Kultur

Umstrittene Wiener Straßennamen
Umstrittene Wiener Straßennamen

Buchtipp: Umstrittene Wiener Straßennamen

7. Oktober 2014 • Kultur

Ein Streifzug durch Wiens Straßen!

Ach, wie gut, dass man die Universität Wien heutzutage leichter findet – wo doch endlich auch die Straße, in der sie steht nach ihr benannt ist. „Universitätsring“ heißt das jetzt und nicht „Dr. Karl-Lueger-Ring“. Gleich als erstes wurde Seite 141 dieses Buches aufgeschlagen. Denn da wird erklärt, was der damalige Bürgermeister von Wien so gemacht hat und wie ihm seine antisemitischen Aktionen den Straßennamen gekostet haben. Sehr interessant. Und wer hätte gedacht, dass man mit Beispielen wie diesem ein ganzes fast 300 Seiten Buch füllen kann. Noch interessanter!

6.600 Verkehrsflächen und 300 Parks wurden von den vier AutorInnen auf ihre Namen überprüft und vor allem die Personen hinter den Namen durchleuchtet. Praktisch gegliedert in Professionen ist eine bemerkenswert große Zahl an Persönlichkeiten zu finden, die es in die Verkehrsregister Wiens geschafft haben. Damals aufgrund der einen oder anderen Heldentat wohl wichtige Persönlichkeiten, heute doch eher zweifelhafte „“Helden“. Von Geistlichen über Musiker und natürlich auch Politikern findet man sogar zwei „Sonderfälle“ im Register. Die „Anschlussgasse“, die anscheinend eher weniger mit dem Anschluss im Jahre 1938 zu tun hat und die Ostmarkgasse im 21. Bezirk.

Man würde nicht denken, so viel über die Österreichische Geschichte lernen zu können, wenn man einmal Straßennamen studiert. Und nicht nur die österreichische Historie als solches, sondern auch besonders viel über wichtige und weniger wichtige Persönlichkeiten der damaligen Zeit.

Dieses Buch könnte fast als kleiner Wien-Führer gesehen werden, der einem den Weg durch die Stadt wieder ganz neu wahrnehmen lässt. Es empfiehlt sich die altbekannten Gassen zu durchwandern – mit den Augen auf den Straßenschildern und mit diesem Buch in der Hand – und plötzlich kommen ganz neue Geschichten zum Vorschein. Wien wird noch ein bisschen geschichtsträchtiger und das Warten an der Straßenbahnstation kann damit verbracht werden, über Franz Lehár nachzudenken, der ganz persönlich seine Partituren an Adolph Hitler versendet hat.

Eine Empfehlung für alle Neugierigen!

 

Umstrittene Wiener Straßennamen – Ein kritisches Lesebuch
Mag. Birgit Nemec
Mag. Dr. Peter Autengruber
Mag. Florian Wenninger
Prof. DDr. Oliver Rathkolb

pichler verlag
24,99 Euro

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »