Kultur – Musik

Leonard Cohen - Take This Qaltz

Wien in Songs: „Take This Waltz“ von Leonard Cohen

9. Februar 2013 • Musik

„Now in Vienna there’s ten pretty women“, beginnt Leonard Cohen „Take This Waltz“, basierend auf einem Gedicht von Frederico Garcia Lorca, zu wahrscheinlich synthetischen Streichern (schließlich war das schon in einer Phase wo Leonard Cohen eine Vorliebe für synthetische, nicht immer ganz geschmackssichere Sounds entwickelte) .
Im Dreiviertel Takt, mit seiner über die Jahre immer tiefer gewordenen Stimme (man vergleiche z.b. „Songs Of Love And Hate“ mit „I’m Your Man“) tanzt der Dichter durch ein morbid gezeichnetes Wien – an Orte, wo der Tod zum Weinen hinkommt und die Vögel zum Sterben einkehren.
 
Ein Ort für morbide Dandys
Cohens Wien ist hier ein anachronistisches, trotz oder gerade wegen seiner Morbidität ein wenig euphemistisches. Nichts mit von Lippizanern gezogenen Fiakern im Mozartkostüm. Wenn schon, dann ist es ein ähnliches Setting, wie es Linklater in „Before Sunrise“ ansatzweise zeichnete oder andeutete. Zum Beispiel an der Stelle wo das weiland Generation X Traumpaar Hawke/Delpy, er mit Holzfällerhemd und Grunger-Goatie, sie mit einem 90er Jahre Kleid wo nur noch die Doc Martens gefehlt hätten, durch eine leere Seitengasse gehen und ein Cembalo hören. Nur sitzt am Cembalo wahrscheinlich der Gevatter und die Buben stehen um ihn herum und prosten sich zu, mit den Hinterhof-Heiligen und den Clochards.
 
In Bars, wo die Jungen nicht mehr reden, weil der Blues längst die endgültige Richtung vorgibt. Resignation auf romantizistisch, ein Ort für morbide Dandys. Zur Hölle, was bleibt schon, sagt Cohen, außer dieser eine Walzer, und selbst der ist längst am Verfallen, riecht nach Brandy, aber dennoch: „Take this waltz, it’s all that there is“.
 
Und genau dort, so appelliert Cohen subtil, will er sich mit ihr niederlegen (schließlich sagt keiner das Wort „nackt“ nackter als Cohen, hat es einmal geheißen – auch wenn sich die Übersetzung „niederlegen“ mit Cohens „lie down“ ein wenig patschert übersetzen lässt), mit einer der Sisters Of Mercy.
Take it away, angels
Und dann kommt sie auch ins Spiel und übernimmt die zweite Stimme, „take it away angels“, würde er sagen, was das ganze noch einmal um einige Nuancen melancholischer macht.
 
So tanzen sie also durch Vienna: „ I’ll be wearing a river’s disguise / the hyancith wild on my shoulder / My mouth on the dew of our thighs“. „Love Sex And Death“, würde Dave Matthews sagen und dabei eine Augenbraue heben und albern tanzen.
Fazit:

„Ich bin ein Wiener, sagt der Tod“, nimmt einen kräftigen Schluck und greift noch ein letztes Mal ins Cembalo, verspielt sich zwar völlig: immer noch kein Grund, nicht zu tanzen. Weil dieser gottverdammte Walzer eben alles ist, was bleibt.

 

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