Kultur – Literatur

Die Interessanten
Die Interessanten

Buchtipps für September

13. September 2014 • Literatur

Vom Erwachsen werden

Erwachsen werden war ja noch nie leiwand. Darüber lesen ist es aber. Berichte von der Front der Wachstumsschmerzen, geschrieben von großartigen Autorinnen.

 

Die Interessanten

Die noch um ihren Vater trauernde Julie will raus aus dem provinziellen Nest – ein Sommercamp an der Ostküste eröffnet ihr eine neue Welt. Aus Julie wird Jules, und aus den fünf gut aussehenden, cleveren New Yorker Kids Ash, Goodman, Ethan, Cathy und Jonah und ihr werden „Die Interessanten“. In diesem Sommer scheint noch alles möglich, der Himmel ist nah, die Zukunft weit und ein einziges Glücksversprechen. Während die Jahrzehnte ins Land ziehen wird klar, dass es nicht allen vergönnt ist, ihre Begabungen und Träume zu leben …
Meg Wollitzer folgt ihren sechs Protagonisten vom Teenageralter bis ins Erwachsenenleben mit Kind und Kegel. Dabei zeigt sie pointiert, mit Witz, aber auch mit wohldosierter Tragik, dass man manche Dinge erst versteht, wenn es eigentlich zu spät ist. Ein wunderbares Porträt eines Kreises von Freunden, einer Generation und eines ganzen Landes.

Die Interessanten
Meg Wollitzer
Dumont, 23,70 €

 

Johnny und Jean

„Und sag deinem Freund Jean, dass man für die Kunst manchmal auch den Zweifel braucht. Und die Einsamkeit und das Nachdenken. Oder irgendsowas.“ – Marcel Duchamp

Johnny malt Fische. Viele Fische. Wunderbare Fische. Und doch reicht das erst im zweiten Anlauf, um an der Kunsthochschule der „zweitgrößten Stadt“ aufgenommen zu werden. Jean macht das natürlich mit links, wie alles eben. Alles an Jean ist größer, besser, schöner, fortschrittlicher. Laut und selbstsicher der eine, leise und fragend der andere, so unterschiedlich erobern die beiden Kunst-Studenten Johnny und Jean tastend, stolpernd, neugierig eigenes Terrain.
Schon mit „Für den Herrscher aus Übersee“ hat sich Theresa Präauer als Meisterin der leisen, schwebenden Töne empfohlen. Und wieder glückt ihr ein irritierend schönes Buch, eine Expedition in den Fragenkosmos, in den man als Studierender eintaucht. Warum steht die Welt in Flammen? Kann ich Björk heiraten? Manchmal muss man für die Antwort nur Pastis trinken.

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Johnny und Jean
Theresa Präauer
Wallstein, 20,50 €

 

Bis ich 21 war

„Dass etwas in mir falsch war, erstaunte mich nicht“ – schon recht früh kommt das Mädchen in „Bis ich 21 war“ zu diesem Schluss, wird ihr doch ständig vermittelt, dass sie nicht genügt, zumindest nicht den Ansprüchen, die diese Mutter hat. Der zweite Mann bringt mit, was sie sich erträumt: ein Schloss. Dort angekommen wird gefeiert und gereist, die Kinder aber sich selbst überlassen, Wohlstandsverwahrlosung ist angesagt. Schnell kommen Drogen und frühreifer Sex ins Spiel – und die Hauptfigur landet unversehens im Internat, auch dies nicht gerade ein von Liebe durchdrungener Ort. Und doch knüpft das Mädchen hier erste Bande zu anderen Menschen, die zählen …
„Schwimmen und schwimmen lassen“, so Ela Angerer in einem Interview, sei ihr Lebensmotto. Liest man ihren autobiografisch inspirierten Roman, so ist man gewillt, ihr zu glauben. Angerers bildhafte, mitunter auch lakonisch-gallige Art des Erzählens hilft über so manche Begebenheit hinweg, bei der man als Leser ungläubig den Kopf schüttelt. Aber man glaubt ihr, man glaubt diesem wilden, verletzlichen, wehrhaften Mädchen in ihrem Buch – und man will glauben, dass es möglich ist, eine solche Kindheit weitgehend unversehrt zu überleben. Eine nicht immer angenehme Lektüre, aber fesselnd!

Bis ich 21 war

Bis ich 21 war
Ela Angerer
Deuticke, 19,50 €

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