Kultur

Joachim Meyerhoff - Wann wird es endlich wieder so wie es nie war
Joachim Meyerhoff - Wann wird es endlich wieder so wie es nie war

Buchtipp: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war

28. Februar 2013 • Kultur

Joachim Meyerhoffs zweites Werk

Aufwachsen zwischen Hunderten von psychisch erkrankten Jugendlichen und Erwachsenen – kann das gut gehen? Ja, es geht gut, und es schenkt den LeserInnen einen wunderbaren Roman an der Schwelle zwischen Erinnerung und Erfindung.

Hier wird eine Welt herauf beschworen, die ihresgleichen sucht: Der junge Held in Joachim Meyerhoffs zweitem Roman wächst am „Hesterberg“ auf, einer Psychiatrie, deren Direktor sein Vater ist. Und so ist sein Alltag von allerlei großen und kleinen Wundern erfüllt: So darf er auf den Schultern eines sanften Riesen reiten, erlebt staunend den ins Chaos abgleitenden Besuch des ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Gerhard Stoltenberg, und während es andere stört, schläft er am besten, wenn die Schreie der Patienten nachts über das Anstaltsgelände gellen.

Der weitaus kompliziertere Teil des Lebens ist nicht das Zusammenleben mit den „Hirnies“, wie Joachims Brüder die Patienten nennen – viel komplizierter stellt sich das Familienleben dar. Die älteren Brüder haben für den seltsamen Kleinen vor allem Spott übrig, die Mutter organisiert stoisch den Alltag, während der Vater sich hinter seinen Büchern verkriecht. Und Joachim selbst steht auf Kriegsfuß mit den Buchstaben und wird immer wieder von unkontrollierbaren Wutausbrüchen übermannt.

Joachim Meyerhoff, Burgtheater Wien, 2010, Copyright www.peterrigaud.com

Joachim Meyerhoff, Burgtheater Wien, 2010, Copyright www.peterrigaud.com

Wie schon in seinem erfolgreichen Erstling „Amerika“ aus der Reihe „Alle Toten fliegen hoch“ schreibt Joachim Meyerhoff mit einer Mischung aus liebevoller Ironie und nachdenklicher Sachlichkeit von einer außergewöhnlichen Kindheit und Jugend; dabei entgeht er der Falle, nostalgisch verklärend oder sentimental zu werden. Doch das Zentrum, um das Meyerhoffs Roman kreist, ist bei aller Leichtigkeit und allem hintersinnigen Humor der Tod: So wird das Buch auch eine berührende Hommage an den Vater, einen Mann, der in der Theorie glänzt, in der Praxis versagt und trotz aller zur Schau gestellten Lebensfreude nichts gegen sein eigenes Ende auszurichten vermag.

„Manche traumatischen Ereignisse kann man eben nicht erzählerisch wegerfinden. Man kann sie nur erinnernd umkreisen. Es ist beeindruckend, wie hinter aller Leichtigkeit präzise Joachim Meyerhoff das tut.“ Deutschlandradio

 

Joachim Meyerhoff
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Kiepenheuer & Witsch, 20,60 €

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