Kultur

Petra Unger

Wiener Frauenspazierengänge

19. Mai 2013 • Kultur4 Kommentare zu Wiener Frauenspazierengänge

Wer durch Wiens Altstadt spaziert, findet an jeder Ecke ein Stück Stadtgeschichte. Lange Zeit wurde jedoch der Geschichte der Frauen und der Stadt kaum Bedeutung beigemessen und blieb damit im Verborgenen. Die Autorin Petra Unger spürt mit ihrem Buch diese großen Lücken der Geschichtsschreibung auf. In ihrem Buch Wiener Frauenspaziergänge – Wo sich Frauen in Wien am besten finden arbeitet sie in vielen kurzweiligen Portraits über stadtbekannte Wienerinnen, die Geschichte der Frauen in er Stadt, in der Zeit des 19. bis 20. Jahrhunderts auf.

Sie portraitiert nicht nur prominente Persönlichkeiten, sondern schreibt auch über die Rolle jener Frauen, die bislang im Schatten der Geschichte blieben. So beschreibt sie den beschwerlichen Alltag der Wiener Marktfrauen, der so genannten „Grabennymphen und Bierhäuslmenscher“ also den Prostituierten, der Frauenbewegung und ihrem Kampf um das Wahlrecht und reflektiert über die Geschichte der Trümmerfrauen in der Nachkriegszeit.
In vieler der 56 kurzen Beiträge arbeitet sie die Bedeutung der Frauen in Politik, Kultur, Wissenschaft und Bildung auf.

Sie nimmt uns mit und zeigt uns eine andere Seite Stadt und lädt uns ein unseren Blick zu schärfen. Was nämlich oft unterschätzt wird ist die Rolle der Frauen in der Zeit des 19. bis 20. Jahrhunderts für Wien.

So wurde die Wiener Salonkultur maßgeblich von Persönlichkeiten wie Berta Zuckerkandl-Szeps geprägt, die wie die Autorin beschreibt, in ihrem Salon Größen wie Gustav Klimt und Auguste Rodin einander vorgestellt hat. Zuckerkandl setzte sich auch für die Gründung der Wiener Secession ein und war als Journalistin für die Wiener Allgemeine Zeitung tätig. In ihrem Salon wurde auch das erste Mal das Stück Jedermann gelesen und die Gründung der Salzburger Festspiele angebahnt.

Die Autorin erzählt auch über Eugenie Schwarzwald, welche als erste Frau in Wien eine Schule für Mädchen eröffnete, an welcher sie maturieren konnten. Sie ist eine der wichtigsten Reformpädagoginnen, welche mit ihren Ideen auch Otto Glöckel und Maria Montessori beeinflusste. Für sie war es wichtig, dass die Schule ein Ort ist an dem die Talente der Kinder gefördert werden und sie sich dort frei entfalten können. Sie war eine Gegnerin gesellschaftlicher und Korsetts und von veralteten Kleidervorschriften.

Die Erzählungen sind aber nicht nur in Zeit der Wiener Moderne verhaftet, sondern es wird auch die jüngere Geschichte aufgearbeitet. So schreibt sie über die Entwicklungen rund um die Entstehung des Frauenministeriums und den Kampf der Frauen für ihr Recht auf Selbstbestimmung mit Parolen wie „mein Bauch gehört mir“. Oder über die Bildhauerin Ulrike Truger, die im Jahr 2000 zuerst ohne Genehmigung ihre Skulptur "die Wächterin" vor dem Burgtheater als Sinnbild für die Wahrung der Menschenwürde positionierte. Sie macht sich auf auf die Spurensuche nach der lesbischen Geschichte, die sich in die Stadt eingeschrieben hat. An dieser Stelle wird sowohl die Verfolgung von gleichgeschlechtlicher Liebe, als auch die Anfangszeit der „Rosa Lila Villa“ in der die Aktivistinnen das Haus für sich in Beschlag nahmen.

Das Buch Wiener Frauenspazierengänge – Wo sich Frauen in Wien am besten finden ist im Metro Verlag erschienen.

Auf Entdeckungsreise durch die Stadt mit Petra Unger

Wer auf den Geschmack gekommen ist der kann sich mit Petra Unger persönlich auf Entdeckungsreise durch die Stadt der Frauen begeben. Die Autorin ist nämlich auch als Fremdenführerin tätig und führt durch all jene die die Stadt neu für sich entdecken wollen, sowohl durch den 1. Bezirk, als auch durch die Innergürtelbezirke. Für mich hat sich damals eine neue Perspektive auf die Stadt eröffnet, da man oft ohne es zu merken an wichtigen Plätzen vorübergeht die berühmte Frauen geprägt haben. Wie zum Beispiel der Salon von Berta Zuckerkandl-Szeps, welcher sich gleich hinter dem Café Landmann befindet. Oder wie die Skulptur „die Wächterin“ der Bildhauerin Ulrike Truger, welche sie vor dem Burgtheater errichtet hat. Es gibt viele Orte in der Stadt in denen ein Stück Stadtgeschichte steckt welches von Frauen geschrieben wurde.

Weitere Artikel

4 Antworten auf Wiener Frauenspazierengänge – Verstecken

  1. Leni sagt:

    Entdeckungsreise
    Das klingt echt interessant!

  2. Camilla sagt:

    Buchtipp
    Ich kenn das Buch und ich kann es auch nur empfehlen!

  3. karl sagt:

    Frauenspazierengänge
    Was es nicht alles gibt! Ein Wahnsinn!

  4. hermi sagt:

    Danke
    …für die Rezension und den Tipp! Klingt toll!

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »