Wien – Leben

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Alles Bio, oder was?

8. Mai 2013 • Leben

Bio-Essen, Bienenzucht und Öko-Tapeten

Der Bio-Trend ermöglicht uns, von Bio-Lebensmitteln über Bio-Kosmetik bis hin zu klimaneutralen Einrichtungsgegenständen alles für unser gutes Gewissen zu tun. Aber ist vieles davon doch nur ein Werbeschmäh und müssen wir uns wirklich Sorgen um die lieben Bienchen machen?

Umweltbewusste Ernährung, Artenschutz und biologischer Lebensmittelanbau sind zwar seit Jahren Dauerbrenner, erlangen momentan aber besondere Aktualität. Aufgrund der heftig diskutierten EU-Saatgutverordnungen befürchten KritikerInnen ein Ende der Artenvielfalt von Gemüse und Obst. Hinzu kommt die gerade besonders große Sorge um unsere Bienchen: Bienensterben ist in aller Munde und die Politik muss sich als Retter der Majas und Willis positionieren. In Österreich stehen die Zeichen auf Pestizid-Verbot, um das Bienensterben zu verhindern. Eine erste Wien-typische Initiative in diese Richtung wurde ja bereits mit dem Bienenvolk am Dach der Oper gesetzt. So werden zwei Bienen mit einer Klappe geschlagen: Rettung der Bienen plus Kulturbezug. Nur AllergikerInnen fühlen sich Gerüchten zufolge nun kulturell etwas diskriminiert.

 

Wien ist Bio

Doch es gibt einen Gegenbewegung: Bio ist in, und das schon seit Längerem. Wir WienerInnen haben allein schon aufgrund des ambitionierten Engagements unserer Stadt einen engen Bezug zu biologischen Lebensmitteln. Denn der Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien ist mit seinen rund 1000 Hektar Bio-Anbaufläche einer der größten heimischen Bio-Betriebe. Sich biologisch zu ernähren ist in dieser Stadt also wirklich nicht sehr schwer. Jede Supermarktkette hat mittlerweile ihre eigene Bio-Produktlinie, zusätzlich werden eifrig spezielle Biomärkte aufgesucht, die in Neubau wie Bio-Schwammerln aus dem Boden sprießen. Wem das nicht reicht oder wer einfach der Ansicht ist, dass Umweltbewusstsein und Faulheit einander nicht ausschließen, der lässt sich einfach per Biokistl beliefern (liefern die eigentlich klimaneutral?). Auch hier gibt es bei uns eine große Auswahl. Für besonders faule Nachtschwärmer, die nach dem Rausch mit Industrie-Alkohol in eine tiefe Katerdepression verfallen sind, bietet sich außerdem der Bio-Lieferservice Biofrische.net an.

 

Alles nur Schmäh?

Bio ist mittlerweile so Mainstream, dass so mancheR befürchtet, dass damit auch die Standards sinken. Man kann Bio-Kosmetik kaufen, Bio-Restaurants besuchen und sogar sein Wohnzimmer mit öko-Tapeten auskleiden. Aber bei so viel „Bio“ fragt man sich, wo all die glücklichen Kühe, das pestizid- und gentechnikfreie Gemüse und die nachhaltig angebauten Obstsorten stehen sollen? Dass Bio allein als Label leider nicht ausreicht, kritisieren einige Experten. Aufgrund unklarer Richtlinien und einer mittlerweile großen Bio-Industrie mit eigenen Interessen, ist „Bio“ an sich noch kein Garant für artgerecht gehaltene Tiere oder idyllische Anbauflächen mit fairen Arbeitsbedingungen für die Angestellten.

 

Nicht aufgeben beim „bio“ Leben!

Bio ist und bleibt, auch wenn es nicht immer das hält, was es verspricht, eine gute Sache. Das Wichtigste ist wohl, dass immer mehr Menschen ein Bewusstsein für das sensible Gleichgewicht unserer Natur und die zerstörerische Rolle, die wir Menschen darin spielen, haben. Wer möglichst umweltbewusst leben will, hat glücklicherweise in Österreich ein ziemlich großes Angebot an Produkten, Lokalen und Supermärkten. Und wer trotz aller Zertifizierung skeptisch bleibt, der kann auf Balkonien einfach sein eigenes Gemüse züchten oder – für die besonders Mutigen – sich seinen eigenen Bienenstock zulegen.

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