. Erste Wahlfahrten nach Capri und Kitzbühel beginnen.

Die Wehrpflicht wird abgeschafft, da sich keine Freiwilligen finden, wird das Bundesheer aufgelöst. Das verbliebene Kriegsmaterial wird an Haiti, den Kongo und Somalia verschenkt. Nachdem der Kosovo, Liberia und Afghanistan den „alten Schrott“ dankend abgelehnt hatten. Norbert Darabos beginnt als „Junge mit der Gittare“ eine Musikkarriere, scheitert jedoch an Urheberrechtsverletzungsklagen. Daraufhin beschließt er das Fußballteam von Kroatisch Minihof, zum Bundesligatitel zu führen.

September:

Im September erhält Karl Heinz Grasser den Friedensnobelpreis, Maria Vassilakou wirft daraufhin entnervt hin und wird griechische Finanzministerin. „Da muss ich wenigstens den Häupl nicht jeden Tag sehen“, hält sie fest.

Der ORF und die Bundesregierung einigen sich auf die TV Serie „Wen schießen wir zum Mond?“. In ganz Österreich werden Castings durchgeführt, welche Person als Austronaut den Weltraum erobern soll, ohne Möglichkeit der Wiederkehr. Die Wahl kommt ins Finale zwischen Alfons Haider und Armin Assinger. Letzterer gewinnt letztlich knapp.

Das Ereignis fällt zeitlich zusammen mit dem großen „Willkommen Österreich“ Jubiläum, „2 Jahre ohne neue Witze“.

Stadtbekannt gehen die Worte zum Tatort aus, statt dessen rezensieren wir zukünftig alte Seniorenclub Sendungen. Die Serie nennt sich „Sermon zum Seniorenclub“. Im selben Monat erhalten wir von der UNO den „Pinky und Brain Preis für gerissene Versuche die Weltherrschaft an sich zu reißen“. Eine späte Würdigung für unser Intermezzo als Notenbank.

Oktober:

Im Oktober erlässt der Bundespräsident mit den Worten „das wird nichts mehr“,  alle Schulen in Zukunft geschlossen zu halten. „Wenn die Kinder dort schon nichts lernen, müssen sie ja nicht auch noch depperter wieder rauskommen. Ist schad um die Zeit“, befindet er.

Die Bundesregierung ist zerbrochen und es gibt Neuwahlen. Da sich bis auf den bereits erwähnten 100 jährigen Osttiroler, alle Österreicher der Facebook Gruppe „Faymann, Pröll und Strache, das ich nicht lache“ angeschlossen haben und die Wahlen boykottieren, erreicht eine Christenpartei 100 Prozent. Das Wahlergebnis wird allerorts mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Der Bundespräsident verweigert die Angeblobung, woraufhin militante Christen mit Plastikembryos um sich werfen.

Alles ist jedoch halb so schlimm, die in der Verfassung für diese Fälle vorgesehene „HeiFiktatur“ erweist sich als erstaunlich unaufregend.

November:

Im November gibt die UNO bekannt, dass das Wienmeer, „Meer früher bekannt unter dem Namen Radlbrunn“, heißen soll. Jubel und Begeisterung sind grenzenlos.

Zum ersten Mal in seiner Karriere vergisst Hansi Hinterseer in diesem Monat den Text eines Liedes und das auch noch live bei einem Konzert! Das betretene Schweigen, dass sich daraufhin im Publikum breit macht, ist noch im fernen Rom zu vernehmen. Die Seligsprechung Hinterseers wird daraufhin vorerst abgeblasen. Karl Heinz Grasser ergeht es besser, wird er doch ins Kardinalskollegium berufen.

Dolezal, Rossacher und Markus Spiegel gelingt es mit Hilfe finsterer Mächte Falco als Zombie auf die Erde zurückkehren zu lassen. Zum Glück für die Menschheit wendet sich die Kreatur gegen ihre Schöpfer.

Dezember:

Im Dezember gewinnt Niki Lauda die große stadtbekannt – Gala: „Nervigste Österreicher des 20. Jahrhunderts (ohne Hitler denn das wäre pietätlos)“ Direkt dahinter kommen Gernot Rudle, Manuel Ortega und Viktor Gernot.

Udo Jürgens beschließt in Pension zu gehen.

Kardinal Schönborn teilt mit, dass 2011, 8 Millionen Österreicher aus der Kirche ausgetreten sind. „Extra aus dem Ausland sind sie angereist, nur um hier auszutreten! Das ist die schlimmste Austrittswelle seit der Nazi Zeit!“ Als letzte Rettung beschließt der Vatikan Schönborn durch Karl Heinz Grasser zu ersetzen.

HC Strache zieht aus dem dramatischen Katholikenschwund ebenfalls Konsequenzen und tritt zum Islam über. „Das ist einerseits sehr praktisch, weil wir alle alten Slogans in umgekehrter Form nochmals verwenden können, also Islam statt Daham und Muezzin statt Pummerin. Andererseits wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Imam Haci Strache weiht den Stephansdom zur größten Moschee des Landes, Weihnachten wird verboten.

Ban Ki-moon tritt zu Gunsten von Karl Heinz Grasser als UN – Generalsekretär zurück. Die Bildzeitung titelt „Nazi und Strizzis – Österreich und die UNO“.

Die deutschsprachigen Medien versprechen Richard David Precht im kommenden Jahr zu gar nichts zu befragen. International beschließt die Medienindustrie nie wieder ein Julian Assange Cover zu machen. Wolfgang Fellner droht bei der Sitzung gerüchteweise, dann eben weiterhin Haider Covers en masse zu produzieren.

Maria Fekter hat sich als Neujahrsvorsatz vorgenommen, ein besserer Mensch zu werden.

Eine stadtbekannt Satire

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