Kultur – Ausstellungen

METRO Kinokulturhaus Ausstellung - die Stadt ohne - Katalog (c) STADTBEKANNT
METRO Kinokulturhaus Ausstellung - die Stadt ohne - Katalog (c) STADTBEKANNT

Ausstellungstipp – DIE STADT OHNE

19. März 2018 • Ausstellungen

JUDEN MUSLIME FLÜCHTLINGE AUSLÄNDER

Anlässlich des 100-jährigen Republiksjubiläums und der Restaurierung des 1924 veröffentlichten Stummfilms „Die Stadt ohne Juden“ von H.K. Breslauer findet im METRO Kinokulturhaus die Ausstellung DIE STADT OHNE statt. 

Wir von STADTBEKANNT haben die Sonderausstellung des Filmarchivs Austria im Metro Kinokulturhaus besucht und uns auf Spurensuche begeben.

 

Von Zukunftsvision zu grausiger Geschichte

Wie schon der Film Breslauers, nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer, überspitzt und nahezu absurd anmutend ein Zukunftsszenario aufzeigt, das schon wenige Jahre später die Lebensrealität jüdischer Bewohner und anderer (unliebsamer) Minderheiten und Randgruppen im deutschen Reich wurde, so hat es sich die Ausstellung zur Aufgabe gemacht einen Brückenschlag bis in die heutige Zeit und Parallelen aufzuzeigen.

METRO Kinokulturhaus Ausstellung - die Stadt ohne (c) STADTBEKANNT

METRO Kinokulturhaus Ausstellung – die Stadt ohne (c) STADTBEKANNT

Multimediale Darstellung von Ausgrenzung

Der erste Ausstellungsteil untergliedert mit den Schlagworten „Polarisierung, Sündenböcke, Emphatieverlust, Brutalisierung und Ausschluss“ den Film, die Zeit zwischen 1934 und 1945 sowie die aktuelle politische Stimmung.

Die Vermittlung der Inhalte funktioniert mit Filmausschnitten von „Die Stadt ohne Juden“, Zeitzeugenfilme, Audio-Files, Plakaten und Zeitungsauschnitten, Fotografien und kreiert so ein recht anschauliches Bild dessen, was damals zur größten menschlichen und ethischen Verbrechen im 20. Jahrhundert führte.

Gleichzeitig wird das erneute Schüren und Erstarken von Ressentiments gegenüber GastarbeiterInnen, MigrantInnen und Geflüchteter in der 2. Republik aufgezeigt, die (Mit-) Verantwortung sämtlicher Parteien mit einem „Quiz“ und Wahlwerbungen veranschaulicht.

METRO Kinokulturhaus Ausstellung - die Stadt ohne - Vergleich - damals und jetzt (c) STADTBEKANNT

METRO Kinokulturhaus Ausstellung – die Stadt ohne – Vergleich – damals und jetzt (c) STADTBEKANNT

Gelebte Fiktion und surreale Realität

Mit hintergründiger Leichtigkeit wird dem Besucher die Verrohung der Sprache bis zur heutigen Diktion mit dem damit einhergehenden Leben aufgezeigt.

Die Parallelen zwischen dem Film von 1924, den Geschehnissen von 1938-1945 und der aktuellen politischen Situation werden auf erschreckende Weise angreifbar und der Betrachter kann sich der Erkenntnis nicht mehr entziehen.

 

Vom Literat zum Opfer: Das Schicksal von Hugo Bettauer

Der zweite Ausstellungsteil widmet sich unter anderem der Person Hugo Bettauer, der sich nebst seiner Tätigkeit als Literat auch für Frauen- und Homosexuellenrechte engagierte und auf diesem Wege den Zorn der politischen Rechten, der Kirche und selbsternannter Sittenwächter auf sich zog.

Ein Vertreter letzterer Gruppierung, der beschäftigungslose Zahntechniker O. Rothstock, ermordete 1925 Bettauer, um seiner Sittenlosigkeit ein Ende zu bereiten. Eine angemessene Strafverfolgung erhielt Rothstock zu keinem Zeitpunkt, vielmehr wurde er auf politische Intervention hin für Unzurechnungsfähig erklärt und verbüßte eine „Haft für geistig abnorme Rechtsbrecher“ im heutigen Otto Wagner Spital, wo er nach Kriegsende wieder entlassen wurde.

Des weiteren stellen Gegenstände des täglichen Lebens aus den Verlassenschaften der Deportierten, Vertriebenen und Ermordeten einen fassbaren Bezug zu den Menschen hinter den Geschichten her.

METRO Kinokulturhaus Ausstellung - die Stadt ohne - Akten (c) STADTBEKANNT

METRO Kinokulturhaus Ausstellung – die Stadt ohne – Akten (c) STADTBEKANNT

Augrenzung in der heutigen Zeit

Zum Ausklang ruft eine Videoinstallation, die im Jahr 2000 im Rahmen der Wiener Festwochen und anlässlich der ersten schwarz-blauen Regierung stattgefundenen Aktion „Ausländer raus“, des viel zu früh verstorbenen Theatermachers Christopf Schlingensief ins Gedächtnis bzw. stellt sie denen vor, die diese nicht bewusst miterlebt haben.

 

STADTBEKANNT meint

Eine gelungene Ausstellung, wenn auch man sie mit dem schalen Gefühl verlässt, der Zeitpunkt den Anfängen zu wehren sei schon längst gekommen.

Die Stadt ohne

Die Stadt ohne

Ausstellung
DIE STADT OHNE 
JUDEN MUSLIME FLÜCHTLINGE AUSLÄNDER
2. März bis 30. Dezember 2018

 

Weltpremiere
Die Stadt ohne Juden“ – restaurierte Fassung
21. März 2018, 19:30 Uhr (geschlossene Premiere)
2. April 2018, 20:30 Uhr (öffentliche Premiere)
Tickets: reservierung@filmarchiv.at

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METRO Kinokulturhaus

Johannesgasse 4
1010 Wien
+43 (0)1 512 18 03
www.filmarchiv.at

reservierung@filmarchiv.at

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