Wien – Leben

Foto: Hannah Hauptmann
Foto: Hannah Hauptmann

Aufpassen, bitte!

5. Oktober 2014 • Leben

Das bessere Drittel erzählte mir bereits vor Jahren die Geschichte mit der Sparschiene. Er habe das Angebot der Bundesbahnen kurz nach dessen Start gleich einmal nutzen wollen. In der Helpline bekam er dazu eine glasklare Ansage:
“Wos, Spaschienee?“
Irgendeiner hatte also nicht genau aufgepasst. Manchmal kann das echt ins Auge gehen, manchmal bleibt’s möglicherweise harmlos, aber mit dem kleinen Effekt, dass nicht das dabei herauskommt, was man erwartet.
Ich hatte vor ein paar Wochen einmal mehr zu wenig aufgepasst. Wie während meiner Schulzeit, als ich ermahnt worden war, weniger zu tratschen. Das ist natürlich auch schon wieder Jahre her und vorletzten Dienstag ging’s mir dafür eigentlich gar nicht um ein konzentriertes Aufpassen. So absichtlich mache ich das im normalen Leben nicht wirklich, eher nebenher oder nebenbei. Faktisch Routine. Für das Kind. Die Therme oder gar mich selber.
Eigentlich hatte ich an jenem Tag bloß Hunger. Seit Stunden. Nüchtern sollte ich sein. Um 14 Uhr begönne eine Untersuchung, drei Stunden später wäre sie wieder vorbei. „Womöglich haben Sie danach Bauchweh. Bitte machen Sie also keine weiteren Termine aus.“ Super! Da freu ich mich aber schon…
Zuvor hatte ich Diät halten müssen. Ein paar Tage. Kein Obst, kein Gemüse, kein Zucker, keine Milch. Also Milch schon, aber nur eine ganz spezielle. Über den Daumen gepeilt, blieben Kartoffeln und Brot, Fleisch und nackerte Nudeln. Ein schlechter Zeitpunkt wirklich heikel zu sein, dafür der beste, um zu merken, was ich ständig in mich hineinstopfe. Ich hatte mich jedenfalls brav an alles gehalten. Selbst übers Wochenende, an dem Essen so wichtig erscheint. Punkt 14 Uhr stand ich in der Praxis auf der Matte. Die Aussicht auf Bauchweh und weitere drei Stunden Nüchternheit machten mich unruhig. Die Sprechstundenhilfe zog meine e-card durch „das Gerät“ und sagte höflich, aber bestimmt, „dass dein Termin eigentlich gestern war.“
„Haargenau.“ Die Tante des Kindes hatte es an meiner Miene erraten, als ich ihr die Geschichte erzählte.
So also.
„Gut, dann kann ich ja jetzt wieder essen“.
„Ja, wenn sie wollen.“
Ich packte vor der Sprechstundenhilfe einen mitgebrachten Kuchen aus und ließ mir einen Termin fürs übernächste Monat geben.
„Soll ich ihn aufschreiben.“
„Sehr gern.“ Mampfte ich ihr entgegen und hoffte, ich möge mich später daran erinnern.
War ich an dieser Stelle je moralisch?
Dann also: Aufpassen bitte!
Auch auf das Essen. (Schluck)

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