Kultur – Literatur

Cover Metropolis (c) Milena Verlag
Cover Metropolis (c) Milena Verlag

Buchtipp: Metropolis

10. Dezember 2014 • Literatur

Die glitzernde Stadt der Zukunft

Ein modernes Märchen voller Gier, grenzenloser Sehnsucht und blinder Wut. 90 Jahre nach der Ersterscheinung wurde der Roman „Metropolis“ im Milena Verlag neu aufgelegt. Und es lohnt sich dieses monumentale Werk, das die Grundlage zum gleichnamigen Kultfilm von Fritz Lang schuf, neu zu entdecken.

 

In der Alptraumwelt der 50-Millionen-Stadt Metropolis herrscht eine klare Abgrenzung zwischen dem orberirdischen Teil, in dem die herrschenden „Übermenschen“ residieren und dem unterirdischen Teil, der von der uniformierten, gesichtlosen Arbeiterschaft bewohnt wird. Doch die Grenzen beginnen erstmals zu verschwimmen, als sich eines Tages ein Sohn der Oberschicht in die wunderschöne Maria verliebt, die ihr Dasein in der grauenhaften unterirdischen Welt fristet. Das Drama nimmt seinen Lauf, als ein eifriger Wissenschaftler Maria entführt und eine „Maschinen-Maria“ konstruiert, die der echten bis aufs Haar gleicht. Mit dieser „Maschinen-Maria“ soll die Revolution der Arbeiterschaft gelingen. Der futuristische Roman dringt tief in die Materie der Gellschaft ein. Die große Frage, die sich hier auf alarmierende Weise stellt ist: „Was ist die Aufgabe des Einzelnen in der Gesellschaft?“. Über allem steht die Hoffnung auf Erlösung und das Paradies. Antworten werden nur angedeutet, so soll die Liebe als „Mittlerin zwischen Arm und Reich“ die zwei Welten vereinen und in eine bessere Zukunft führen.

 

Die Autorin selbst war der Meinung, dass das Herz zwischen Hirn und Hände vermitteln müsse. Thea von Harbou verbrachte ein glamouröses Leben mit ihrem Ehemann Fritz Lang in Berlin. Zahlreiche glanzvolle Auftritte im Adlon inklusive. Gemeinsam mit Fritz Lang schrieb sie Drehbücher die für Aufsehen sorgten und zu wahren Filmklassikern wurden. Darunter „Die Nibelungen“, „Faust“ oder „M“.

 

Die Schattenseiten sollen auch hier nicht verschwiegen werden. Während Fritz Lang im Jahr 1933, die Ehe war damals schon am Ende, nach Paris emigrierte, kam die Karriere von Thea von Harbou im Nazi-Deutschland erst so richtig in Fahrt. Neben Leni Riefenstahl war sie unumstritten einer der hellsten Sterne am Himmel des deutschen Films dieser dunklen Zeit. Tragisch auch ihr Ende im Jahr 1954. Beim Verlassen des Kinos, das einen Film zeigte für den sie das Drehbuch verfasste, stürzte sie und starb in der Folge an den Verletzungen.

 

Metropolis
272 Seiten, Hardcover mit Leseband
Mit einem Nachwort von Dr. Franz Rottensteiner
€ 24.90
ISBN 978-3-902950-109

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »