Kultur – Musik

Billy Joel

Wien in Songs: „Vienna“ von Billy Joel

12. Jänner 2014 • Musik

In seiner kleinbürgerlichen Großmannssucht, dachte ich mir, als ich so dasaß, im Ohrensessel und den Auersbergerischen bei ihrem Künstlerfest zuschaute, wie sie Billy Joels „Vienna“ aufspielten, freut sich der Einheimische immer sehr, wenn der Name seiner Stadt genannt wird, noch dazu wenn’s von Amerikanern kommt, dann jubelt der Einheimische immer auf, dachte ich mir als ich so da saß im Ohrensessel und den Auersbergerischen zusah wie sie „Vienna“ von Billy Joel mitsangen. Da wird auch auf Festivals in Wiesen gejubelt wenn der alte Cohen von der Stadt, wo der Tod zuhause ist, singt, dachte ich mir, als ich so dasaß, im Ohrensessel.
 
So, und jetzt lassen wir Thomas Bernhard wieder in Ruhe (der geneigte Leser wird unschwer erkennen können, welches seiner Bücher für den zweiten Teil unsere „Wien in Songs“ Reihe herhalten musste) – und widmen uns also, nach Leonard Cohens morbider Viennascape, der Wien-Huldigung von Billy Joel, die ein ganz konträres, dem eingesessenen Wiener vielleicht sogar ein befremdendes Bild zeichnet:

Wien als ewige Stadt.

 
Wien als quasi Eutopia, als die Stadt, wo man irgendwann mal hingeht, runterkommt von den eigenen Problemen, Monstern und Dämonen und zur Vernunft kommt. Und für immer bleibt. Böse Zungen, vor allem Wiener Aborigines, könnten jetzt behaupten, man darf nie in Wien gelebt haben um diesen Gedanken zu haben. Wie auch immer: Billy Joel hat Wien einen ganzen Song gewidmet, der, abgesehen vom Album zwar nur als B-Seite erschienen ist, aber nach wie vor als eines von Joels Lieblingsstücken durchgeht.
 
Ein wenig belehrend nimmt er die zweite Person in die Mangel, der Piano Man. Das „crazy child“, die restless youth, immer auf der Suche nach irgendetwas, nie zufrieden, stets „on fire“:

Slow down, you’re doing fine
You can’t be everything you want to be

Before your time
Although it’s so romantic on the borderline tonight

Und wo kommt hier Wien ins Spiel? Quasi als Ort der Erlösung von diesen jugendlichen Ungereimtheiten, vom ewigen Rennen, von Hirngespinsten und Selbstquälerei. Wien als „my backpages“, vielleicht. Träum ruhig weiter, sagt der Piano Man, aber sei dir bewusst, dass nicht alle wahr werden – aber Wien wartet auf dich.
 

At the crossroads
 
Joel selbst hat ausführlich erzählt warum er Wien als Metapher fürs zur Vernunft kommen, fürs Alt werden und fürs „wo bleiben“ gewählt hat. Wien, sagt der Piano Man, ist sowas wie „the crossroads“: zwischen osmanischem und römischen Reich, zwischen verschiedenen Kulturen, zwischen West und Ost. Ein Ort des kulturellen Austauschs, eine Schnittstelle (HC Strache wäre überrascht, dass diese Interkulturalität für die meisten Menschen etwas Erstrebenswertes, Erhaltenswertes und Schönes ist. End of sidethought.). Außerdem ist Joels Vater nach Wien gezogen – einige schöne Anekdoten führten also zu Vienna.


Fazit

Wien als Metapher, als schöner Gedanke vom Hingehen und Dortbleiben. Wenn man aber schon dort ist und noch immer das wild child ist: was ist dann des Wieners Utopia?

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