Wien – Leben

wurst

Wien muss Wurststadt bleiben.

5. April 2012 • Leben

Österreich hat wieder Beef mit Slowenien, aber nein! – einmal nicht wegen den Ortstafeln. Slowenien will die Bezeichung Krainer-Wurst als geschützte Herkunftsbezeichnung eintragen, ein dementsprechender Antrag liegt bei der EU-Kommission vor. Das könnte allerdings jetzt das Ende der Bezeichnungen Krainer-Wurst und Käsekrainer bedeuten. Das ist Wien nicht mehr wurst – der Name muss bleiben, sonst drohen Absatzverluste.

Die Kranjska Klobasa, wie sie jenseits der Karawanken genannt wird, soll nach der Stadt Kranj benannt sein, wahlweise auch nach einem ganzen Landstrich mit demselben Namen. Die Beweislage ist dicht, Krainer ist aber nicht gleich Krainer. Die köstliche Variante des Käsekrainers ist eine österreichische Erfindung. Sollte die Unterschutzstellung durchgehen, sucht die Wurst nach einem neuen Namen. Wien zittert ähnlich dem klebrig-dicklichen inner-würstlichen Käse beim Gedanken daran.

Den Krainer, den kriegt keiner!

Veränderung ist der Feind des wienerischen savoir-vivre. Wenn Traditionsessen politisch wird, ist zusätzlich eine kritische Grenze erreicht: seit die USA etwa ihre Pommes nur noch mit Freedom Fries ansprechen, sind die franko-amerikanischen Beziehungen einfach nicht mehr dieselben. Unter den Wiener Würstlstand-BetreiberInnen findet sich einstweilen noch keine beleidigte Leberwurst; das Namenstheater ist ihnen – richtig – wurst.

Wie gut, dass in Wien ohnehin niemand Käsekrainer zur Wurst sagt. Eitrige klingt zwar nicht so schön, hat aber was ehrliches und bodenständiges und ist eine längst etablierte alternative Bezeichnung. Wem das nicht behagt, sei unbesorgt: in gewohnter österreichischer Xenophobie und Unsensibilität dürfte sich in kürzester Zeit ein besonders rassistischer und unangebrachter Namen finden lassen. Chines‘ im Indianermantl zum Beispiel, ähnlich den rassistischen Aida-Törtchen und der Näger-Schokolade. Zu guter Letzt bliebe immer noch die Option, die Wurst neu zu branden, denn ist der Krainer erst mal weg, ist Platz für etwas Neues: Raiffeisenwurst! Bei mehreren Millionen verspeisten Würsten ist die unbeschreibliche Mischung von Käse und Wurst die optimale Werbefläche.

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