Kultur – Musik

Badeschiff (c) STADTBEKANNT
Badeschiff (c) STADTBEKANNT

Alle Jahre wieder kommt der Sommerhit

21. Mai 2013 • Musik

Sommerhits sind das sicherste Zeichen dafür, dass die einkehrende Hitze den verbliebenen Hirnzellen der Menschen endgültig den Garaus macht. Jedes Jahr sobald die Temperaturen steigen, wetteifern etliche Songs, mit einfachen Melodien und noch einfacheren Texten, einem gut tanzbaren Rhythmus und Stilelementen wie Mambo, oder Reggae, die exotisches Urlaubsflair vermitteln sollen, um unsere Aufmerksamkeit.

Ein Song ist nahezu jedes Jahr so eingängig oder auch nur penetrant genug, um in den Hirnen der Menschen für immer, oder jedenfalls für sehr lange Zeit hängen zu bleiben. Dieser Song wird dann im Nachhinein zum Sommerhit des jeweiligen Jahres erklärt.

Oft kommen Sommerhits in Kombination mit einem möglichst dämlichen Tanz, den in diesem Jahr zu tanzen, sich fast niemand zu blöd ist, der aber spätestens im darauf folgenden Jahr verdrängt wird. Alle die ihn einst tanzten, leugnen das später, oder schieben es darauf damals eben jung und dumm gewesen zu sein.

 

STADTBEKANNT hat sich für euch einige Sommerhits der vergangenen Jahre angesehen und einer strengen, aber gerechten, Prüfung unterzogen.

Sommerhit 2012 – Sonnentanz: Wir starten unsere Wertung gleich mit einem ungewöhnlichen Sommerhit  immerhin hat Sonnentanz des österreichischen Produzenten-Duos Klangkarussell nicht einmal einen hohlen Text, den man zu einem Eimer Sangria grölen kann. Aber er findet Eingang in unser Ranking weil jeder, der im Jahr 2012 an einer Disco, Bar oder einem an der Ampel stehenden Cabrio vorbeigekommen ist, dieses Lied hören musste. Und weil es uns immerhin inhaltliche Fehlschläge erspart und dazu beigetragen hat, dass unser betrunkenes Herumgewanke auf frühmorgendlichen Tanzflächen irgendwie cooler ausgesehen hat, vergeben wir 6 von 10 Punkten.

Sommerhit 2010 – Kabinenparty: Der Mödlinger Skero, der auch Mitglied von Texta ist, hatte zumindest hierzulande den Sommerhit 2010 mit Kabinenparty. Im Gegensatz zu dem was sonst so an Sommerhits herum kreucht und fleucht, war Kabinenparty ein origineller und durchaus witziger Song. Wie jeder Sommerhit wurde er im Radio so oft rauf und runter gespielt, dass er gegen Ende des Sommers wie zäher Kaugummi schmeckte. Mit einem einjährigen Abstand kann man aber zugeben, dass Kabinenparty einer der besten Sommerhits aller Zeiten war. Wir vergeben 9 von 10 Punkten

Sommerhit 2009 – Jungle Drum: My heart is beating jungle drum rakadukududukududung so simpel und ähm doof ging der Refrain dieses Liedes. Die isländische Sängerin Emiliana Torrini zeichnete sich dafür verantwortlich. Simpler, einfältiger und sinnbefreiter war kaum ein Sommerhit. Wir vergeben 2 von 10 Punkten.

Sommerhit 2008 – All Summer Long: Kid Rock, wohl der Prototyp des amerikanischen Rednecks, dem man ungeschaut abkaufen würde, in einer Wohnwagensiedlung irgendwo in Iowa aufgewachsen zu sein, ist eigentlich aus Michigan. Obwohl es sich beim Sänger dieses Werkes, um Kid Rock handelt, der ohne Probleme den gesamten Charme, Esprit und die Weltoffenheit einer Horde Football Spieler aus Wyoming mit drei Promille beim Springbrake Urlaub in Cancun, versprühen kann, muss man doch eingestehen: Sehr eingängige Melodie und für einen Sommerhit angenehm unaufdringlich, dass auf einen dümmlichen Tanz verzichtet wurde, spricht auch für das Lied. Wir vergeben 7 von 10 Punkten und gestehen damit ein, dass bei Sommerhits die Latte die es zu überspringen gilt, nicht all zu hoch liegt.

Sommerhit 2005 – Dragostea Din Tei: Dieser Song der moldawischen Boygroup O-Zone bleibt wohl für alle Zeiten der Song den hierzulande die wenigsten verstanden haben und trotzdem begeistert mitgegrölt haben. Im Song geht es um unerfüllte Liebe und Sehnsucht (what else). Musikalisch wird Eurotrash vom feinsten geboten. Wegen des grottigen Videos, in dem unter anderem die Boy Group auf den Flügeln eines fliegenden Flugzeuges (!) tanzt, vergeben wir 6 von 10 Punkten.

Sommerhit 2003 – Ab in den Süden: Dieses „Lied“ von Buddy und DJ The Wave, ist wohl das Schlimmste, Grauenhafteste, Schrecklichste, das je produziert wurde. Eigentlich hätte man ja wissen müssen, dass man Menschen die sich Buddy und DJ The Wave nennen, nicht ernst nehmen sollte. Das Lied klingt so, als wäre es Jürgen Drews zu peinlich, damit aufzutreten. Zehntausenden Mallorca Urlauberinnen war es natürlich trotzdem nicht zu peinlich dieses Lied immer wieder zu trällern. Uns ist es hingegen peinlich. Wir vergeben 0 von 10 Punkten und würden im Zweifelsfall lieber auf Sommer, Sonnen, Sonnenschein verzichten, als dieses Lied noch einmal zu hören.

Sommerhit 2000 – Boom, boom: Die Vengaboys haben dieses überaus intelligente Lied performt. Wie bei allem was in den 90ern und frühen 2000ern richtig furchtbar war, ist das Lied längst für 90er Trash Partys rehabilitiert worden. Einmal mehr zeigt sich, dass nur ausreichend Zeit vergehen muss, um aus Sch$$$$ Gold zu machen. Das absolut sinnfreie Video, der Eurotrash Sound und die brillante Textzeile „Let´s spend the night together from now on till forever“, von der Wolf Martin wohl noch heute träumt, dass er sie selbst gerne geschrieben hätte, machen diesen Hit jedoch unvergesslich. Wir vergeben 6 von 10 Punkten -wegen der Nostalgie warad´s.

Sommerhit 1998 – Bailando: Ein echtes Verbrechen an der Menschlichkeit hat sich Loona im Trauma-Jahr 1998 geleistet. Bailando hat uns damals und heute den letzten Nerv geraubt und wird es noch viele kommende Jahre tun. Immerhin ist diese Horrorshow einer der Klassiker unter den Sommerhits. Zwar wussten viele der eifrig Mitjohlenden nie, welche Sprache uns hier im schönen 90er-Trash-Style quält, den affigen Tanz konnten aber dennoch (zu) viele. Erschreckend: Noch heute bringt dieses musikalische Folterwerkzeug so manche Ü-30-Party zum kochen. Dafür vergeben wir entsetzte 3 von 10 Punkten.

Sommerhit 1996 – Macharena: Los Del Rio hieß das One Hit Wonder, das die Mutter aller Sommerhits erfunden hat. Der Song, der sich alleine in den USA 4,5 Millionen Mal verkaufte, wird bis heute in Altersheimen weltweit gesungen und getanzt. Alles was an Sommerhits schrecklich ist, vereint dieses Lied. Sinnloser Text, ein bescheuerter Tanz und unanständig eingängige Rhythmen. Ob das Lied trotzdem, oder gerade deshalb zum Kanon der Popmusik gehört, wollen und können wir nicht beurteilen. Wir enthalten uns deshalb einer Wertung.

Sommerhit 1987 – La Isla Bonita: Madonna beweist mit diesem Lied ihr ganzes Genie. Eingängige Rhythmen, Exotik und ein leichter aber unaufdringlicher Text. Kein Wunder, dass das Lied bis heute von Radiostationen weltweit gespielt wird. So muss ein Sommerhit sein, um auch nach Jahrzehnten noch gespielt zu werden. Madonnas Marketinggenie, den Lady Gaga hin oder her,das bis heute niemand erreicht hat, findet in diesem Sommerhit das Meisterstück. Wir vergeben 10 von 10 Punkten für das Marketing Genie und 0 von 10 Punkten für den Song – weil seither jeder Sommerhit gleich klingt.

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