Kultur – Literatur

Foto: Cover Nacht und Hoffnungslichter
Foto: Cover Nacht und Hoffnungslichter

Buchtipp: Nacht und Hoffnungslichter

15. November 2014 • Literatur

Joseph Roth war nicht nur einer der größten Romanciers seiner Zeit, sondern auch ein höchst produktiver Journalist: 1919 begann er eine Karriere bei der Zeitung „Der Neue Tag“. Als die Zeitung kurz darauf eingestellt wurde, zog er wie viele seiner Kollegen nach Berlin, um dort in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen zu publizieren. Roths Scharfsinn und sein Gefühl für Sprache schlagen sich in seinen fiktionalen Texten genauso nieder wie in seinen Feuilletons. Man erkennt in den journalistischen Texten viel davon wieder, was ihn als Autor auszeichnet. Auch, aber nicht ausschließlich deshalb ist es ein Glück, dass das journalistische Werk Roths nun als Buch erhältlich ist.

 

Diese Feuilletons sind Analysen der Zeit, in der sie entstanden – aber sie haben, als kritische Analysen, immer auch ein bemerkenswert hohes Maß an Zeitlosigkeit inne, oder vielmehr: an Aktualität. Diesen Texten widmet sich ein bibliophiler Band aus der Reihe „Wiener Literaturen“ (Edition Atelier). Gemeinsam mit einem Geleitwort des Herausgebers Alexander Kluy, einem Vorwort von Wolfgang Müller-Funk und einigen Texten von Roths Zeitgenossinnen und -genossen bildet die Zusammenstellung das breite Spektrum Roths feuilletonistischen Schaffens ab, wagt Einblicke und Ausblicke und setzt seine unterhaltsamen, zugänglichen Texte in einen historischen und literaturwissenschaftlichen Kontext.

 

Der Titel ist dabei durchaus programmatisch zu verstehen: Es gibt viel Düsteres aus der Zeit zwischen den Kriegen zu berichten, aber dazwischen flackert immer wieder Hoffnung auf. Joseph Roth hat einen Blick auf die Welt, der scheinbar keine Gegensätze kennt: Er sieht das Grausige ebenso wie das Schöne, blickt wie durch ein Vergrößerungsglas auf scheinbar unwesentliche Details und schafft daraus ein nahezu universales Weltverständnis. Er scheut sich nicht vor scharfer Kritik an den herrschenden Zuständen, aber oft genug verrät sein Blick viel Wärme und Zuneigung, gerade für die Gescheiterten und Armen, die Elenden und Tragischen. So werden auch Nacht und Hoffnungslichter eine untrennbare Einheit, in der das eine nicht ohne das andere existieren kann.

 

Nacht und Hoffnungslichter
248 Seiten
21,95 Euro

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