Lifestyle – Skurriles

Schnee Auto (c) Mautner stadtbekannt.at
Schnee Auto (c) Mautner stadtbekannt.at

Ausnahmezustand wegen Schneefalls

30. Dezember 2014 • Skurriles, Wien

Der Wiener Schnee

Nun hat es also begonnen zu schneien, was Anlass zu unzähligen Facebook Meldungen mit gewichtigem Inhalt wie „Schnee“ oder „Es hat geschneit“ geboten hat und bietet, und den Allerfaulsten den Blick aus dem Fenster erspart. Gleichzeitig ist es der ultimative Idiotentest im eigenen Freundeskreis. Wer den Newsstream voller Schneemeldungen hat, sollte seinen Freundeskreis hinterfragen.

Für uns bietet der Schneefall Anlass zu einer kleinen Reflexion.

 

Wien und der Schnee

Im Winter schneit es. Um zu dieser simplen Einsicht zu gelangen, ist nicht zwingend ein Universitätsabschluss in Meteorologie notwendig. Vor allem unsere Redaktionsmitglieder, die in alpinen Teilen des Landes aufgewachsen sind, nehmen alljährlich mit Staunen zur Kenntnis, dass diese simple Erkenntnis in Wien nur bedingt zu entsprechenden Reaktionen veranlasst.

Die Folge ist das alljährlich pünktlich zum ersten Schneefall einsetzende Verkehrschaos. Als wäre Schnee ein nur einmal alle hundert Jahre vorkommendes Wetterereignis und nicht ein ganz normales saisonales Phänomen, werden zehntausende AutofahrerInnen Jahr für Jahr von seiner Ankunft überrascht.

 

Winterreifen, das unbekannte Ding

Mit einer bemerkenswerten Beharrlichkeit wird von großen Teilen der Wiener Bevölkerung der Winterbeginn ignoriert. Das mag daran liegen, dass die Zeit der großen Dunkelheit damit beginnt und es somit einiges zu verdrängen gibt, beispielweise die Gelüste, auszuwandern. Jedenfalls sind Winterreifen, obwohl nicht im eigentlichen Sinne eine neue Erfindung, weitgehend unbekannt.

Lustig vor sich hinrutschende Autos, die recht schnell zu Staus führen, sind die Folge. Kleinere Auffahrunfälle und die allgemeine Freude am rutschigen Fahrvergnügen bremsen das öffentliche Leben meist rasch aus. Für dieses Phänomen sind keineswegs tagelange Schneefälle notwenig, nein, einige Millimeter Neuschnee reichen gewöhnlich vollkommen aus.

 

Lokales Brauchtum: Schneechaos

Die Busse der Wiener Linien sind unschuldige Opfer in diesem lokalen Brauchtum. Vorbildlich winterlich ausgerüstet haben sie, wenn erst einmal der Verkehr steht, auch keine Möglichkeit mehr, durchzukommen. Im Gegensatz zu den Bussen ist der wetterbedingte Totalausfall bei den Straßenbahnen nur schwer zu erklären. Warum sind Straßenbahnen dem Schnee nicht mehr gewachsen, sobald er nur zentimeterdünn auf der Straßenbahnspur liegt? In einem alpinen Land sollte die Bewältigung von Schnee doch eigentlich zu den nomalen Anforderungen für öffentliche Verkehrsmittel gehören.

Woran es auch liegen mag, dass die Straßenbahnen dem Schnee nicht gewachsen sind, gemeinsam mit den Autos und den durch diese ausgebremsten Bussen sorgen sie jedenfalls für das perfekte Verkehrschaos. Zu allem Überdruss gesellt sich dann noch die U4, die zur Gattung der Winterschlaf haltenden U-Bahnen gehören dürfte. Wenn es länger schneit, fällt sie oft aus.

 

Rätselhaft, aber lustig

Wie bereits erwähnt: Wenn man nicht in Wien aufgewachsen ist, steht man diesem Phänomen mit einigem Staunen gegenüber. Irgendwie hat die an Sysiphos erinnernde Beharrlichkeit der Wiener, dem Winter zu trotzen, und sich zu weigern, sich in das Schicksal monatelanger Kälte zu fügen aber auch etwas Charmantes. So aussichtslos der Kampf gegen den Schneefall auch ist, und so verzweifelt die beharrliche Ignoranz ihm gegenüber wirkt, so hat es doch etwas Heroisches. Die alljährliche Niederlage im Kampf gegen den Schnee führt nämlich keinesfalls zu einer Verhaltensänderung, vielmehr wird dem Schnee immer wieder mit der selben Beharrlichkeit entgegen getreten.

Der Kampf gegen den Schnee erinnert an Don Quijotes aussichtslose Kämpfe. Und der mag zwar verrückt gewesen sein, aber ein Held war er jedenfalls.

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