Kultur

Foto: Cover Alles absolut bestens bei mir, Eine vorläufige Theorie der Liebe,  Vielleicht Esther
Foto: Cover Alles absolut bestens bei mir, Eine vorläufige Theorie der Liebe, Vielleicht Esther

Buchtipps für April

4. April 2014 • Kultur, Literatur

Von aufmüpfigen, selbstbewussten Frauen, von irritierten Mittdreißigern und Spurensuche in der eigenen Familienvergangenheit: Die Empfehlungen sind so vielfältig wie das Wetter im April!

 

Alles absolut bestens bei mir
„15 Alleingänge aus Finnland“ ist der passende Untertitel dieses Sammelbands, denn genau darum geht es: Unbeugsame, schlaue, auch mal rücksichtslose Frauen aus Finnland finden in kurzen Geschichten ihren eigenen Weg und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Ob Körperbehaarung, Fettleibigkeit, Betrug oder die politisch unkorrekte Frage, ob man mit einem Hund nicht doch viel besser bedient ist als mit einem Kind – diese einmaligen Frauenfiguren finden überraschende, aneckende und witzige Antworten.
Die finnische Journalistin Helen Moster versammelt Kurzprosa von finnischen Frauen über finnische Frauen aus einem Jahrhundert und zeichnet dabei ein vitales, erfrischendes Bild vom Frausein weit über die Landesgrenzen des Landes hoch im Norden Europas hinaus. Für FreundInnen des skurrilen Humors, der nachwirkt.

 

Helen Moster (Hrsg.)
Alles absolut bestens bei mir
Edition fünf, € 19,50

 

 

Eine vorläufige Theorie der Liebe
Neill Bassett jr. bezeichnet sich als „emotionales Strandgut“. Nach seiner grandios gescheiterten Ehe treibt er plan- und ziellos durch seine Wahlheimat San Francisco. Eines Abends trifft er bei einem Streifzug auf die junge, eigenwillige Rachel, mit der er eine – seiner Meinung nach – aussichtslose Affäre beginnt. Auch sein Job macht das Leben nicht erträglicher: Tagein, tagaus füttert er einen Computer mit Daten aus dem 5000seitigen Tagebuch seines verstorbenen Vaters und versucht damit, der künstlichen Intelligenz in der Maschine ein Bewusstsein zu verschaffen. Dass die intensive Beschäftigung mit dem Toten auch unliebsame Auswirkungen für ihn selbst hat, mag Neill noch nicht einsehen. Dabei liegt das Gute ja so nah …
Was als klassischer „Thirtysomething-Ach-mein-Leben-ist-so-schwer“-Roman beginnt, wird schon bald eine handfeste Überraschung: Schott Hutchins verwebt clever und souverän die Unsicherheit einer ganzen Generation mit dem Einzelschicksal des um Identität und Antworten ringenden Neill. Das tut Hutchins so gewitzt und unaufdringlich, dass es eine wahre Freude ist. Entspanntes Lesevergnügen!

 

Scott Hutchins
Eine vorläufige Theorie der Liebe
Piper, € 22,70

 

 

Vielleicht Esther
Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die Erzählerin weiß kaum etwas über ihre Verwandten, Namen und Legenden sind das, was ihr blieb. Die Großmütter erlebte sie als „meschugge“, die Kindheit in Kiew ist ihr fremd. Ein wirkliches Erinnern ist nicht möglich, zu sehr ist es überlagert von Mythen. Und so macht sich die Erzählerin auf die Suche nach ihrer Familie, nach ihrer Geschichte, auf nach Polen und in die Ukraine.
Dieser Roman ist eine Bewusstwerdung und Selbstvergewisserung, eine Hommage, immer aber auch ein „Vielleicht“: Die Erzählerin / Katja Petrowskaja sucht methodisch, baut auf Fakten, Namen, Archive, Orte, Fotos auf. Mal sprudelt es überbordend aus der Erzählerin heraus, mal setzt sich aus kleinsten Absätzen ein schillerndes Bild zusammen. Wunderschön und voller Melancholie hat sich Petrowskaja in unsere Herzen geschrieben.

 

Katja Petrowskaja
Vielleicht Esther
Suhrkamp, € 20,60

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