Lifestyle – Skurriles

Kino (c) STADTBEKANNT
Kino (c) STADTBEKANNT

Anti-Abtreibung ja, Schwule nein

29. Mai 2010 • Skurriles

Der US-Fernsehsender CBS hat entschieden welche Werbespots in der Halbzeit der Super Bowl ausgestrahlt werden und erhitzt damit die Gemüter.

Zwei männliche Football-Fans greifen in die selbe Schüssel mit Kartoffel-Chips. Sanft berühren sich ihre Hände. Sekunden später liegen sie sich küssend in den Armen. 
Sport bringt die Menschen einander näher, so lautet wohl eine Botschaft des Werbespots der schwulen Internet-Datingbörse mancrunch.com, der in der Halbzeitpause der Superbowl laufen sollte. Zu nahe für den übertragenden Sender CBS und so wird das Finale der NFL zwischen den New Orleans Saints und den Indianapolis Colts in der Nacht von Sonntag auf Montag ohne Liebe, zumindest ohne gleichgeschlechtliche, über die Bühne gehen. Der Spot entspreche nicht den „Standards für den Superbowl Sonntag“ erklärte CBS.
 
Szenenwechsel. Eine Mutter erklärt, hätte sie vor 23 Jahren auf ihren Arzt gehört, hätte sie ihren Sohn abgetrieben. Sie aber entschied sich dagegen und schenkte ihm das Leben. 
Ein 30-sekündiges filmisches Plädoyer gegen Abtreibung bezahlt und produziert von der fundamentalistische-evangelikalen Organisation „Focus on the Family“ und gleichzeitig ein Spot der in der Superbowl-Halbzeit vor geschätzten 100 Millionen Zuschauern ausgestrahlt wird.

Der Clou an der Sache: Bei dem Sohn handelt es sich um Tim Tebow, den kommende Superstar des American Football. Mit seinen 22 Jahren wird er jetzt schon mit Vorschusslorbeeren überhäuft obwohl er noch nicht einmal bei einem Profi-Team unterschrieben hat.
„Es wird suggeriert, dass eine Frau die abtreiben lässt der Nation einen Football-Star raubt“, kritisiert Stephanie Wolf vom Women’s Media Center in New York. „Das ist völlig surreal.“
Kontroverse Themen sollten in den Werbespots wie bisher ausgespart bleiben.

Diese Spots sind mehr als ein Pausenfüller und zusammen mit der Halbzeitshow seit jeher bekannter und beliebter Teil der „Biggest Show on Earth“. Legendär sind die Präsentation des Apple Macintosh, gedreht von Star-Regisseur Ridley Scott, 1984 oder das Spiel um ein McDonalds Menü zwischen den Basketball-Helden Michael Jordan und Larry Bird 1993. 
Nebenbei spült die Werbung viel Geld in die Kassen der TV-Sender. Allein 2009 brachten sie NBC einen Erlös von 206 Millionen US-Dollar (147 Millionen Euro). 
Doch durch die Wirtschaftskrise sank auch die Bereitschaft der Unternehmen tief in die Tasche zu greifen und man suchte neue Werbepartner. 

Aufgegangen ist die Rechnung für die selbsterklärten Lebensschützer jetzt schon. Sorgt nämlich allein der mit äußerster Heftigkeit geführte mediale Diskurs über den Spot bereits für riesige Aufmerksamkeit. Zu früh freuen sollten sie sich trotzdem nicht, messen ExpertInnen Werbung zu kontroversen Themen nur wenig Wirkung bei, da die meisten Menschen sich ohnehin bereits eine Meinung darüber gebildet hätten.
Durch die Finger schauen wird neben den Betreibern der Schwulenwebsite auch das Internetportal GoDaddy.com, das mit einem Footballspieler in rosa Rüschenunterwäsche werben wollte. Hier schlug die Zensur der Moralwächter ebenso zu.

Während also das Ende von sexueller Diskriminierung im Sport dies– und jenseits des großen Teiches nicht wirklich absehbar ist erkannte der britische Komiker John Cleese zumindest einen Unterschied im sportlichen Selbstverständnis. In Bezug auf die World Series, das Finale der US-amerikanischen Baseballmeisterschaft bemerkte er: „Wenn wir Weltmeisterschaften veranstalten laden wir auch andere Länder ein.“

 

 

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