Wien – Gut zu wissen

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Wiener Geheimgänge

29. Mai 2013 • Gut zu wissen

Warum sind die Wiener Geheimgänge nach wie vor stark frequentiert? 

Das Goldene Wiener Herz ist wie einer der versteckten Innenhöfe, einer der Geheimgänge in Wien. Es gibt sie, wie es das Goldene Wiener Herz gibt. Aber es ist nicht einfach, ihm bei all dem äußeren Grant und Schmäh, den sich der Wiener als Sichtschutz zugelegt hat, auf den Grund zu gehen.

Die Wiener Durchhäuser sind architektonische Spezialitäten, in denen der Wiener immer schon Zeit für einen Tratsch, einen Plausch fand. Und so ist auch der grantige Ausspruch „Das ist ja kein Durchhaus“, wenn man sich über die Lautstärke ärgert, auch nur ein Sichtschutz. Weil, es darf dem Wiener nicht gleich jeder ins Herz schauen. Folgende Durchhäuser laden trotzdem zum Besuchen und Verweilen. Weil man hier schöne Fassaden, blühende Innengärten oder versteckte Galerien und Cafés entdeckt – vor allem aber Wiener Geschichte riechen und manchmal mit einem echten Wiener in ein unverhofftes Gespräch kommen kann. Oder ob der Abkürzung zumindest ein bisserl Zeit spart.

Innenhof Kohlmarkt, 1. Bezirk, Kohlmarkt 11 – In diesem Eckhaus verbergen sich barocke Wagenschuppen und eine typische Pawlatschenkonstruktion (Pawlatschen waren ursprünglich Laubengänge in Innenhöfen). Ab 1749 lebte Joseph Haydn hier in einer Dachkammer.

Michaeler Durchgang, 1. Bezirk, Michaelerplatz 6/Habsburgergasse 14 – Abkürzung und kurzes Entkommen aus dem Touristenstrom – garniert mit einigen kleinen, liebevollen Geschäften.

Nestroy Geburtshaus, 1. Bezirk, Bräunerstraße 3 – In diesem eleganten, aber doch klassischen Haus mit Pawlatschenhof, offenen Gängen, schmiedeeisernen Gittern und Wandbrunnen wurde Johann Nestroy geboren.

Generalihof, 1. Bezirk, Bräunerstraße 1/Graben 13 – In diesem 1894 durch die Assicurazioni Generali erbauten Durchhaus sind einige Traditionsgeschäfte ansässig.

Zwettlhof, 1. Bezirk, Stephansplatz 6/Wollzeile 4 – Ein besonderer Innenstadt-Abkürzer mit einigen Geschäftslokalen, der auf der Wollzeile gleich in einen weiteren Durchgang führt:

Schmeckender-Wurm-Hof, 1. Bezirk, Wollzeile 5/Bäckerstraße 6 – Für viele der schönste, mit Sicherheit aber der sagenumwobenste Wiener Durchgang: Die Geschichte besagt, dass in einem der Hauskeller ein riesiger Wurm lebte, der grauenhaft roch (wozu man früher auch „schmecken“ sagte).

Heiligenkreuzerhof, 1. Bezirk, Grashofgasse 3/Schönlaterngasse 5 – Dieser relativ unbekannte Durchgang führt durch die ältesten Zinshäuser Wiens.

Innenhof, 1. Bezirk, Bäckerstraße 7 – Die Bäckerstraße ist so etwas wie das geheime Pawlatschen- und Arkadenhofviertel. Den Hof dieses Hauses zieren Balkone mit Schmiedeeisenarbeiten und Arkadenbögen, unter denen früher die Pferde standen.

Fähnrichhof, 1. Bezirk, Blutgasse 5/Singerstraße 9 – Das Blutgassen-Viertel zwischen Singerstraße, Blut-, Grünanger- und Domgasse gehört zu den ältesten Grätzln Wiens. Das Haus auf Blutgasse 3 verfügt neben einem romantischen Pawlatschenhof auch über einen schmalen Treppenabgang zum Fähnrichhof. Hier hatte der Sage nach der Tempelritter-Orden sein Hauptquartier, außerdem erreicht man über verschachtelte Innenhöfe und Treppen Nebengebäude und -gassen.

Deutschordenshaus, 1. Bezirk, Singerstraße 7/Stephansplatz 4 – In diesem Durchgangs-Haus mit zwei Innenhöfen lebte kurze Zeit Wolfgang Amadeus Mozart und später auch Johannes Brahms.

Sünnhof, 3. Bezirk, Landstraßer Hauptstraße 28/Ungargasse 13 – Der gassenähnliche Durchgang entstand durch Zubauten in diesem typischen Biedermeierkomplex. Heute ist die Passage durch ein Hotel und einige kleine Geschäfte und Cafés sehr belebt.

Schlossquadrat und Margaretenhof, 5. Bezirk, Margaretenplatz 2–3 und 4 – Der historische Kern des 5. Bezirks rund um den Margaretenplatz geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Das Schlossquadrat, ein klassischer Pawlatschenhof, war Schlossgarten, Maulbeerbaumschule und Gastronomiestätte. Auch heute finden sich dort noch einige Restaurants. Der gegenüberliegende Margaretenhof ist ein Wohnhof-Juwel, die kleine Allee zwischen den Schmiedeeisentoren erinnert an London und Paris.

Raimundhof, 6. Bezirk, Mariahilfer Straße 45/Windmühlgasse 20 – Hier wurde 1790 Volksdichter Ferdinand Raimund geboren. Der Durchgang besteht aus mehreren Stiegenhäusern und Höfen und ist sehr belebt.

Amerlinghaus am Spittelberg, 7. Bezirk, Stiftgasse 8/Schrankgasse 1 – Dieser Innenhof ist eine der Ruheoasen des Spittelbergs. Das Amerlinghaus stammt aus der Zeit um 1700 und beherbergt einen zweihundert Jahre alten Weinstock.

Adlerhof, 7. Bezirk, Siebensterngasse 46/Burggasse 51 – Schöne Abkürzung zwischen Siebenstern- und Burggasse.

Durchhaus Neustiftgasse, 7. Bezirk, Lerchenfelderstraße 13/Neustiftgasse 16 – Einer der idyllischsten Abkürzer der Stadt, laut Schild bezeichnet als „Freiwilliger Durchgang“. Einige Höfe und Treppen beherbergen Lokale und Geschäfte.

Innenhof, 8. Bezirk, Lange Gasse 34 – Typischer Pawlatschenhof im Haus „Zur heiligen Dreifaltigkeit“, nur über das Restaurant und das Bäckermuseum zu erreichen.


„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag.  

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