Wien – Leben

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Wort und Unwort des Jahres

9. November 2011 • Leben

Die Wahl zum Wort/Unwort des Jahres läuft: Die Kriterien für eine Nominierung sind, dass das Wort im laufenden Jahr 2011 im öffentlichen Leben des Landes wichtig war, von besonderer Bedeutung ist – der Unterschied zwischen diesen beiden Kategorien ist unserer Meinung nach etwas schwammig – häufig verwendet wurde und besondere sprachliche Qualität hat.

Die Abstimmung, der wir bislang sprachliche Genüsse wie ‚Analogkäse‘, ‚Audimaxismus‘, ‚Gewinnwarnung‘, ‚humane Abschiebung‘ und ‚Lebensmensch‘ zu verdanken haben, war letztes Jahr mit ‚fremdschämen‘ eher schwach aufgestellt, immerhin ein Begriff, der seit weitaus längerem verwendet wird.  ‚Es gilt die Unschuldsvermutung‘, letztjähriger Unspruch ist zwar nach wie vor aktuell, aber nicht mehr so lustig. Das Inlandsdefizit interessierte schon letztes Jahr nur wenige, heuer aber dezidiert niemanden mehr; der Spruch des Jahres ‚Ich werde auf die Einhaltung des Defizits achten‘ ist damit endgültig ein alter Hut. Nach einem schwachen Jahr 2010 hoffen wir für heuer auf bessere Ergebnisse.

Die offizielle Wahl

Dieses Jahr haben es ’situationselastisch‘, ‚konkreter Russe‘, ’supernackt‘ und ‚Inseratenkanzler‘ in die einstweilige Kandidatenliste geschafft. Wir schlagen zusätzlich ‚Kanzler 2.0‘und ‚Pleite-Griechen‚ vor. Dem Jugendwort ’swag‚ haben wir nichts mehr hinzuzufügen, ‚chillexen‚ ist hingegen erstens alt und zweitens falsch geschrieben, aber immer noch besser als ‚Kabinenparty‚ aus dem letzten Jahr.

Während bei Wort sowie Unwort großteils das Publikum entscheidet, werden Spruch und Unspruch des Jahres von einer fachkundigen Jury aus Sprachwissenschaftlern und dem APA-Chefredakteur-Stellvertreter ausgewählt. Vor zwei Jahren haben es ‚Reiche Eltern für alle!‚ und ‚Wer alt genug zum Stehlen ist, ist alt genug zum Sterben!‘ im Rennen um den Titel geschafft. Während bei letzterem die menschenverachtende Grundhaltung den Ausschlag gab, wurde ersterer im Zusammenhang mit der Bildungsdiskussion und der fehlenden Aufwärtsmobilität im sozialen System für seine Absurdität ausgezeichnet. Man sieht, die Latte wird bei den Sprüchen etwas höher angesetzt, deswegen darf wohl auch nicht das Publikum entscheiden.

Die Stadtbekannt-Wahl

Aus gegebenem Anlass haben wir auch redaktionsintern nach den sprachlich erinnerungswürdigsten und bedeutungsvollsten Ergüssen gesucht. Auf unsere Liste haben es ‚Wochenenddienst‘, ‚Mittagstipp‘, ‚Lektorat‚ und ‚Fehler 500′ geschafft, allesamt Unwörter, der klare Favorit ist situationselastisch jeweils ein anderer. Unser Spruch des Jahres ist: ‚Der Artikel ist schon korrekturgelesen.

Das Ergebnis der echten Wahl wird am 7. Dezember bekanntgegeben, mitmachen könnt ihr hier.

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