Kultur – Musik

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Wien Musik 2011

13. Mai 2011 • Musik2 Kommentare zu Wien Musik 2011

Das Jahrbuch der Wiener Popmusik in CD-Form: die Kompilation "Wien Musik 2011" bietet einen schönen Ausschnitt dessen, was in Wien popmäßig derzeit passiert. Und das ist eine Menge.

Jössas, denkt man sich auf den ersten Blick: was macht der Dominic Heinzl denn da am Cover, warum sieht der so ungeschminkt und fertig aus und warum erinnert er einen an Anthony Kiedis, als der 1999 zu Californication-Zeiten die selbe Frisur in ähnlicher Haarfarbe hatte? Keine Sorge, werte(r) LeserInnen, wenn Sie, ob zufällig oder nicht, diese CD in den Händen halten, haben Sie sich nicht soeben den „Hi Society“-Sampler andrehen lassen und auch kein „Heinzl singt Red Hot Chili Peppers“-Album mit Ambros als Gastsänger auf „Otherside“: viel eher dient Herr Heinzl als möglicherweise auf mehrere Weisen interpretierbares Covermodell für das Audio-Jahrbuch dessen, was Wien in punkto Popmusik zu bieten hat. Nein, Korrektur: natürlich nur einen Ausschnitt, schließlich ist der Platz auf so einem Tonträger auch endenwollend und die Auswahl, so heißt es, konsequenterweise auch launig.

So sollte das ganze schon auch noch mehr Wien-Bezug haben als einzig die Zugehörigkeit der Protagonisten zur Stadt – das letzte, allseits gefeierte Album von Ja, Panik war ja deren Berlin-Album (Andreas Spechtl und Companions sind ja vor längerem weg von Wien in Berliner Gefilde gezogen) und insofern, obgleich sicherlich mit etwas vom Relevantesten, hier diesmal kein Kandidat. So bietet die Compilation ihrem Naturell nach hinlänglich bekanntes, aber durchaus auch Platz für neu zu entdeckendes. Ein Sampler, der von der stetig steigenden Vitalität einer Wiener Popszene zeugt, die sich dank guter und inspirierter Labelarbeit (siehe monkey, siehe Problembär, siehe Siluh, siehe Wohnzimmer, siehe et cetera) sowie Aktivität in punkto Locations und Events (über die Relevanz des Popfestes muss ja auch nicht zwingend diskutiert werden – auch wenn man sich über Line Ups immer streiten kann und wird, die Wichtigkeit, dass es so etwas gibt, dass so etwas auf die Beine gestellt wurde, ist recht offensichtlich) nun wirklich nicht verstecken muss. Im Gegenteil: es ist mehr als bemerkenswert, was sich musikalisch getan hat in den letzten Jahren. So macht Wien Spaß. Tendenz: aufwärts, weiter so.

Schauen wir uns einmal einen Auszug aus der Tracklist an.

Da hätten wir mit Kreisky sozusagen die Meister des emotionalen Sezierens von gemeinhin nicht positiv konnotierten aber omnipräsenten Gefühlen, jener Band rund um Franz Adrian Wenzl, die mit „Trouble“ kürzlich einen viel beachteten Nachfolger zum 2009er Tonträger „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ veröffentlicht haben. Die das Jahrbuch eröffnen, gefolgt von Mika Vember, die man auch nicht groß vorstellen muss, aber erwähnen sollte, dass sie in einer immer größerer werdenden Reihe von fantastischen Songschreiberinnen, die großteils unterschiedlicher nicht sein könnten, ganz vorne dabeisteht. Ihr letztes Album „Lady Of The Loops“ hat das wieder einmal einzementiert.

Beinahe ein Klassiker, Youtube sei Dank, ist Christoph und Lollos (Anti-)Hymne an einen potentiell nicht ganz fiskus-moralisch koscheren Klagenfurter Ex-Minister und den Gedanken, dass jener sein Mittagsmenü eher in der Häfnkantine als beim Plachutta einnehmen sollte. Ich glaube über „Karl Heinz“ müssen nicht mehr viele Worte verloren werden, außer dass ich keinen kenne, der beim Einklingen des Chorus nicht laut loslachen hätte müssen. Obwohl ich die beiden Herren immer eher beschränkt toll fand: das hat rein müssen ins Jahrbuch, da hätte nicht wirklich ein Weg daran vorbeigeführt. 

Die Herren Haipl, Pansky und Zirbs bilden das Synth-meets Austropop Kollektiv „Depeche Ambros“ und sind mit Single nummero uno, ihrer ureignen Version von Woiferls „Da Hofa“ vertreten, und das zu recht – wobei ich ja die Rosegger-Vertonung „Ein Freund Ging Nach Amerika“ fast noch toller gefunden hätte.

Vienna at our feet

Schon im Titel um Wien dreht sich „Vienna at my feet“ von Laura and the Comrats, über das ich im Rahmen der Reihe "Wien in Songs" hier bereits geschrieben habe. Schriftsteller und Musiker Ernst Molden, mit dem simpel aber thematisch durchaus effektiv betitelten „Wien“, darf natürlich auch nicht fehlen, wie auch die bereits genannte Violetta Parisini (die mit „Giving You My Heart To Mend“ vor einiger Zeit ein wunderbares und erfrischendes Debütalbum veröffentlicht hat) mit „Vienna“ und Bunny Lake mit Falcos „Ganz Wien“.  Redet man über wichtige Bands hierzulande sind Ginga natürlich auch ein logischer Platzanwärter, die ja seit ihrem neuaufgenommenen Debütalbum „They Should Have Told Us“ zu (recht zu) Lieblingen der Presse wurden.

Hier die detaillierte Tracklist:

01 KREISKY : “Bitte Bitte”
02 MIKA VEMBER : “We All Agree”
03 DEPECHE AMBROS : “Da Hofa”
04 CHRISTOPH & LOLLO : “Karl-Heinz”
05 AUF POMALI : “Es glitzert”
06 LAURA & THE COMRATS : “Vienna At My Feet”
07 ERNST MOLDEN : “Wien”
08 MARTIN PHILADELPHY : “Wiener Verwandlung”
09 STERZINGER EXPERIENCE : "Allemal. Ein Liebeslied”
10 HAKON : “Fut & Beidl” 11 M185 : “Space Bum Rocket Kid”
12 MÄUSE : “Herbst auf Heroin”
13 KOMMANDO ELEFANT : “Wien Frisst”
14 BUNNY LAKE : “Ganz Wien”
15 PLAYBACKDOLLS : “Die Stadt”
16 GINGA : “In The Stagelights”
17 MOB : “Hinter den Mauern”
18 VIOLETTA PARISINI : “Vienna”

Fazit: Ein schönes Stück Jahrbuch in Audioform und ein Beweis, was sich hierzulande mittlerweile tut. Schön!

(monkey. / roughtrade, hoanzl).

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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2 Antworten auf Wien Musik 2011 – Verstecken

  1. Mila Superstar sagt:

    Das Album
    ist wunderschön.

  2. gerpei sagt:

    Es gibt (schöne) Alternativcovers
    Zu beziehen über http://www.gerpei.at … einfach ein Mail schreiben, Cover aussuchen und downloaden oder zuschicken lassen.
    Viel Spaß mit WIENMUSIK2011, yeah!

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