Kultur

(c) Galerie  Meyer Kainer
(c) Galerie Meyer Kainer

Wenn die Schrift zum Bild wird

24. Jänner 2012 • Kultur

Bereits in der Gotik war die Schrift Bestandteil gemalter Kunstwerke. Zwischenzeitlich von der Kunstfläche verschwunden, wurde die Schrift von der Moderne wiederentdeckt – nun nicht mehr als textuelle „Beigabe“ zum Gemalten, sondern sie ersetzte das Bild gleich ganz. Die Galerie Meyer-Kainer knüpft in ihrer aktuellen Ausstellung mit Arbeiten der drei Künstler Liam Gillick, Stefan Sandner und Siggi Hofer in unterschiedlicher Weise an jene Tendenzen an.

Die Entwicklung von der Schrift im Bild zur Schrift als Bild geht mit einer rezeptiven Verschiebung einher. „Ceci n´est pas une pipe“ lautet etwa der Schriftzug über einer Tabakpfeife, die René Magritte 1929 gemalt hatte und der somit den Anfang einer künstlerisch verarbeiteten Sprachphilosophie macht, welche die Beziehung zwischen dem Objekt, seiner Abbildung und seiner Bezeichnung hinterfragt. Erst Cy Twoblys Text-Bilder, scheinbar flüchtig hingezeichnete Schriftzüge, schlagen ab den 50er Jahren eine neue Richtung ein, indem sie dem Schriftbild einen neuen, eigenen Bedeutungsgehalt zugestehen.

 Siggi Hofer

In der Ausstellung "SCHRIFT BILD", die aktuell bei der Galerie Meyer Kainer zu sehen ist, wird der Verlust eines visuellen Realitätsbezuges durch verschiedene „Sprachexperimente“ zur Diskussion gestellt. Siggi Hofer stellt beispielsweise textuelle und visuelle Zeichensysteme einander gegenüber. Mit einer Aneinanderreihung verschiedener Elemente aus Bild, Objekt und Schrift schafft der Künstler neue Denkräume, die der Betrachter assoziativ erfassen muss.

 rechts: Stefan Sandner

In Bezug auf die Ästhetik am ehesten mit Twombly verwandt, sind die Arbeiten von Stefan Sandner. Indem er Fragmente vorgefundener handschriftlicher Notizen malerisch umsetzt, beschäftigt sich der Künstler mit der Formensprache des (medialen) Alltags. Nicht allein der Gestus des Malens ist seinen Arbeiten inhärent, er bezieht sich gleichzeitig auf weitere, außerbildliche Medien. Anders als beispielsweise in der Konzeptkunst, wird Schrift in seinen Arbeiten nicht dem Bild gegenübergestellt, sondern sie fungiert als autonome Form.

Eine wiederum komplett andere Herangehensweise verfolgt der britische Künstler Liam Gillick. Er transformiert seine Textassemblagen aus Aluminiumguss schließlich ins Dreidimensionale, indem er diese frei im Raum schweben lässt. Ihr „Text“ bezieht sich auf divergierende soziale Modelle und historisch-utopische Ideale und steht als sichtbares Narrativ einer dazugehörigen Geschichte. Die Zeile THE DAY BEFORE THE CLOSURE OF AN EXPERIMENTAL FACTORY stammt aus einer dieser Stories, die gewissermaßen zu Ende erzählt werden muss und sodann die Schrift zum Bild wird.

Schrift Bild
Liam Gillick / Siggi Hofer / Stefan Sandner
Galerie Meyer Kainer
bis 25. 2. 2012
Eintritt frei.

(BP)

Fotocredits:
alle Fotos: Tina Herzl
(c) Galerie Meyer Kainer, 2011


Galerie Meyer Kainer

Eschenbachgasse 9
1010 Wien
+43 1 585 72 77
http://www.meyerkainer.com

Di-Fr 11-18:00 Uhr
\r\nSa 11-15:00 Uhr
\r\nSo, Mo geschlossen.

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