Kultur – Musik

Whitney Houston

Whitney Houston (1963-2012)

12. Februar 2012 • Musik

Whitney Houston wurde am 11.Februar tot in ihrem Hotelzimmer gefunden. Die Umstände sind ungeklärt. Ein Nachruf.

Im Vergleich zu vielen, die ihr nachfolgten, klang Whitney Houstons Stimme zu ihrer Zeit natürlich und ungekünstelt, schien in ihrem Umfang mühelos, brauchte keine imposant-zitternden Stimmübungen quer durch die Oktaven. Whitney Houston kam aus dem Soul (das ist prädestiniert wenn deine Patentante Aretha Franklin heißt und deine Cousine Dione Warwick) und wurde zum Pop-Superstar der Achtziger Jahre.

Whitney.

1985, zwei Jahre nachdem Clive Davis sie entdeckt hatte, kam ihr erstes Album auf den Markt und verkaufte 13 Millionen Exemplare, zwei Jahre später legte sie mit „Whitney“ und Singles wie „I Wanna Dance With Somebody“ oder „Didn’t We Almost Have It All“ nochmal ordentlich nach. Es ging Stück für Stück ganz nach oben, 1988 mit „One Moment in Time“, dem Song für die Olympischen Spiele in Barcelona, 1990 mit dem Album „I’m Your Baby Tonight“.

Den Höhepunkt ihrer Karriere hatte sie wohl 1992 mit „The Bodyguard“, jener legendären Schnulze mit Kevin Costner, was ihr nicht nur einen Welthit (ihrer Version des Dolly Parton-Songs „I Will Always Love You“) sondern auch noch einen Grammy einbrachte. Auf 170 Millionen verkaufter Alben, sechs Grammys und 200 mal Platin und Gold hat es Whitney Houston gebracht. Whitney war everybody’s darling, eine auf unschuldig getrimmte Schönheit, die eingängige, auf den ersten Blick banale Lieder über die nicht immer ganz so unschuldige Liebe sang. Hochtalentiert und auf kommerziellen und geschmacklichen Konsens getrimmt.

The chains of amistad couldn’t hold us.

2009 erschien ihr letztes Album, für das sich so keiner recht interessieren wollte. Seit den Mittneunzigern driftete die mediale Wahrnehmung der Sängerin immer mehr ins Obskure, Traurige. Ihren letzten richtigen Hit hatte sie 1999 mit „My Love is Your Love“, einem wirklich tollen und von Wyclef Jean und Jerry Duplessis geschriebenen und produzierten Song. Der Song wurde ihre drittbest verkaufte Single. Längst gaben sich Generationen von anderen Sängerinnen das Zepter in die Hand.

Jenen Clive Davis, der sie unter ihre Fittiche nahm und so zum Mega-Seller machte, wollte sie am Tag darauf auf seiner Grammy-Party besuchen. Sie wurde leblos in ihrem Hotelzimmer in Beverly Hills aufgefunden und konnte nicht mehr wiederbelebt werden.

Es wird viel spekuliert werden in den nächsten Stunden und Tagen. Es wird oft geschrieben werden, dass ihr Ex-Mann Bobby Brown an allem Schuld ist, an dem Sumpf aus diversen Substanzen. An ihrem katastrophalen Comeback, an Verfall einer wunderschönen und begabten Sängerin.

(Markus Brandstetter)

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »