Wien – Gut zu wissen

Burgtheater (c) STADTBEKANNT
Burgtheater (c) STADTBEKANNT

Das Burgtheater

8. Mai 2013 • Gut zu wissen

Wiens Burg am Universitätsring

Das Burgtheater, das so prunkvoll gegenüber dem Wiener Rathaus am Ring thront, gilt als eine der bedeutendsten Bühnen Europas, worauf sich die Wiener natürlich überhaupt nichts einbilden. Aber wissen tut man als Durchschnittsbürger eigentlich wenig über diese Institution. Zum Beispiel die Antwort auf folgende Frage:

 

Wann wurde das Wiener Burgtheater gegründet?

Wie bei vielen Wiener Theater- und Opernspielstätten muss man auch beim Burgtheater zwischen kultureller Einrichtung (heute würde man „Ensemble“ sagen) und dem Gebäude unterscheiden. Das Burgtheater existiert als Einrichtung seit 1741, als Gebäude seit 1888. Maria Theresia erteilte am 11. März 1741 dem Theaterdirektor und -inhaber Carl Joseph de Sellier (auch Joseph Karl Selliers) die Erlaubnis, oder besser den Auftrag, eigentlich aber den Befehl, das Ballhaus in der Hofburg (in Richtung Michaelerplatz) gewandt zu einem Theater umzugestalten. Dieses Ballhaus bestand seit 1540. Im Gegenzug wurde Sellier erster Direktor dieser kulturellen Stätte, die somit an diesem Tag gegründet war. Am 5. Februar 1742 wurde das „Königliche Theater nächst der Burg“ eröffnet. In dieser Vorstellung saßen erstmals Adelige und ausgewählte Bürger im Publikum. Auch die künftige Kaiserin war anwesend. Und weil Maria Theresia eine große Freundin vom Theater im Allgemeinen war, soll sie gesagt haben: „Spectacle müssen seyn!“

1748 war die erste Renovierung abgeschlossen, 1756 die nächste. Erst 1760 war das Haus, eine reine Holzkonstruktion für 1200 Besucher, fertig. 1776 deklarierte Joseph II. es zum „Teutschen Nationaltheater“ und bestimmte, dass die gespielten Stücke nicht zu traurig sein, vor allem aber nicht traurig enden sollten. Daher wurde vielen Stücken, darunter auch sehr prominenten (etwa von Shakespeare), ein Wiener Schluss verpasst.

Wiener Burgtheater

Wiener Burgtheater

Das Haus an der neu errichteten Ringstraße wird seit dem 14. Oktober 1888 bespielt – eröffnet mit Franz Grillparzers „Esther“ und Friedrich Schillers „Wallensteins Lager“. Von 1944 bis 1955 blieben die Türen geschlossen – erst wegen der allgemeinen Theatersperre im Krieg, dann brannte es im April 1945 aus. Die kulturelle Einrichtung nahm schon zwei Monate später den Betrieb wieder auf – im Ausweichquartier Ronacher. Das Gebäude wurde am 14. Oktober 1955 wiedereröffnet. Als erstes Stück wurde am 15. Oktober Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“ gegeben, das die symbolträchtige Rede „Lob auf Österreich“ enthält:

Es ist ein gutes Land (…)
’s ist möglich, dass in Sachsen und beim Rhein
es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen;
Allein, was Noth thut und was Gott gefällt,
der klare Blick, der offne, richt’ge Sinn,
da tritt der Österreicher hin vor jeden,
denkt sich sein Theil, und lässt die andern reden!

„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag.

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