Lifestyle – Skurriles

Biene (c) STADTBEKANNT
Biene (c) STADTBEKANNT

Bienenkiller

9. Mai 2013 • Skurriles

2010, dem Jahr des Artenschutzes sei Dank, wurde am Dach der Staatsoper ein Bienenstock angebracht. Oft geht es einem ja so, dass man gar nicht weiß, was man bisher vermisst hat, doch sobald dann eine kreative, innovative, ja geniale Aktion gesetzt wird, fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Bienen auf dem Dach der Oper war das, worauf Wien und die WienerInnen seit Generationen gewartet haben.

Es wurlt und summt.

Eine geniale Begründung für die Aktion hatte Umweltminister Nikolaus Berlakovich, in der Oper wie im Bienenstock „in beiden wurlt es herum“. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich und wurln tut es bekanntlich nicht nur in der Oper. Es wurlt beispielsweise auch in der Mariahilferstraße, im Wiener U-Bahnnetz, in den Freibädern falls der Sommer jemals kommen sollte, im Prater undundund.

Damals fragte man sich noch: Werden also bald weitere Bienenstockaktionen auf uns zukommen? Ein Bienenstock in der U-Bahnstation Karlsplatz oder in der Mariahilferstraße um endlich ganz alleine shoppen zu können? Den Ideen waren keine Grenzen gesetzt, aber es kam anders! Dem Umweltminister wurlte es dann offensichtlich doch zu viel und er bekannte sich letztens zum Bienenmörder. Er ließ bei einer Abstimmung in Brüssel gegen die Abschaffung der gefährlichen Neonicotinoide stimmen, das unsere Bienen, laut der Warnung heimischer Imker, tötet.

Die offizielle Begründung ist, dass er in einer kurzen Phase der Überarbeitung das Wort „Umwelt“ aus seiner Berufsbezeichnung des „Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft“ strich, um sich vorwiegend für die Agrarwirtschaft einzusetzen. Stadtbekannt kennt aber die wahre Motivation seines Handelns: Es war ein Bienenstich, der den Minister bei einem Besuch eines Staatsopern-Balletts ereilte und ganz schön grantig auf die Tierchen machte.

Es geht ums Prinzip!

Doch die Österreicher wehrten sich gegen diesen Frevel. Niemand nimmt uns etwas weg, das man uns einmal gegeben hat. Vor allem nicht wenn es teuren Honig produziert, den wir auf irgendwelchen Charity-Events versteigern können. Und schwubs waren die Bienen, wie die Niemetz Schwedenbomben und das Tschisi-Eis, ein wichtiges Volksgut und in allen Medien. Berlakovich bekam daraufhin Spitznamen wie „Chemical Niki“ und „Bienenkiller“. Bei so viel Widerstand musste sogar der Umweltminister der Umwelt zu Gute handeln und sprach sich auch gegen das böse Pestizid aus.

Vorerst wird also dem Bienenstock auf dem Operndach nichts passieren. 60.000 Bienen haben es sich dort inzwischen schon bequem gemacht und produzieren brav jede Menge Honig. Ob die Bienen am Dach der Staatsoper nicht sogar genetisch verbessert sind (sonst wäre ja der Honig nicht so teuer), und somit sogar resistent gegen das Pestizid, kann man nun nicht mehr herausfinden. Denn ab Dezember 2013 darf das Pestizid in Österreich nicht mehr verwendet werden. Mit diesem Gesetz sind die Bienen zwar gerettet, aber die heimischen Bauern offenbar vom Aussterben bedroht.

Aber auch hier wird sich eine Lösung finden, denn wie gesagt, was uns gehört, nimmt uns keiner mehr weg. Außerdem sind die Bienen auf dem Dach der Oper nicht nur schön, sondern auch nützlich: Gerüchteweise werden die Bienen der Oper bereits auf Bilder des Baumeisters der Nation, Richard Lugner und dessen wechselnden Anhang geschult, um den Opernball zu einem lugnerfreien Event zu machen. Was wiederum der Umwelt zu Gute kommen würde, denn das geballte Ego der Lugner-Meute am Opernball produziert genug Kohlendioxid, um einen neuen Umweltskandal in die Medien zu rufen.

Warum bei Bienen bleiben?

Nachdem der Minister nun im Vertrauens-Ranking um 15% gefallen ist, könnte man über weitere, tierische Maßnahmen zur Wiedergutmachung nachdenken: Eine Biberkolonie an der alten Donau, Fledermäuse in den U-Bahnschächten, Wolfsrudel am Gürtel und (Nacht-)Eulen entlang der Stadtbahnbögen werden möglicherweise schon bald folgen. Ob ein gieriger Honig-Bär, wie Winnie Pooh, zur Erheiterung der TouristInnen ebenfalls am Dach der Oper platziert wird, wird derzeit mit internationalen Umweltschutzorganisationen verhandelt.

Das Projekt wurde übrigens von vielfaltleben.at ins Leben gerufen. Das Projekt soll Bewusstsein für diese wichtigen Nutztiere schaffen.

 

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