Kultur

Jan Švankmajer, Still aus/from: The Flat, 1968 © Jan Švankmajer

Willkommen im Kabinett des Jan Švankmajer

1. Oktober 2011 • Kultur3 Kommentare zu Willkommen im Kabinett des Jan Švankmajer

Betritt man neuerdings die Kunsthalle Wien, taucht man in eine fantastisch-surreale Welt ein. Eine Reise in die Tiefen der Seele, in der uns der tschechische Künstler Jan Švankmajer mit unseren ureigensten Ängsten konfrontiert.

So liegt der Fokus der Ausstellung „Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten“ auf den filmischen Arbeiten des Künstlers, die im Hauptraum effektvoll in Szene gesetzt sind. Seit den 60er Jahren beschäftigt sich Švankmajer in seinen Filmen mit der dunklen Existenz des Lebens, dem Unheimlichen und den unbekannten Wegen der Psyche.

In seiner Arbeit „Down to the Cellar“ (1983) beispielsweise, wird ein kleines Mädchen in den Keller geschickt, um Kohle zu holen. Der Gang dorthin wird zur frühkindlichen Mutprobe, denn es erwarten sie seltsame Figuren und Monster, beängstigend und verlockend zugleich. Ein Ort, in dem die Logik der Erwachsenen außer Kraft gesetzt ist, als Sinnbild der ureigensten Ängste des Menschen.

Traum oder Alptraum

In einer wahren Tour de Force konfrontiert Švankmajer den Zuschauer mit traumartigen Horrorvisionen, die zwischen Leid, Bedrohung, Ironie und Humor oszillieren, und aus denen es oft kein Entkommen gibt. Wichtige Referenzen sind dabei literarische Vorlagen, insbesondere des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe, der mit seinen symbolistischen Geschichten wesentlich das Horrorgenre prägte. Švankmajers Filme wurden lange vom tschechischen Regime mit einem Aufführungsverbot belegt. Nicht alle weisen eine Bezug zur damaligen politischen Situation auf, anders als sein erster durch und durch surrealer Film „The Garden“ (1968), der als Parabel für die systemische Unterdrückung in totalitären Systemen steht.

Phantastische Kunst- und Wunderkammer

Einen kleineren Teil der Ausstellung, im Obergeschoß der Kunsthalle, nimmt die fiktive Enzyklopädie „Natural History“ ein. In Anlehnung an Enzyklopädien wie dem Brockhaus, schuf Švankmajer skurrile Wesen, die eine scheinbar neue Naturwissenschaft ausrufen. Die seltsamen Monster und Mischwesen sind dabei nicht nur auf Graphiken abgebildet, sondern auch als Objekte ausgestellt. In ihrer merkwürdigen Eigenartigkeit erinnern sie an die Kunst- und Wunderkammern des Mittelalters, die die Menschen schon damals faszinierten.

Cineastische Legende

In seiner Düsternis und den beinahe kafkaesken Bezügen gilt Švankmajer als wichtige Referenz für international bekannte Filmemacher wie Tim Burton, Terry Gilliam oder Darren Aronofsky und ist unter Cineasten eine Legende. Dass er hierzulande bis dato viel zu wenig Beachtung fand, ändert sich mit dieser Ausstellung vielleicht. (Barbara Pflanzner)

Jan Švankmajer
Das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten
Kunsthalle Wien
7.9. – 2.10.2011 (Halle 1)

Öffnungszeiten:
täglich 10:00 – 19:00 Uhr
Do 10:00 – 21:00 Uhr
Eintritt: € 10,50 / ermäßigt* € 8,50; Studierende € 5,-

, , , , , , ,

kunsthalle wien



Weitere Artikel

3 Antworten auf Willkommen im Kabinett des Jan Švankmajer – Verstecken

  1. Samantha sagt:

    Bin schon sehr gespannt
    Die Ausstellung muss ich mir einfch ansehen.

  2. datsh sagt:

    Fehler 😉
    In Down to the cellar wird das Mädchen in den Keller geschickt um Kartoffeln zu holen. 😉

    Ansonstens ist die Ausstellung extrem interessant und für jeden Filminteressenten ein Muss.

  3. barbara pflanzner sagt:

    @datsh
    Danke für das Korrigieren! Natürlich hast du recht: das Mädchen holt Kartoffeln, die Alte Frau bäckt Kohlebrot 🙂

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »