Kultur – Literatur

Cover  Jana Volkmann - Fremde Worte
Cover Jana Volkmann - Fremde Worte

Buchtipp: Fremde Worte

5. Jänner 2015 • Literatur

Über das Leben mit und in Büchern: Jana Volkmann erzählt in ihrem zweiten Buch die Geschichte einer jungen Frau, die sich in die fiktive Vergangenheit anderer einschmuggelt.

 

Am Wochenende durch ein verwinkeltes Antiquariat schlendern, den etwas modrig-verstaubten Geruch von uralten Büchern einatmen und stundenlang in den übervollen Regalen und Kisten stöbern und kramen. Vielleicht ist ja was Gutes dabei – eine kostbare Erstausgabe, ein skurriler Ratgeber, ein signierter Roman von der Lieblingsautorin. Und wenn man ganz viel Glück hat, findet man auch in den Büchern so manch vergessenen Schatz – getrocknete Kleeblätter, viele Jahre alte Fahrscheine, eine beschriebene Ansichtskarte, ein vergilbtes Familienfoto oder eine persönliche Nachricht, eine Widmung aus einem anderen Leben. Als LiteraturfreundIn kennt und liebt man diese Ausflüge in eine andere Welt mit den Zufallsfunden.

 

Ebenso Hanna, die Hauptfigur in Jana Volkmanns Erzählung »Fremde Worte«. Jeden Sonntag geht die junge Frau durch einen Flohmarkt in Berlin, zu einem Antiquar, der eine wilde Auswahl seiner Secondhandbücher zum billigen Verkauf anbietet. Doch Hanna haben es im Gegensatz zu den eingangs erwähnten LiteraturfreundInnen ausschließlich die Widmungen angetan – nicht etwa die signierten Erstexemplare, sondern persönliche Widmungen von Menschen, die sie gar nicht kennt. Bücher, die aus einem bestimmten Grund für einen bestimmten Menschen gekauft wurden und von diesen irgendwann für ein paar Euro dem alten Antiquar überlassen wurden. Die Bücher, die sie hier jede Woche kauft, liest sie schon lange nicht mehr – sie blättert lediglich bis zu den handschriftlichen Einträgen. Hier lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf und überlegt, was wohl hinter diesen Worten stecken und was für ein Mensch sie geschrieben haben mag. Doch natürlich ist das längst noch nicht alles – denn eines Tages trifft sie auf eine andere Frau, die genauso verloren zu sein scheint wie sie …

 

Sehr behutsam und mit feinem Gespür stellt Jana Volkmann ihre Hanna vor. Sie erzählt die feingliedrige Geschichte einer jungen Frau, die etwas verschroben und alleine in ihrer eigenen Welt lebt, die sich aus ihrem eigenen Leben zurückzieht und in die fiktive Vergangenheit anderer, ihr fremder Menschen einschmuggelt. Eine zauberhafte Hommage an das Buch.

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