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vorsicht ausländer

Vorsicht Ausländer

10. Dezember 2010 • Kultur

  • vorsicht ausländer
  • Kunst im öffentlichen Raum
  • Kultur Raum Neruda

Gesellschaftskritische Kunst im öffentlichen Raum

Wer mit aufmerksamem Blick durch die Stadt geht, sieht im Moment immer wieder Plakate mit der Aufschrift „Vorsicht Ausländer“. Die Plakatserie stammt vom Wiener Grafiker Patricio Handl, welcher mit seinen „Patografien“ Stellung zum öffentlichen Ausländerdiskurs nimmt.

Mir stachen seine Plakate deshalb ins Auge, da sie mit gängigen Klischees spielen und diese gleichzeitig aufbrechen. Ich finde diese Form der Kunst im öffentlichen Raum spannend, da sie Konflikte und Rassismen spielerisch hinterfragt. Man muss nicht immer mit dem „Vorschlaghammer“ agieren, sondern kann eine Gesellschaftskritik auch augenzwinkernd formulieren. Im Falle seiner Arbeiten hat das zu diversen Irritationen bei den Betrachtern geführt.

Was die Plakate denn nun bedeuten sollen?

Seine Werke bezeichnet Patricio Handl als „Patografien“. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie "Zeichnung eines Krankhaften“.

Die Arbeiten des Künstlers sind auch eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft. Er ist in Chile geboren und Argentinien aufgewachsen, sein Vater wurde in Wien geboren und 1938 aus dem Land vertrieben, die Mutter stammt aus Uruguay. Mitte der 80ger Jahre begann er auf eigene Kosten Plakate im öffentlichen Raum anzubringen und so an der Migrationsdebatte teilzuhaben. Seine erste Plakatserie titelte mit „Wir Wiener“. Darauf folgte zwei Jahre später mit „Wir Tschuschen“ ein Plakat, auf dem zwei Migranten als Mafiosi verkleidet waren.

Ein Querschnitt der Werke Handls wurde im November im Kultur Raum Neruda gezeigt. Der Künstler selbst meint über seine Arbeiten, dass sie mit Zweideutigkeiten arbeiten. Das merkt man auch an den Reaktionen der Betrachter: sie sind im ersten Moment nicht sicher ob die Aufschrift „Vorsicht Ausländer“ als Warnung oder Persiflage gemeint ist. Die Grenzen der Menschlichkeit, die vor allem in Wahlkampfzeiten immer wieder ausgelotet werden, will Handl so zum Thema machen.

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