Lokalführer – Kaffee / Tee

Cafe Museum (c) Nohl stadtbekannt.at
Cafe Museum (c) Nohl stadtbekannt.at

Café Museum

12. August 2014 • Kaffee / Tee

Ein Stück Wiener Kaffeehausgeschichte

Ein wahrlich museales Abbild Wiener Kaffeehausgeschichte lässt sich – nomen est omen – im Café Museum wiederfinden. Diese Geschichte fängt im Jahr 1899 bei seinem ersten Gestalter Adolf Loos an und zieht sich bis zur erfahrenen Kaffeehausbetreiberfamilie Querfeld hin.

 

Nomen est omen

Ok, dass das Café Museum so heißt, weil es sich als Ausstellungsstück österreichischer Geschichte anbietet, ist natürlich nur eine Interpretation. Tatsächlich geht der Name auf das Kaffeehaus  „Café zum Museum“ von Ludwig Frisch  zurück, welches sich ursprünglich hinter dem Kunsthistorischen Museum befand. Als Frisch das Café an seinem heutigen Standort eröffnete, behielt er den Namen in vereinfachter Weise bei. In unmittelbarer Nähe des Cafés befinden sich aber immerhin Secession und Künstlerhaus. Suchen Sie sich aus, welche Interpretation Ihnen besser gefällt!

Cafe Museum (c) Nohl stadtbekannt.at

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Spartanisch?

Als Adolf Loos 1899 die Inneneinrichtung des Lokals gestaltete, legte er viel Wert auf Einfachheit und setzte damit ein Zeichen gegen die damals vorherrschende Vorliebe für protzige Gründerzeitkaffeehäuser. Das Café sei „sehr nihilistisch, aber appetitlich, logisch und praktisch“, meinte Schriftsteller Ludwig Hevesi. Forthin war das Café Museum also als Café Nihilismus bekannt und galt laut Loos-Biografen Heinrich Kulka als Ausgangspunkt moderner Einrichtung.

 

oder gemütlich?

Noch zu Loos‘ Lebzeiten schenkte der junge Architekt Josef Zotti dem Café Museum in den 1930er Jahren den kaffeehaustypischen Gemütlichkeitssinn und gestaltete alles neu. Im Jahre 2003 wurde dem Kaffeehaus die originale Loos’sche Einfachheit zurückgegeben. Mit seinem neuen Besitzer Berndt Querfeld setzte sich 2010 jedoch wieder Zottis Plan zur Gemütlichkeit durch, ohne dabei aber an Klarheit zu verlieren. So laden heute also beschauliche Logeneinheiten mit roten Samtbezügen, Marmortische und schwarze Bugholzstühle zum Verweilen ein. Kugelförmige Spiegellampen unterstreichen die Entscheidung zu klaren Formen und edlen Materialien.

 

Von Künstlern, Touristen und Stammgästen

Mit seiner Innengestaltung veränderten sich auch die Besucher. Das moderne Ambiente lockte zunächst sehr viele Künstler an. Zu den Gästen zählten Maler wie Gustav Klimt, Egon Schiele oder Oskar Kokoschka, Schriftsteller wie Robert Musil oder Karl Kraus, Komponisten wie Franz Lehar und Oscar Strauss sowie Architekten wie Otto Wagner. Heute tummeln sich hier gleichermaßen Touristen wie auch Stammgäste und Geschäftsmänner. Hin und wieder lässt sich auch ein Künstler, wie etwa Manfred Deix, blicken.

Cafe Museum (c) Nohl stadtbekannt.at

Cafe Museum (c) Nohl stadtbekannt.at

Herr Ober?

Dabei gehört auch noch ein Wort den Kellnern des Café Museums, die in klassichem Outfit je nach Ausbildungsgrad in weiß oder schwarz-weiß herumzischen. Dabei ist mit herumzischen keineswegs die Wiener Grantigkeit gemeint, sondern vielmehr ihr dynamisches Servieren. Ja das Granteln scheint den Obern hier auch gar nicht vertraut zu sein. Vielmehr hält hier der Wiener Schmäh Einzug. Schön, wenn es den auch noch gibt! Vorsicht sei jedoch trotzdem geboten, die Erfahrung mit dieser Spezies hat auch schon ganz andere Erfahrungen mit sich gebracht. Ganz geheuer ist es mir nämlich immer noch nicht. Und im Misstrauen sind wir doch auch ganz gut, oder?

 

Speis‘ und Trank

Nicht zuletzt seien hier noch ein paar Worte den Speisen und Getränken des Café Museum gewidmet. Die Karte ist eine Mischung aus Kaffeehausklassikern und Touristenschmackhaftmachern. Der klassischen Melange steht Eigenkreationen gegenüber und der Wiener Küche werden internationale Akzente beigefügt. Die gewohnte Querfeldqualität, die ja schon aus dem Landtmann bekannt ist, schlägt sich auch im Café Museum nieder. Der Qualität angepasst sind jedoch auch die Preise.

Cafe Museum Gugelhupf (c) Nohl stadtbekannt.at

Cafe Museum Gugelhupf (c) Nohl stadtbekannt.at

STADTBEKANNT meint

Bei einem Besuch im Café Museum fühlt man sich als würde man hundert Jahre Kaffeehaushistorie gleichzeitig durchleben. Grad noch hat man Klimt von seinem nächsten Frauenportrait sinnieren sehen, platziert sich auch schon eine Gruppe japanischer Touristen an einer Sitzloge. Die stilistische Einfachheit aus dem Loos’schen Design im Jahr 1899 und die prunkvolle Gemütlichkeit, die durch die Umgestaltung durch den Architekten Josef Zotti in den 1930er Jahren Einzug fand, hat die Innenraumgestaltung des Café Museum zu dem gemacht, was sie heute ist. Ein Museum für sich.

Cafe Museum

Operngasse 7
1010 Wien
(01) 24100-620
http://cafemuseum.at

Öffnungszeiten


Mo – So: 8:00 – 24:00 Uhr

 

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