Wien – Grätzltipps – 11. Simmering

alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT Mallmann
Alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT Mallmann

Alter jüdischer Friedhof

17. Juni 2016 • 11. Simmering, Denkmäler & Kunstobjekte

Wald der Toten

Der alte jüdische Friedhof ist wohl der schönste Teil des gesamten Zentralfriedhofs. Zwar nagt die Natur und der Zahn der Zeit hier nicht bloß am Gebein, aber dies unterstreicht eher den stillen wie morbiden Charme der beschaulichen Ruhestätte.

 

Entstehungsgeschichte

Gleich beim Tor 1 liegt der alte jüdische Friedhof. 1877 erwarb die Israelitische Kultusgemeinde das Grundstück von der Gemeinde Wien und nahm es zwei Jahre darauf offiziell in Betrieb. Innerhalb der nächsten 40 Jahre wurde auf den über 250.000 m² des alten jüdischen Friedhofs um die 80.000 Menschen beigesetzt. Da es im Judentum vorgesehen ist, die Toten am Ort ihrer Beisetzung ruhen zu lassen und einmal entstandene Gräber nicht mehr zu entfernen, stieß der alte Friedhof bald an seine Grenzen. 1917 eröffnete daher im östlichen Teil des Zentralfriedhofs der etwas kleinere neue jüdische Friedhof.

alter jüdischer Friedhof Grabstätte (c) STADTBEKANNT

Alter jüdischer Friedhof Grabstätte (c) STADTBEKANNT

Zwischen Frankl und Torberg

Von Tor 1 führt die Zeremonien Allee in den Zentralfriedhof hinein. An ihr liegen die Grabstätten von prominenten Wiener Jüdinnen und Juden. Direkt zu Beginn ruhen hier unter anderem die Autoren Arthur Schnitzler und Friedrich Torberg in unmittelbarer Nachbarschaft. Aber auch jenseits der Allee lässt sich manch Prominenz entdecken. So befindet sich am nördlichen Ende des alten jüdischen Friedhofs das Grab des prominenten Psychiaters und Neurologen Viktor Frankl, der mit der Existenzanalyse die dritte Wiener Schule der Psychotherapie begründete.

 

Antisemitische Anfeindungen

Während der 30er und 40er Jahre wurde der jüdische Friedhof mehrmals geschändet. 1938 wurde im Zuge der Reichspogromnacht die Zeremonienhalle des Friedhofs niedergebrannt. Anfang der 40er Jahre wurde das Grundstück durch die Nationalsozialisten enteignet. Der mörderische Zynismus der damaligen österreichischen Antisemiten fand seinen Ausdruck darin, dass der alte jüdische Friedhof zum einzigen „Park“ ernannt wurde, in dem Juden der „Aufenthalt“ gestattet war.

alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT

Alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT

Der Friedhof heute

Der alte jüdische Friedhof wurde in den 90er Jahren vom Verein Schalom gepflegt. Dieser beseitigte viele der Kriegsschäden und versuchte Wiens Bürger zur Mitarbeit zu motivieren. Leider war die Resonanz innerhalb der Wiener Bevölkerung sehr gering und so ist die Pflege der riesigen Grabanlage bis heute vor allem Sache der Israelitischen Kultusgemeinde Wien.
Vereinzelt finden bis heute Begräbnisse auf dem alten jüdischen Friedhof statt, aber die meisten aktuellen Grabstätten befinden sich auf dem neuen jüdischen Friedhof bei Tor 4 des Zentralfriedhofs.

Alter jüdischer Friedhof

Simmeringer Hauptstraße
1110 Wien

Der Eingang des alten jüdischen Friedhofs ist das Tor 1 an der Simmeringer Hauptstraße, erreichbar mit den Tramlinien 6 und 71.

April bis September: 7:00 – 19:00 Uhr
Oktober und März: 7:00 – 18:00 Uhr
November bis Februar: 8:00 – 17:00 Uhr

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