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WEEGEE/ICP, um 1936 Ihr erster Mord

Weegee

22. November 2011 • Kultur

  • WEEGEE/ICP, um 1936 Ihr erster Mord
  • WEEGEE/ICP, um 1943 In der Limousine nach einem Abend in der Metropolitan Oper

Sein Markenzeichen waren Fotos aus nächster Nähe, mit Einsatz von hartem Blitz, mit oft erschreckenden Motiven und Szenen aus der New Yorker Lower East Side. Die Galerie Westlicht zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung eine umfassende Schau des Fotografen, der Zeit seines Lebens so nah am Geschehen dran war, wie kein anderer.

Weege, der mit bürgerlichem Namen Usher Fellig und sich später in Arthur Fellig umnannte, interessierte sich schon früh für jene Stellen, an welchen der Schein einer heilen Gesellschaft brüchig geworden war. Mord, Gewalttätigkeiten, Unfälle und Obdachlosigkeit waren daher zentrale Bildsujets seiner Fotografien. Ausgestattet mit einem Polizeifunkgerät war er immer einer der ersten der am Schauplatz der Verbrechen sein konnte. Neben den Geschehnissen hielt Weegee mit seiner Kamera immer auch die Reaktionen der abgebildeten Personen und der Schaulustigen fest, wodurch er den Voyeurismus der Menschen als regelrechtes Gaffen entlarvte.

Keine Scheu vor Tabus

Weder Höflichkeit noch Scham vor gesellschaftlichen Tabus hielten Weegee davon ab, ein Foto zu schießen. „Ich habe keine Hemmungen und meine Kamera auch nicht“, sagte er einmal. Immer war er bemüht, einen unverstellten Blick auf die Menschen der Stadt zu werfen und bildete diese bevorzugt ab, wenn sie sich völlig unbeobachtet fühlten. Dazu fotografierte er heimlich mit Infrarotlicht in Kinos, stellte seine Kamera ab und löste sie unerwartet per Fernzünder aus oder lichtete oft auch Personen im Schlaf ab.

Umfassender Dokumentarist der New Yorker Gesellschaft

Im New Yorker Nachtleben fühlte sich Weegee zu Hause. Doch sein Werk beschränkt sich nicht nur auf Bilder von der „dunklen und gefährlichen Seite“ der Lower East Side. Wie die Ausstellung zeigt, hielt der Fotograf auch ganz alltägliche Szenen, beispielsweise von Kindern fest, sowie Schnappschüsse von Personen aus der New Yorker High Society, die in der Gegenüberstellung mit den anderen Exponaten reichlich skurril wirken. In dieser umfassenden Dokumentation ist Weegee ein genauer Chronist seiner Zeit, der den Mythos der Klassenlosigkeit mittels seiner Kamera genauestens desavuiert.

Spiel mit dem Medium der Fotografie

In einer anderen Werkserie experimentierte Weegee mit dem Medium Fotografie. Es entstanden eine Vielzahl an Fotomontagen und Fotokarikaturen berühmter Persönlichkeiten, wie beispielsweise Salvador Dali. Zunächst nur in Pressekreisen berühmt, wurde er später – auch dank seiner Publikationen und Arbeit für Magazine – ein berühmter Fotograf. Bei seinem Tod im Jahr 1968 war er jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten.

Zwischen Sensationslust und Dokumentation

Insgesamt oszilliert die Ausstellung um den schmalen Grat zwischen Sensationslust, Voyeurismus und Dokumentarismus, der nicht nur Weegee selbst und seinen Fotoarbeiten auszeichnet, sondern auch den Betrachter miteinbezieht. Alle Fotos in schwarz-weiß und handwerklich exzellent, sind es vor allem die Motive, die auch heute noch erschrecken, verblüffen, vielleicht Ablehnung hervorrufen – vor allem aber berühren.

(Barbara Pflanzner)

Weegee
Galerie Westlicht
bis 12.2.2012
Eintritt € 6,50 / ermäßigt € 4,00

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Westlicht



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