Kultur – Literatur

Jana Volkmann Foto: Jorghi Poll
Jana Volkmann Foto: Jorghi Poll

Buchtipp: Das Zeichen für Regen

27. September 2015 • Literatur

Roman von Jana Volkmann

Einfach auf und davon – Alles hinschmeißen und in einem neuen Land ganz von vorne anfangen. Wer hat sich das insgeheim nicht schon mal gewünscht?!

Die Protagonistin in Jana Volkmanns jüngst erschienenem Roman „Das Zeichen für Regen“ hat diesen Gedanken in die Tat umgesetzt. Welch ein Glück, dass wir sie dabei begleiten dürfen.

 

Ein neues Leben

„Na, für immer“, antwortet Irene gleichgültig auf die Frage, wie lange sie denn in Kyōto bleiben wolle. Kurz darauf packt sie auch schon ihre Sachen und steigt in den Flieger nach Japan, um ein neues Leben zu beginnen.
Es ist weniger das Abenteuer, das die junge Frau in der fremden Stadt, deren Sprache sie kaum versteht, zu finden hofft. Vielmehr ist es eine Flucht, so viel wird bald klar. Eine Flucht vor dem Studium, den Freunden und ihrer Familie, der komplizierten Beziehung zu ihrem Ex-Freund Timo und nicht zuletzt vor Berlin. Und so genügt es Irene, als Zimmermädchen in einem Hotel zu arbeiten statt durch Japan zu reisen und mehr von Land und Menschen zu sehen.
Doch wie es nun mal so ist mit den „neuen Leben“ – irgendwann steckt man wieder im Alltag fest, irgendwann wird’s wieder kompliziert. Bei Irene ist es der ominöse Gast aus Zimmer 1009, der bald für neues Gefühlschaos sorgt …

 

Das Orchester unter der Zimmerdecke

In ihrem letzten Buch, der Erzählung „Fremde Worte“, lässt Jana Volkmann ihre Protagonistin antiquarische Bücher zu neuem Leben erwecken. Und obwohl Irene alle ihre Bücher in Berlin zurückgelassen hat, zeigt sich auch in „Das Zeichen für Regen“ eine innige Liebe der Autorin zur Literatur und zur Sprache. Und dabei gelingen ihr selbst sehr starke Bilder. Etwa, wenn Irene im Taxi sitzt und das japanische Schriftzeichen für Regen an die beschlagene Fensterscheibe malt. Und eine Romanfigur, die sich vorstellt, dass die Musik nicht aus den Hotel-Lautsprechern kommt, sondern von einem winzigen Orchester unter der Zimmerdecke, hat ohnehin schon gewonnen.
Darüber hinaus hat Jana Volkmann auch einen Roman über zwei Städte geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und vielleicht gerade deshalb, weil Irene eine gewisse Lethargie an den Tag legt, wenn sie durch ihre neue Stadt Kyōto streift, sind diese Beschreibungen ebenso melancholisch wie schön zu lesen.

Das Zeichen für Regen - Jana Volkmann

Das Zeichen für Regen
Jana Volkmann
Roman
208 Seiten
Edition Atelier, € 19,95, als E-Book € 12,99

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