Kultur – Musik

(c) Angela Dorrer
(c) Angela Dorrer

Wien in Songs: „Vienna at my Feet“ von Laura & The Comrats

15. Juli 2013 • Musik

Das heutige „Wien in Songs“ wird vermutlich etwas persönlicher werden, da ich die Künstlerin, deren Wien-Lied sich stadtbekannt heute widmet, nicht nur wirklich gut und hörenswert finde, sondern auch noch seit langem mit ihr befreundet bin. Somit habe ich zu diesem Song, Vienna At My Feet, natürlich eine etwas andere Beziehung als zu den bisher beschriebenen Liedern, weil ich die Nummer recht bald nach dem Enstehungsprozess (vielleicht auch schon, als er noch nicht fertig war, ehrlich gesagt weiß ich das so genau nicht mehr) gehört habe, in seiner ursprünglichen Form mit Akustikgitarre und Gesang. Und als ich ihn dann Jahre später auf dem Album gehört habe, fand ich ihn richtig toll.

Sich zuhause fühlen

Vor ein paar Jahren, als das Lied geschrieben wurde, da hatte Laura eine Wohnung in Ottakring, wo man wunderbar am Dach sitzen, feiern und musizieren konnte – deshalb ist meine erste Assoziation, wenn ich das Album höre und die tragende Mandoline über der Akustikgitarre einsetzt, auch immer ein Abend, an dem Leute aus verschiedenen Bands und deren Umfeld mit Akustikgitarren am Dach Dylan und was weiß ich gesungen, Bier getrunken und konsequenterweise auch eine Menge gelacht haben. Sentimental, na eh klar – und genau deswegen funktioniert „Vienna At My Feet“ auch so gut, weil’s eben auf genau jene Stimmung damals abzielt. „Vienna At My Feet“ umschifft jegliche Ironie oder große Metaphern, das Lied handelt vom "sich zuhause fühlen“ und so was bringt natürlich Sentimentalität, und das hat jetzt nichts mit rührseliger Nostalgie oder Verklärung zu tun. 

Irgendwann spät nachts auf genau diesem oder irgendeinem anderen Dach haben die umliegenden Straßen und Gassen eben wie eine schlafende Playmobil-Stadt mit ein paar beleuchteten Fenstern ausgesehen, und jemand ist oben gestanden und hat runter geschaut und fand das irgendwie gut, dass da alles völlig stillsteht und denkt sich, so oft man hier vielleicht auch weg wollte und vielleicht auch weg gegangen ist, ist man doch irgendwie verwachsen mit all dem.

tonight i feel like an old soul
as if i lived before
as if ive always been there
as if i were the rocks on which this city was built
that have seen it burned down
and rebuilt stone by stone
vienna at my feet

Die Strophe hat mir textlich immer am besten gefallen – sich zu fühlen, als wäre man ein Stein auf dem das alles gebaut, abgerissen, niedergebrannt, wieder gebaut wurde. Das erinnert mich immer an wenig an die Geschichte, die Poet und Umweltaktivist Gary Snyder einmal erzählt hat – er und Lew Welch sitzen irgendwo in der kalifornischen Sierra (genau jenem Ort, wo Lew Welch auch abtauchte und sich, so vermutet man, erschossen hat) spätnachts bei einem Lagerfeuer, und Lew fragt ihn "Gary, do you think the rocks are paying any attention to the trees?". "I don’t know Lew what you’re driving at", hat Snyder ihn verwundert gesagt. "Well, the trees are just passing through", hat Welch geantwortet. Dass Snyder das natürlich wie eine Zen-Weisheit erzählt hat (also als genau das, was es war) erzählt hat, ist wenig verwunderlich.

Ein bisschen Zen

Und irgendwie trifft’s das auch gut: "Vienna at my Feet" ist durchaus ein bisschen Zen, dieses "inter-being", wie das der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh in seinen Büchern immer nennt, so als würde man sich selbst weigern, sich vom ganzen Steinwerk und Fundament als getrennt zu sehen. Durchhalteparole wie Hommage gleichermaßen.

Mark Knopfler hat einmal gesagt, es gibt Stimmen und Songs, bei denen man sich immer gleich ein wenig zuhause fühlt, wenn man sie hört – bei ihm ist das James Taylor, bei mir ist das zum Beispiel wiederum Mark Knopfler (wenn jetzt noch James Taylor sagen würde, bei ihm wäre das ich, wäre der Kreis perfektioniert vollendet). „Vienna At My Feet“ ist für mich genau so ein Song – eben aus vielerlei Gründen: Vielleicht, weil ich mit dem Song einfach auch genau dieses verdammte Dach assoziiere, das als mentales Setting fürs Schreiben dient (ob sie den Song übers Dach auch wirklich auf dem Dach geschrieben hat, entzieht sich meiner Kenntnis), vielleicht weil die Musik und vor allem die Stimme in mir das Gefühl weckt.

Foto (c) Angela Dorrer

Markus Brandstetter

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