Kultur

Gewista Plakat Karlsplatz © Otto Mittmannsgruber

Wiens Gewista Plakate werden rot

15. Juli 2011 • Kultur

Falls ihr in letzter Zeit rote Gewista Plakate im Stadtraum entdeckt habt, handelt es sich nicht um eine visuelle Halluzination, sondern um die Kunstaktion von Otto Mittmannsgruber. Der Medienkünstler hat bei seiner Aktion „PAINT THE TOWN RED“ in den letzten zwei Wochen 500 Gewista Plakate rot übermalt – ohne hohe Strafzahlungen, da er seine Aktion mit Gewista und vier ihrer Kunden abgesprochen hat.

Das Konzept von – Paint the Town Red

Der öffentliche Raum in unseren Städten ist seit langer Zeit von einer Schicht aus Zeichen- und Symbolsystemen überdeckt, diese werden bei Kunstaktionen wie bei „PAINT THE TOWN RED“ mit Farbe überblendet, dadurch entsteht eine klaffende Lücke in der urbanen Werbelandschaft.  Der Hintergrund der Plakataktion ist, wie soll es anders sein, eine augenzwinkernde Kritik an der Konsumgesellschaft, wobei Gewista die Kampagne selbst auf ihrer Homepage bewirbt. Wo normalerweise ein Produkt beworben wird, sieht der Betrachter nun im wahrsten Sinne des Wortes rot.

Aber damit nicht genug: wurden die 500 Plakatwände zuerst vom Künstler rot plakatiert, werden nun dieselben Sujets mit einer Figur in Latzhose plakatiert, die mit einem Schwamm die Plakate stellenweise freilegt. So kann man einen Blick auf das ursprüngliche Werbeplakat erhaschen, wobei eben nur Ausschnitte sichtbar werden.

Kurzer Rückblick

Vorangegangene Arbeiten von Otto Mittmannsgruber beschäftigten sich mit Xenophobie und der kritischen Betachtung der österreichischen Geschichte. Wie in dem Projekt „13 Tote Österreicher", das anlässlich des 1.000 Jährigen Jubiläums Österreichs, die großen Kulturheroen unseres Landes, als polizeiliche Fahndungsbilder ans Plakat schlagen ließ.  Er kuratierte aber auch Großplakatprojekte wie "Fremd", bei dem sechs internationale KünstlerInnen auf Plakaten das Thema Xenophobie und Ausgrenzung bearbeiteten.

Kunst und Werbung bewegt

Medienkritische Kunst im öffentlichen Raum hat in Wien eine längere Tradition. Wir lassen ein paar Kunstaktionen der letzten Jahre, die mit den Medium der Werbung arbeiten oder deren Mechanismen hinterfragen, Revue passieren:

Delete

Schon 2005 wurden bei der Kunstaktion "Delete" in der Neubaugasse Werbeaufschriften, Reklameschilder, Firmennamen und Logos überklebt. So erstrahlte die Neubaugasse für zwei Wochen im gelben Kleid. Man wollte mit der Aktion deutlich machen, wie sehr unsere Städte von Schriftzügen und symbolischen Leitsystemen geprägt sind, deshalb wurde die Einkaufsstraße kurzerhand „entschriftet“.

Vorsicht Ausländer!

Die Plakatserie „Vorsicht Ausländer!“, die im Dezember 2010 im öffentlichen Raum zu sehen war, stammt vom Wiener Grafiker Patricio Handl, welcher mit seinen „Patografien“ Stellung zum öffentlichen Ausländerdiskurs nahm und immer wieder zweideutige Botschaften plakatierte. Seit Mai werden wieder Patografien im Stadtraum plakatiert, diesmal beschäftigt sich Handel mit Schriftzügen wie „deutsche Sprache, schwere Sprache“ und spielt mit Alltagsrassismen.

Stadtbekannt meint

Was für die Gewista eine gelungene Imagekampane, ist dem Künstler eine Auseinandersetzung mit unserer Medien- und Konsumgesellschaft und der Wirkungskraft von Werbung. Unabhängige Kunst hat, wie sich bei dieser Aktion zeigt, einen schweren Stand, denn ohne den good will von Medienpartnern und der Wirtschaft ist ein solches Projekt schwer realisierbar. Wenn man etwa wie der Wiener Zettelpoet Helmut Seetaler wild plakatiert, hat man aber auch in Wien mit unangenehmen Folgen zu rechnen.

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