Kultur

Unheimliches Wien Ausschnitt
Unheimliches Wien Ausschnitt

Buchtipp: Unheimliches Wien

16. August 2013 • Kultur

Der Tod in Wien

Spätestens wenn es Nacht wird, wenn dunkle Schatten sich durch durch die engen Gassen ziehen und herbstliche Nebel sich über den Zentralfriedhof senken, dann erkennt man es: Wien ist dem Tod und seinen Spießgesellen immer einen Schritt näher als andere Städte.

Denn hinter all dem, was bei Tage glänzt, verbirgt sich ein finsteres oder tödliches Geheimnis. In dem Buch von Robert Bouchal und Gabriele Lukacs erwachen lang vergangene Grauen aus dem Schattenreich Wiens zu neuem Leben.

 

Blutsaugende Untote

So berichtet das Buch beispielsweise von einem Vampir-Hype im 18.Jahrhundert. Anders als heute, wo Vampire von manchen Kreisen als begehrenswerte Gentlemen verehrt werden, bedeutete dies damals eine Massenpanik. Bald schon drangen Berichte aus Böhmen und den Regionen am Balkan nach Wien. Menschen flohen in Scharen vor den wieder erstandenen Toten, genannt „Vampyre“, die sich vom Blut der Lebenden nährten und ganze Landstriche mit Tod, Krankheit und Verderben überzogen.

Die damals gebräuchliche Gegenmaßnahme? Richtig, Pfählung und Enthauptung der Leichen. Maria Theresia, der solche Gebräuche wohl übel aufstießen, befahl eine Expedition zur Erkundung des Vampirismus. Mit interessanten Erkenntnissen…

 

Schauplätze des Grauens

Das Buch berichtet auch von zahlreichen Orten in Wien – zum Teil existieren sie noch immer – die durch diverse Umstände zu Schauplätzen von Spuk, Mord und Zauber wurden. Seien es nun klamme Keller, gruslige Gruften mit Skeletten aus Pest- oder Kriegszeiten oder unheilbringende Wohnhäuser, die sich gegen ihre Besitzer zu wenden scheinen: Gegen die Orte, die hier vorgestellt werden, ist jede Geisterbahn ein Kindertheater.

 

Telefonieren mit den Toten

Eine besonders unheimliche wie skurrile Erfindung machte der Elektroingenieur Franz Seidl, indem er das sogenannte „Psychophon“ entwickelte. Laut eigenen Behauptungen erlaubte ihm das Gerät, Stimmen aus dem Jenseits zu hören und aufzunehmen. Ein Nachfolger Seidls verwendete das Psychophon gar zur Mordermittlung. Mit mechanisch verzerrten Stimmen erklärten die Gemordeten, wie und durch wen sie zu Tode gekommen waren.

Selbst berühmte Menschen aus der Vergangenheit sollen schon per Psychophon kontaktiert worden sein. So etwa Ludwig van Beethoven, der gegenüber dem diesseitigen Anrufer angab, sich immer wieder mal kompositorisch zu betätigen, indem er heute lebenden Komponisten Inspiration schickte.

 

Medizinisches Gruselkabinett

Für weniger dem Übersinnlichen zugeneigte Leser bietet auch die reale Geschichte genügend Grusliges. Vor allem im Bereich der Medizin. Präparate wie der mumifizierte Schädel eines Verbrechers (zu betrachten im Wiener Kriminalmuseum) oder in Alkohol eingelegte missgebildete Körperteile (Narrenturm) lassen es einem mit absoluter Garantie kalt den Rücken hinunter laufen.


Fotograf Robert Bouchal

Hommage an das dunkle Wien

Das Buch von Robert Bouchal und Gabriele Lukacs ist vor allem eines: Eine spannende, bilderreiche Entdeckungsreise in die Abgründe Wiens und letztlich auch der menschlichen Seele. Wer also das Dunkle, Verborgene und Absonderliche liebt, wird die Lektüre auf jeden Fall genießen!

Informationen zum BuchUnheimliches Wien
Gruslige Orte – Schaurige Gestalten – Okkulte Experimente
Robert Bouchal / Gabriele Lukacs

Pichler Verlag
Taschenbuch, 208 Seiten
€ 18,00

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