Wien – Gut zu wissen

(c) Mautner stadtbekannt
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Wiener Schriftsteller

10. Juli 2013 • Gut zu wissen

Woran erkennt man die Bedeutung eines Wiener Schriftstellers?

Wer nie einen Stammplatz in einem Stammcafé hatte, kann kein bedeutender Wiener Literat gewesen sein. Friedrich Torberg schrieb 1958 seinem liebsten Kellner im Café Herrenhof, Franz Hnatek, ein „Requiem für einen Oberkellner“. Felix Salten (mit „Bambi“ und „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt“ Schöpfer zweier konträrer Werke der Weltliteratur) fand im Café Griensteidl Kontakt zu Karl Kraus und damit Eingang in die Wiener Gesellschaft. Thomas Bernhard, der legendäre Stammgast des Café Bräunerhof, sagte: „Wie andere in den Park oder in den Wald, lief ich immer ins Kaffeehaus.“ Wiens vielleicht berühmtester Kaffeehausliterat Peter Altenberg sagte: „Du hast Sorgen, sei es diese oder jene – ins Kaffeehaus! Du hasst und verachtest die Menschen und kannst sie dennoch nicht missen – Kaffeehaus! Man kreditiert dir nichts mehr – Kaffeehaus!“ Schriftsteller Alfred Polgar sagte in seiner „Theorie des Café Central“: „Das Café Central ist nämlich kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung.“ Er sagte auch: „Kaffeehaus ist ein Ort für Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“

Und tatsächlich war besonders im Biedermeier, der Epoche des Zuhauseseins, der Gang ins Kaffeehaus das Tor zur Welt. Man war unter Leuten, in einer vertrauten, begrenzten Umgebung. Was gibt es Schöneres. Wo doch laut Sven Siedenberg von der Süddeutschen Zeitung „Wien um lauter Kaffeehäuser gebaut ist.“

Zu dieser Zeit war das Kaffeehaus längst schön geworden – mit Spiegeln, gutem Geschirr und funkelnden Lustern ausgestattet. Es war erwachsen geworden: Das erste Kaffeehaus in Wien hat entweder Georg Franz Kolschitzky nach der Türkenbelagerung 1683 mit den erbeuteten Kaffeesäcken eröffnet („Zur blauen Flasche“, in der heutigen Domgasse) oder 1685 der zugewanderte Johannes Deodat am Haarmarkt (heute Rotenturmstraße 14). Hundert Jahre später gab es in Wien 64 Kaffeehäuser. Sie alle waren düster, spelunkenhaft und ohne Komfort. Als erstes Prunkcafé gilt jenes von Johann Evangelist Milani um 1770 am Kohlmarkt. 1808 öffnete das „Silberne Kaffeehaus“ des legendären Cafetiers Ignaz Neuner in der Spiegelgasse im 1. Bezirk. Der Name war hier Programm, sogar der Kaffee wurde in silbernen Tassen gereicht. Hier waren Dichter wie Franz Grillparzer und Ferdinand Raimund und der Komponist Ludwig van Beethoven Stammgäste.

Im Biedermeier entstanden auch die sonntäglich aufgesuchten Garten- oder Sommercafés am Rande des alten Wiens. Bald darauf (spätestens um 1860) waren auch Frauen häufige Kaffeehausgäste.

Das Glas Wasser, das man in jedem guten Café ungefragt zu seinem Kaffee bekommt, hat übrigens zwei Gründe: Um den Kaffee zu strecken, wenn er zu stark ist. Vor allem aber, weil damit signalisiert wird: „Verweile, so lange du es dir erlaubst. Du musst nichts bestellen, lasse los! Sitze stundenlang bei einem kleinen Mokka.“ Das ist auch eine Weltanschauung.


„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag. 

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